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Der Israelit · 1861-08-21 · Heft 34 (21.8.1861) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 34 (21.8.1861)
Date
1861-08-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Während diese nur vom kalten starren Egoisrpus beseelt wären." — O gewiß, Herr Mirvs, alle jene jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten, Hospital, Orphelinat:c. rc., die das Haus Noth schrld, Ihnen ja von jeher ein Dorn im Auge, hier und in aller Welt gegründet und mit alljährlichen bedeutenden Gaben unterstützt, und alle jene übrigen geheimen und öffentlichen Wohl- und Liebesthaten desselben und vieler andern deutschen Familien, sie alle, alle sind nur aus egoistischen Zwecken hervorgcgangcn, während Sie, Herr Mirds, Jude des Südens, Ihren Sinn sür's Allgemeine unstreitig darin gezeigt ^aben, daß Sie, nur ein wenig zu sehr verallgemeinernd, als Indo eine katholische Kirche aufs reichlichste beschenkt, und als Bürger die Leute um ihr Geld gebracht haben. — Doch genug davon! Herr Mir.'s hat ausgehört eine Nolle zu fptckn und man glaubt kaum, daß seine Appellation ihm etwas nützen wird. — Gehen wir nun zu was Anderem über, betrachten wir nämlich, wie es überhaupt hier mit dem Indent hum steht; das wird Dich jedenfalls mehr interessiren. — Aus morgen also, da ich kaum mehr einige Stunden für heute erübrigen werde. — Palästina. Jerusalem, Anfang August. Der neue Sultan hat die Gleichheit der verschiedenen Eonfessioucn! bestätigt. Zur Charactenstrung hiesiger Zustände einige Züge. Beim Thronwechsel erfolgte Amnestie, Räuber und Mörder wurden wieder frei, zum Schrecken der Bevölkerung. Ein Bruder des berüchtigten Abdal Nahman aus Dura in der Nähe von Hebron, saß in der Festung Widdin gefangen. Dieser Tage kehrte derselbe in seine Heimath zurück, zum Schrecken aller friedlichen Bewohner HcbronS und namentlich unsrer dortigen Glaubensgenossen. Seitdem herrschen die traurigsten Zustande dort, Kampf und Raub nnd Mord. Vorgestern ging Militär von hier mit schwerem Geschütz dorthin ab. Tie Regierung hätte sich und den Bewohnern - des Landes da- Alles leicht ersparen können, So wurden noch andere, gefangene Mörder (Beduinen) freigelassen, nm sogleich von den Ver- 1D erläge z« Nro. wandten der Gemordeten getödtet zu werden. Diese nehmen nunmehr die Plätze der Amnestirten in derr Gefängnissen ei»:, bis eine neue Amnestie dasselbe grausame Spie! wiederholt. ->nri H § n i l l e r 0 n Die Jucken in Jom. ,V,ack tt», Magaän für dir Literatur dcs Auslandes.) Der mächtige Freiheitsrus, welcher gegenwärtig Italien von eine»! Ende zum anderen durchstiegt/ der selbst die Bewohner der ewigen Stadt an der Tiber begeistert, hat auch einen kleinen Theil der römischen Unterthanen, die Bewohner des Ghetto, mit Hoffnungen erfüllt, deren Verwirklichung diese PariaS von einer Zeit zur anderen mit nie gestillter Sehnsucht entgegen sehen. Diese von der menschlichen Gesellschaft gleichsam Ausgcstoßciicn verdienen durch ihre Schicksale und ihre Widerstandskraft gegen die Mißhandlungen von achtzehn Jahrhunderten Erstaunen, ja die Bewunderung der Welt! „Es mag allerdings räthselhast erscheinen" — wie ein neuerer Schriftsteller sagt — „daß eine so mißhandelte Menschensörte auS einem und demselben Familien Geschlecht und in einem und demselen Straßenwinkel und in einer uad derselben verpesteten Luft, sich von Generation zu Generation fortzeugend, als ein individuelles Ganze und als ein lebendiger Organismus sich hat erhalten können, — denn seit Pompejus dem Großen wohnen Juden in Nom. Von den ersten römischen Kaisern mehrmals aus der Stadt gejagt, kehrten sie immer wieder dahin zurück, und seit Tacitus behielten sie bis aus den heutigen Tag ihre Wohnplätze in der, Stadt nnd nisteten hier auf der für sie gefährlichsten Stelle der Welt, weil unter den Augen der Römer, ihrer Feinde, welche Jerusalem zerstört hatten." Von Pompejus Zeit an trugen sie Schimpf, Verachtung, Ehrlosigkeit und endlich, als unreine ParjaS, zu einem Ghetto organisirt, klammerten sie sich in diesem elenden Winkel krampfhaft aneinander/ und dauerten allen Wechsel der Jahr Hunderte und das furchtbare Einerlei ihres h.klagcnLwerthen Zustandes aus, —ein dunkler Anblick und ein schmutz!, SL des Jörselil).

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