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Der Israelit · 1861-07-31 · Heft 31 (31.7.1861) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 31 (31.7.1861)
Date
1861-07-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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1. i 8 vorherrschenden Bedürfnisse nach deutscher Bildung und Predigt Genüge leisten konnten, und auch diese Wenigen sich nicht selten schenkten, ihre dießfällige Befähigung zu verwerthen; weil jene* Bedürfniß und dessen Gknügeleisten noch als antiorthodox verschrieen waren. In der That sind die untern und mittleren Stände in den ungarisch jüdischen Gemeinden heute noch Anhänger der Orthodoxie, und selbst in den höhern Ständen wünscht man wenigsten* vom Nab- Gewandheit in biner, wenn auch 7!?^- ML'. und stricte Frömmigkeit, und ohne jenen Mangel an derartigen und zugleich gebildeten Aspiranten wäre eS den Idioten und Neologen niemals gelungen, einen Rabbincrsitz zu usurpiren, die leidige Sucht nach Umgestaltungen und Neuerungen noch mehr zu wecken und der dem religiösen Leben ohnedieß widerstrebenden Zeitrechnung al* Helfershelfer zu dienem Und wirklich wurden in letzterer Zeit,, al* die Orthodoxen deutscher Bilhnng und Predigt! freundlicher gesinnt geworden und aus ihrer Mitte und Schule dem Zeitbebürfnifse entsprechende rabbi- Mche iKpaste hervorgegangeu waren, diese sreudigst begrüßt und aus die vakanteN Stellen in den größten und änschulichsten Gemeinden j berufen. Allein das in de^ ' GeHichte unserer Zeit i zu solch trauriger Berühmtheit 'gelangte, „zu spät* macht sich auch bezüglich der an den Nabb. zu stellenden Anforderungen geltend. Hierlands hat sich in Folge der neu erwachten magyarischen nationalen Bestrebungen das dringende Veoürfmß herausgesteM /daß die Nabb. i in-Gegenden von rein üng. ÄeuöÜcrtzng sich die Befähigung aneignen, die ungarische Sprache in Schrift und Wort gebrauchen zu können. Wohl erwarten wir von unfern nichtjüdischen Mitbürgern, daß sie einmal thatsächlich vorhandenen Verhältnissen gebührende Rechnung tragend, nicht verlangen werden, daß plötzlich ungarisch schreibende und sprechende Nabb. hervorgezaubert werden, da bis heute der ung. Nabb. seine Bildung sich ans Deutschland holen mußte; und werden überdicß unsere Conpotrioten nicht vergessen, wie die Einführung der ung. Sprache in der nationalen Gesetzgebung, m den hierländischen Gymnasien, ja selbst im Verkehre der höhern Stände seit wenigen Dezennien erst daiirt und viele Mühe, Kampfe und Zeit erfordert <BeLlage zs Vro. hat. Wir erwarten von ihnen daher die Einsicht, nicht Etwas zu wünschen, was, wie Geschichte und Erfahrung lehren, "zu allen Zeiten und bei allen Konfessionen schädlich und gefährlich, ja dem beabsichtigten Zwecke selbst am nachtheiligsten war und ist, beim religiösen Knltns nämlich ohne gehörige Vorbereitung Neuerungen einzuführen, und bezögen fltk diese auch nur auf die Sprache in der den Gläubigen das Gotteswort verkündigt wird. Hat ja auch die Einführung der rein deutschen Predigt! auf den jüd. Kanzeln in Deutschland selbst viele Jahre der Anbahnung und Angewöhnung erfordert. Mm so mehr ist man berechtigt von den jüd. Gemeinden vorausznsetzen, daß sie zuvörderst in ihrem an sich löblichen patriotischen Eifer sich'nicht von jugendlichen Phantasten Hinreißen lasten werden, an bereits angkstellte und seit mehreren Jahren in Wirksamkeit . stehende Nabb., die! so vielf Jahre aufopfernden Fleißes ans ihre Beruf^äusbisdung verwandt haben, j nunmehr solche Forderungen zu stellen, denen zu entsprechen sie nicht vermögen und von welchen - weder' sie noch ihre Gemeinden früher die mindeste Ahnung hatten^ oder haben könnten, weil selbe das Prddükt politischer -Ereignisse sind, die früher aus innere Lehön des Judenthums keinen Einfluß >zw üben pflegten; daß man aber'auch den jünger» Rabb. die erforderliche Zeit gönnen wird, sich die ungarische Syrgche vollkommen aneignen zu können, zumal der jübische Eheologe viel, sehr viel Zeit ans seine eigentliches Fachstudien und Berufsarbeiten zu verwenden hat, undüderdieß dem Gebildeten nicht 'Memulhet werden kann, die sich selbst wie seiner Zuhörerschaft schuldige Achtung zu verletzen und mit Vorträgen zu ei'perimenliren in einer Sprache, die er noch nicht ganz in sich ausgenommen und die ihm noch nicht mundgerecht geworden. . . Nicht minder wollen wir die uns beängstigenden Ahnungen beschwichtigen durch die Hoffnung, es werden die Gemeinden die so theuer erkaufte Erfahrung nicht in den Wind schlagen und bei der Besetzung deS wichtigsten jüdischen Amtes nicht den unverantwortlichen, von den traurigsten Folgen unausbleiblich begleiteten Fehlgriff abermals machen, der Befriedigung des eben obwaltenden Bedürfnisses andere wichtigere Rücksichten zu opfern, und bei dem ungarisch sprechenden Rabbinatsbewerber über dessen KL des Israelit).

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