Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1861)
- Date
- 1861-08-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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415 1eS nach allen Seite» und Richtungen hin zu verbreiten! n,L MögeUer in Nikolsburg recht glücklich sein! Möge es ihm gelingen, dort, wo Zeder für alles Edle und Schöne eingenommen, wld wo der Wirkungskreis weit größer und bedeutender ist als hier, möge cs ihm gelingen, mehrere Institute zum Heile des Judenthums, zur Erhebung der Thora, wie eS immer sein heißester Wunsch war, einzusühren und zu erhalten. Möge auch der Wunsch unserer Gemeinde in Erfüllung gehen, einen solchen Rabbiner wieder in ihre Mitte aufnehmen zu kön- und Gelehrte mit gleicher Macht Anziehen, kann selbst beobachten jenes Leben und Treiben, jene Sitten und Gewohnheiten, die mir bis jetzt nur Bücher und Berichte vormalten, nnd doch, Du wirst mich lächerlich finden, muß ich Dir gestehen, daß mir gar Manches in der Phantasie herrlich Gebildete, hinter derselben zurückgeblieben schien. — So hätte ich wahrlich diejenigen ausgclacht, die mir erzählt hätten, daß sich in Frankreich noch Rischuß finde, und doch gibts auch Hier, wie im gesegneten Vaterlande, gemeines Volk genug, das sich nicht schämt, einem ehrnen, einen Mann, der wahre ungeheuchelte Frömmigkeit besitzt, und der im Stande wäre, unfern Verlust wieder zu ersetzen. In einem der jüngsten Blatter der Zudth. Zig. hat Herr i)> Philippson, der sür das Interesse des Judenthums solche Sorge (?) tragt, sein De-/ dauern über die jetzt zu errichtenden Seminarien au-gedrückt und trat derselbe, seiner Gewohnheit gemäß, mit persönlichen Schmähungen auf, gegen die neuern orthodoxen Rabbinen, gegen Männer, die er nicht einmal kennt, und deren Charakter ihm ganz fremd und unbekannt ist. Wir fragen nur: 'N2 -rp -.1'? Genug hat schon das Judenthum durch jenes Blatt Schmach und Schande erlitten, zu tief ist die Thora gesunken und die Ehre der ^2" erniedrigt. Noch sind die Reliquien vorhanden, der vor mehr als zwei Decennien gehaltenen Unterredungen und Berathschlagungen über Regelung (!) des Gottesdienstes und der jüdischen Gebräuche. Freilich fürchtet Herr Or. PH., eS könnten seine uns heilbringende (?) Principien, durch Errichtungen der Seminarien und Institute vereitelt und vernichtet werden. Da wir aber sür die Sache Gottes ins Feld ziehen, so können wir derlHoffnung leben, Laß: 2-.2V .->2^ '-.2. I. CH. Frankreich. Daris. (Pariser Briefe au einen Freund.) lk. So bin ich denn angelangt am Ziele meiner Reise, stehe inmitten jener großen weiten, Fremde aller Ztationen in sich schließenden Stadt, die schon Jahrhunderte der Mittelpunkt der ganzen civilisitten Welt ist, kann nun die Wunder und die Schätze alle sehen, die auszchäuft seit grauen Jahren, Künstler sam dahin wandernden Juden guii'" nachznrufen, und ist mir auch dergleichen noch nie widerfahren, so habe ich doch schon gar Manches selbst gehört, was den unangenehmsten Eindruck auf mich machte. Laß es Dir erzählen. — Kaum in Paris angekommen, wollte ich einen Freund besuchen, wußte aber nicht mehr recht, ob er No. 17 oder No. 7 wohnt. Gehe also zuerst nach No. 7 nnd erkundige mich bei dem Oonoierg« ob Herr L. hier wohne? Jst's ein Jude? fragte dieser. Schon ziemlich verlegen, ob dieser Frage, antwortete ich: Ja. „Na, dann ist'S nicht hier, denn wir nehmen keine Juden!" — Solche Antwort wäre mir auch in Deutschland ausgefallen, hier hat'S mich entrüstet. Man möge aber nicht glauben, daß sich dieses Rischuß nur auf daS Privatleben beschränke, auch öffentlich findet man zuweilen so manches Körnlein dieses Unkrautes. So ist e§ auch noch gar nicht so lange her, daß ein witzig sein sollendes Pariser Blatt in einem jüdischen Komponisten, nicht den Komponisten, sondern den Juden persisflirte — Du erstaunst, auch mir war es anfangs unbegreiflich, daß es .in einem Staate, wo der Jude schon so lange im wahren Sinne des Wortes Bürger ist, sich in allen möglichen Zweigen dev Wissenschaft, der Kunst und des Handels ausgezeichnet, noch Vorurtheile gibt, die vom großen Haufen' beifällig ausgenommen, auch gar manchmal von den höhern Klassen gebilligt, werden, daß ein Beuillot eS noch wagen kann, alte Mährchen gegen das Judenthum wieder aufznwärmen, nnd ein Natisbonne sich untersteht, gegen eine ganze Nation auf die gemeinste Art zu schimpfen. —Jedoch Vorurtheile, grau geworden durch Jahrtausende, lassen sich in Jahrzehnten nicht vertilgen, und mag der Staat auf noch so hoher Stufe stehen, das Volk wird nur wenig davon