Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1861)
- Date
- 1861-08-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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398 Gottes und der Menschheit gleichgiltig, lau und träge! lich „die Vernachlässigung der.heiligen Gesetze und sein? Und soll cs, kann cs der Seelsorger Ceremonien" nichts Grund, sondern Folge des relidcffen Berns es ist, Religiosität und Tugend zu^ver«! gissen Verfalls. Jene Ursachen liegen überhaupt breiten, und dem Vcrderdniß wo möglich Einhalt zu! viel tiefer, als der Verfasser sie faßt. Dieselben Erthun? Kann es dem jüdischen Seelsorger gleichgiltig j scheinungen zeigen sich bei allen positive« Religionen sein, wenn seine Glaubensgenossen den jüdischen Müs verlassen, die Speisegesetze ohne Noth übertreten/,ja den Gottesdienst vcrpönen?! Muß er nicht auf Mittel sinnen, daß wenigstens eine kommende Generation und die Anfänge dieser Anstande liegen in den Ideen der französischen Encvclopädisten, deren Verkörperung die Revolution von 99 war. Für uns Jude» ist noch speziell das Fallen der socialen und staatlichen besser sein möge? Muß er nicht dafür Sorge tra-,! Schranken der Grund, der unfern unZ sondernden gen, daß der Lebensbaum des Judenthums, seine heilige göttliche Religion, nicht noch mehr vom Unkraut der Zeitidecn um wuchert werde? Kann er auch nicht das Eingc.rissene wieder aufbauen, so soll er doch nichts desto weniger bestrebt sein, das Bestehende nicht einreißen zu lasten. Auch dürste der Satz: „Der Erwachsene bleibt schon wie er einmal ist", nicht ganz wahr sein, und die Anwendung desselben aus die moralische und re- Religionsgesetzen so starke Wunden schlägt- Das Sichmischen unter die Völker bedingt ein theilweifeS Rufgeheu in dieselben^ und es ist dieses keins der geringsten Nebel dieser langen Galuth-Epoche. Treffend dagegen sagt der Verfasser: „Das Judenthum hat zu allen Zeiten das Große, Schöne und Erhabene der Zeiiideen in sich ausgenommen und mit seiner heiligen Lehre assimilirt. Sind sie ja doch beide eiucrle! Ursprunges; sind ja doch die jeweiligen Zeitidecn, in so ferne sie Wahrheit sind, ligiöse Desteruug der Menschheit von Seiten des Seelsorgers keineswegs gerechtfertigt werden können, s wie die Wissenschaften überhaupt, nur die in der Lieblingsgeschöpf Gottes;; Natur und in der menschliche» Vernunft zum Ist doch der Mensch ein hat er doch ein moralisch-religiöses Gewissen, welches! er zu seiner eignen Zufriedenheit beruhigen und zufrieden stellen muß; hat er doch eine göttliche Seele in sich, die in gewissen feierlichen Augenblicken den Fesseln der Sinnlichkeit sich entziehend, in einen verborgenen Winkel des Herzens sich znrückziehet, um von da aus ahnungsvolle Blicke in die Zukunft und in eine bessere, geistige Welt zu werfen, wo ihr sodann alles Weltliche, alles Sinnliche, so kleinlich, so nichtig, so eitel Vorkommen muß, wie jenem Weisen, der da sprach: „Ich lvollte des Wohllebens pflegen, ich wollte mir nach Herzensluft gütlich thun, aber siebe: Es ist alles eite?.'" Sollte nun diese göttliche Seele cs nicht im Stande sein, sich von den selbst geschmiedeten Fesseln der Sünde los zu winden, um cm heiligeres, göttlicheres Leben als bisher zu führen? Unzählig sind die Stufen an der Leiter, die von der Erde bis zum Himmel silbrig und die die Menschheit in der "Zukunft noch ersteigen wird, ersteigen muß." Ehe nun der Verfasser Vorschläge zur Bcssergeswlürng macht, sucht er erst die Quellen zu entdecken, die unsre heutigen religiösen Zustände verursacht haben, hierbei ereignet es sich ihm jedoch , daß er vielfach die Fola-n als Ursachen darsteüt; ko ist doch wahr- Ausdruck gekommenen Ideen des einzigen Gottes, des Schöpfers der Natur und des Menschen, eben so wie d e heiligen Lehren der Religion die Ln dev Offenbarung zum Ausdrucke gekommenen Ideen und Gesetze desselben Gottes, der Urquelle alles Seins, sind. Kann also die heilige Lehre zu den Zeitidecn und zu den Wissenschaften überhaupt nicht sprechen, und hat sie nicht zu allen Zeiten so gesprochen: „Hat nicht ein Gott uns alle erschaffen, haben wir nicht alle einen Vater, warum sollen wir als« gegen einander treulos handle»?!" Gott behüte also, daß wir daS eigne Nachdenken zu unterdrücken, und die Glaubensgenoffen in Unwissenheit zu erhallen suchte» — Unwissenheit war zu allen Zeiten verpönt in Israel! — wir wolle» vielurehr das Denken im Allgemeinen, so wie die Aufklärung in Nelig'snsangelegenheiten insbesondere, nur befördern. Mit andern Worten, mir wallen uns zur allgemeinen Bildung Glück wünschen; nur muß mit der allgemein fortschreitende» Verstandeskultnr die religiöse Verstandes- und Herzensbildung wenigstens gleichen Schritt ha^ ten,' wenn jene nicht auf Abwege führen soll. Wir wollen ferner der Strömung der Zerkideen keinen