Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1861)
- Date
- 1861-08-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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394 t halber nach Paris ging und da die beiden Herren „nt denen ich gekommen war, noch gar nicht daran dachten, ihr Diner zu beendigen, so ging ich mit Herrn B. allein nach der Eisenbahn zurück. Wir kamen gerade recht, stiegen also gleich in den Wagen, der schon von zwei schlafenden Individuen besetzt war, und fort ging'S einer neuen Heimath zu. — Herr B., mein Reisegefährte, war vor ungefähr 30 Jahren in meiner Vaterstadt als ir.-m gewesen, kannte meine Familie ganz genau, und erkundigte sich nach gar Vielen, die schon lange, lange in eine bessere Welt adbernfen waren, und wußte durchaus nichts von den Veränderungen die in der Gemeinde vorgegangen waren. Ich entwarf ihm daher ein ziemlich genaues Bild von den jetzigen jüdischen Verhältnissen in meiner Vaterstadt, das ihn auf's Höchste befremdete. „Man möchte kaum glauben, rief er aus, daß eine ganze Gemeinde binnen so wenigen Jahren-sich so ändern könnte; ich glaube aber doch, daß gar viele Schuld den Vorstehern und Ngbbinen der damaligen Zeit beizumcssen ist; denn,! der Theorie nnd das Ende vom Liede war, daß in wo sollte eigentlich bei der damals Heranwachsenden den zwanzig, dreißig und vierzig Jahren gegen alle Jugend die Liebe für das Judenthum Herkommen? Religion der größte Jndifferentismns in Deutschland Vom fünften Jahre an in ein dumpfes -mn gesperrt, j eintrat. Nicht das Jndenthnm allein ward damals wurde den armen Jungen vom 2'rr und bis zur j getroffen, der Katholicismus erhielt damals eben so Alles mit Prügeln eingcbläut; wie glücklich j schwere, wenn nicht schwerere nnd unheilbarere Wunmnßte sich nun ein Kind schätzen, wenn es das > den. Wie ist es aber jetzt? jene reformistischen Parteien im Judenthum, die sich noch vor kaum zwei Jahrzehnten so groß machten, sie schmelzen immer inneruugen erweckt. Warum haben jene Leute, die mehr zusammen, und Dank der Ausdauer, der der noch gar oft eine Frage ist, so ist es schon sehr viel, wenn ihn alle drei Wochen eine n-E beschäftigt *); damals wurde an einen Rabbiner außer dem der ihm gar oft den Morgen nahm, auch eine gehörige Anzahl nHrrv gerichtet, die ihm für den Nachmittag vollauf zu thun gaben. Woher sollte er die Zeit nehmen, sich mit der Schule abzugebe»? Unter den Vorstehern der damaligen Zeit aber waren sicher Viele, die einsahen, daß für die Jugend mehr geleistet werden müßte, aber woher taugliche Leute bekommen? Glaubten sich nicht diejenigen, die etwas mehr wußten, etwas höher begabt waren, beleidigt, wenn man ihnen nur den Antrag stellte, Chederlehrer zu werden? Endlich, und dieses halte ich für die Hanptmsache, lag dieser allmählige Abfall von allem dem, was Religion hieß, in der Zeit und in all den neuen Ideen, die allerdings von Frankreich ausgegangen waren und auch dort gleich praktisch angewandt wurden; in Deutschland aber, wo die Praxis fehlte, beschäftigte man sich um so mehr mit Eheder verlassen und alles das bei Seite legen konnte, was ihm nur die unangenehmsten Nückerau der Spitze standen, nicht dafür gesorgt, Männer oder Jünglinge für den Unterricht zu finden, die mit wahrer Begeisterung nnd Hingebung ihr Amt versahen, und so auch wahre Begeisterung in de» Herzen der Jugend erwecken konnten! Meinen Sie nicht auch?'"' — Allerdings ist auch ineine Meinung, daß Vieles im Jndenthnme heutigen Tages besser stünde, wenn mau mehr Rücksicht auf das Heranwachsende Gcsü locht genommen hätte, jedoch fern sei es von mir, jenen frommen und ehrwürdigen Männern, die damals an der Spitze standen, einen Vsrwn'.s hiermit, zu machen. Was die Rabbinen anbclangt, so waren diese damals noch ganz anders beschäsügt als heute, -heutigen Tages bat ein Rab- Energie und dem Mnthe einiger begabter Männer in Israel, wird gar bald eine Jugend sich gebildet haben, die nicht mebr einreißen zu müssen glaubt, sondern im Sinne der Väter rüstig weiter zu baue« im Stande ist. — Ich hatte so eifrig gesprochen, daß ich gar nicht bemerkt, daß Herr B. indeß emgeschkasen war. Da schlief nun Alles im Waggon, wach jetzt anfangen? „Auch schlafen!" sagst du. Wahrlich ich schlief auch und das gehörig; denn als ich auswachte. waren wir nur noch eine kleine Strecke vo« Paris entfernt. Jetzt hielt mich tbeils Neugierde, theils auch etwas Furcht vor den Pariser Gauner^ streichen, vor denen mau mir Angst gemacht hatte. .. . - , » Äurn. der Red. Rach uniern »?rfa!>runzen können sick> Mer alle Mouat, böchncns alle Tage , eine , ertbstoren Rabbiner übe» Mangel an Schaakoth nicht be- Predigt zü halten, und kann er paskencu, was lei-f klagen. ' ' ' . >