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Der Israelit · 1861-08-07 · Heft 32 (7.8.1861) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 32 (7.8.1861)
Date
1861-08-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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390 in Abrede stellen, daß sie ihm mit Vertrauen entgegen kamen (wir können Beispiele ansühren). Herr Stein erzählt selbst, wie sie bei wichtigen Veranlassungen ihm Deputationen zusandten mit den mäßigsten und besonnensten Vorschlägen. Herr Stein erzählt ferner, daß alle ernsten Bemühungen der Männer der alten Richtung znm Theil bei ihm selbst, bei dem Vorstande aber stets und ständig vergeblich waren. Er erzählt (S. 7) wörtlich: „Damals (nach einer in versöhnlichem Geiste gehaltenen Predigt) hofften selbst die Männer der alten Richtung auf Versöhnung. Nachdem ihnen Jahre lang mit einer unverantwortlichen Harte, die jetzt von Allen beklagt wird, begegnet worden war, ergriffen sie die ihnen von heiliger Statte dargcbotene Hand mit Wärme, und auch von dieser Seite wurden mir erhebende Beweise des Zutrauens und der Anerkennung zu Theil." Wenn nun aber diese Altgläubigen dicht so freventlich ihre theuerstck Ueberzeugunger^ und Rechte! sich nehmen lassen wollten, und bei ihren religiösen Ge-2 brauchen beharrten, die ihnen von den Vätern vererbt worden waren: wer war es, der sich "»wun zo war, der sich von der jüdischen Gemeinde trennte^ war cs die Partei, welche beim status guo blieb, oder die, welche die Neuerungen, einführte? — Und die Propheten hätten gut geheißen) im Tempel an dem „fremden Dienst" sich zu beiheiligen, um die Einheit der Gemeinde nicht zu zerstören, kein Preis wäre zu theuer, um die Einheit in Israel zu erhalten? Dann war MoseS, der göttliche Mann, ein Verräther, als er durch die Leviten die Anbeter des nglduen Kalbes niedermetzeln ließ; dann handelten die neun und halb Stämme treulos, als sie in Josua'S Zeiten ihre Brüder jenseits des Jordans mit Krieg überziehen wollten, weil sie glaubten, dieselben wollten sich von ihrem Gotte trennen; dann war Pinchas nur ein gemeiner Mörder, als er mit glühendem Eifer der, im Lager Israels eingeriffeuen, Unzucht entgegentrat; dann war Eliah, der Prophet, eine Abtrünniger, als er den Betrug der DaalSpfaffcn bekämpfte; dann waren die Stämme Israels nur gemeine Räuberbanden, als sie in höchster sittlicher Entrüstung einen ganzen Bruderstamm soft vernichteten, um die Schandthat in Gibeah zu rächen; dann hätte jeder FriedenZliebendr auf die Seite des sich gegen den eignen Vater anflehnenden Absalom treten muffen, und alle Propheten hätten das wahre Interesse der Glaubenseinheit nicht verstanden. Nein, so weit darf die Friedensliebe nicht gehen, daß man Bandit unter den Banditen wird, und unter den Wölfen mitheulen mußt Nur in der Trennung ist in solchen Fällen Heil zu finden; eS ist ein wwv k'.-.V rip'vnL, das in Fs. eintrat, eine Spaltung um Gottes willen, und sie wird Bestand haben! Darum können wir Herrn Stein auch beipflichten, wenn er sagt, die Israeliten hätten den furchtbarsten Druck Jahrzehnte hindurch erdulden, und sich nicht vom Hause Juda trennen sollen. Den staatlichen Druck hat Israel oft genug erduldet, und fühlte sich nicht unglücklich; aber den religiösen hat es Gottlob immer abgeschüttelt. Eine höchst unwahre Beschuldigung, um nicht zu sagen eine arge Fälschung, läßt sich Herr Stein noch gegen die Frankfurter Religionsgefellschaft zn Schulden kommen, indem er (S. 19) hiuzufügt „Und welches Unheil muß jetzt in den jüdischen Gemeinden entstehen, wenn die dahier ausgebrochene, und' leider von hier ans in andern Gemeinden stets zu schüren gesuchte Flamme der Zwietrachtwirklich überall zur heillosen Trennung führte." Diese absichtlich schon seit lange in allen politischen Zeitungen verbreitete Verleumdung ist nicht um, entbehrt aber jeglichen Grundes. Von hier aus, und auch von anderswo ist nichts geschehen, um speciell die Gemeinden zu einer Trennung zu veranlassen, und wäre eS geschehen, eS hätte wahrlich nichts genutzt. Denn das ist eben das Unglück, daß unter den Orthodoxen unserer Zeit eine solche Lauheit herrscht, wenn eS das Zusammenhalten gilt. Nie wäre die Neologie so wett gediehen, wenn man mit vereinter Kraft ihr entgegen gearbeitet hätte. Aber leider müssen wir es sagen, wie sich selbst viele orthodoxen Rabbinen Vorwürfe zu machen haben, daß sie sich nicht eng an einander angeschlossen, und der guten Sache auch eine Separal-Ansicht zum Opfer bringe» konnten. Nur wen» das Messer an der Kehle stand, bei Gelegenheit der destruetive« Rabbiner-Versammlungen und der Beschneidungs» frage, eilten sie, sich zn vereinigen, sonst sind nur Wenige, die das Vedürfniß eines einmüthigen — Handelnd anerkennen. Möchten wir doch aus jenen.

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