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Der Israelit · 1861-08-21 · Heft 34 (21.8.1861) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 34 (21.8.1861)
Date
1861-08-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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. Oesterreichischer Kaiserstaat. ' Hnmpoletz, Böhmen, Anfangs August. Ein! Vorfall, der sich jüngst in unserer Nähe zugetrageu, - verdient weitere Verbreitung, damit Ettern bei der Wahl von Hauslehrern die nöthige Vorsicht nicht - außer Augen lasten. Herr S., Gutsbesitzer in P.,? hielt sich bei seinen Kindern einen Hofmeister^ Namens B., dem er nebst freier Station ein jährliches Hono-! rar von .M» fl. oft. W. bezahlte. Unter den Zogl lingen befand sich ein i:i—läjähriges Mädchen, an; welchem Herr B. 10 glänzende Anlagen zu entdecken - vorgab, daß er es allein unterrichten zu müssen behauptete. Eines Tages überraschte der Vater den j Lehrer beim Unterricht, den dieser mit Küste» zu be- ' siegeln für angemessen hielt. Der zärtliche Insor- , mator ist mn Ausreden nickt verlegen und will den! zürnenden Vater überreden, sein sonderbares Benehj men sei nur die Folge des Entzückens über die gkän- » zenden Fortschritte deS Töchtcrckens. Um kein Auf- - sehen zu erregen, sandte der Vater leine Tochter zu! einer nahen Verwandten und entließ später den Hofmeister. Dieter aber wußte in geheimer Weite einen Briefwechsel mit seiner talentvollen Schülerin i zu unterhalten, wahrscheinlich um die begonnene Ausdildnng derselben nicht zu unterbrechen. Nach einiger Zeit begibt sich der gewissenhafte Lehrer in Begleitung zweier wack.'rer Freunde in die Nähe des Ortes, wo feine vormalige Schülerin »ich jetzt aushalt und sendet einen seiner Begleiter zu ihr ab, um sie zu sich miss Feld zu locken. Rührend war das Wieder- : sehen der io grausam (?) Getrennten, und H^rr B. ' versteht es, das unerfahrene Kind zu bereden, die , Seinigc zu werden- Nachdem diese ihre Einwilligung gegeben, steckt er ihr in Gegenwart der zwei Zeugen mit dem üblichen Spruche .-x den Trauring an den Finger. So wagte cs ein schändlicher Hübe, mit den heiligsten Gesetzen Gottes ein furchtbares Spiel zu treiben! l Mau trennte sich nun in der Hoffnung auf, bal-! diges Wiedersehen. Von dem ganzen Vorfälle wußte? natürlich Niemand außer den betreffenden zwei Zeugen und das aus freiem Felde getraute Ehepaar. Da erhielt plötzlich der unbewußt zum Schwiegervater avancnte Herr S. von seinem unterdcß nach Brünn überglstcdeltcn Schwiegersöhne einen Brief, in welchem derselbe unter Drohungen sein geliebtes Weib verlangte. D.r gekrankte Vater, von dessen Bestürzung man sich leicht eine Vorstellung machen kann, wendct sich zuerst an den nächsten Rabbiner, (Freund in Patzau, einen frommen und gekehrten Man»> welcher um das Verhör des einen hier wohnhaften Zeugen zu veranlassen, sich an die hiesigen '"Nid wendete, die dann auch ohne viel Schwierigkeit ermitteln, daß der genannte Zeuge ein cr.2^2 ist. Jetz» ist die ganze Angelegenheit dem Herrn Oberrabb. Nappoport in Prag zur Entscheidung vorgelegt und man erwartet de« Ausgang mit Spannung. Es wäre sehr zu wünschen, daß der Ehrlose , welcher eine ganze achtbare Familie in Trauer und Verwirrung gestürzt, sein ZW nicht erreichen möge. rrv'n p vr- Ph. Lederer» isr. Lehrer in Hiimpoletz. Neutra, im August. Nicht ohne schmerzliche Rührung theilen wir mit, daß unser hochgeehrter Herr Rabbiner De. Feuchtwangcr uns verlassen und bereits seinem Rufe nach Nikolsburg, wo er zum geistlichen Oberhaupt« gewählt wurde, Folge geleistet hat. Die hiesigen zahlreichen Freunde und Verehrer des genannten Herrn l>p.'s, sowohl Orthodoxe als auch Neoiogen, können den Verlust nicht verschmerzen uud sehen ihn als einen unersetzlichen an- Jeder glanbke ein Mitglied der Familie, eine» Vater scheiden zu sehen, der noch das letzte Mal mit sanften und rührenden Worten seine Kinder zurechtweist und ihnen zugleich den Segen ertheilt. lind in der Thal war er ein Vater für die hiesige Gemeinde, ein Vater der bis zu seinem Amtsantritte verwahrlosten Schule, die nur unter seiner Leitung und seinem unermüdlichen Streben immer mehr austckühete uud an Glanz und Ansehen zunahuk. i Mit voller Hingebung und Thatkrast machte er sie zur wahren Pflanzstätte der Thora und der edlen Wistenschasten, und wußte es so einzurichten, daß weder der eine noch der andere Theik gefährdet oder geschmälert wurde. Dank, tausendfältiger Dank entquillt aus so vielen, vom wahren jüdischen Geiste durchdrungenen Herzen diesem Manne für feine» : unermüdlichen Eifer, den er während seines Hierseins! an dm Tag gelegt, die Thora und das Wort Gok-

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