Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1861)
- Date
- 1861-07-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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378 Verargen, jenen für die Thora derart Begeisterten, daß sie jenes '22 -<?rr r>2'pr>2 buchstäblich erfüllen und vor keinem Opfer zu ihrem Ruhme und Preise zurückschrecken, wer darf es ihnen verargen? wenn sie sehen, welch' starker Abbruch jedenfalls dem L2v?2 MLH geschieht durch die Beschäftigung mit den profanen Wissenschaften, und wenn sie einem Zeitgeiste mißtrauen, in dessen Gefolge der Materialismus bercinbrach und in ihren geistigen Pflanzungen vandalischeZerstörungen anrichtetel! Bei aller Gerechtigkeit jedoch, die wir der obenerwähnten Absicht unserer '2 22^- L'-i-u in vollstem Maße und aus innerer Ueberzeugung hiemit widerfahren lasten und freilich bedürfen sie unserer Zustimmung nicht — können wir dagegen nicht umhin in aller Bescheidenheit nach unserer unmaßgeblichen Anschauung gestehen zu wüsten: Es habe jenes erwählte Mittel der. hermetischen Abschließung vor der neuzeitlichen Wissenschaft und Bildung dem beabsichtigten Zwecke nicht nur nicht entsprochen, sondern demselben ganz entgegengesetzte, für die ungarischjüdischen Gemeinden und das ungarische Rabbinerthum bedauernswerthe Resultate hervorgebracht. Es liegt eben im Interesse der Orthodoxie zur richtigen und vollen Erkenntniß dieser Wahrheit zu gelangen, die Thatsachen, aus denen sie erhellet sich zu vergegenwärtigen, um die daraus geschöpfte Erfahrung weise benützen zu können.! Wenn wir bei den folgenden Neminiscenzen aus der jüngsten Vergangenheit etwa länger verweilen und dieselben ausführlicher besprechen sollten, als cs den verehrten Lesern lieb wäre, so werden wir uns zum Ersätze dafür bei der Besprechung der Gegenwart und besten, was sie erheischt, kürzer Und präziser fasten können. Gleich den Lehren unserer Weisen, die in sehr kurzen Sentenzen solch' unendlich tiefe Weisheit enthalten, daß zu deren Erforschung weitläufige und ausführliche Kommentare erfordert werden ungarisch-jüdischen Gemeinden das dringende Bedürfniß nach solchen Rabbinen, welche befähigt wären, das Gotteswort in rein deutscher Sprache und gefälliger Farm vsrzutrage« und zu lehren. Wohl konnte man damals und kann auch heute noch Hierlands, wenigstens bei dem überwiegend großem Theile des jüdischen Publikums, jenen Predigten keinen Geschmack abgewinnen, bei denen alle Sorgfalt und Pflege auf die Form derart werwendet wird, daß darüber der geistige Inhalt verflüchtigt wird; allein man wünschte allgemein, daß der alte Geist der Derascha die moderne Form als Hülle nicht verschmähe und der spnagogale Bortrag wahrhaft ein rrvv fei. Diesem gemäß sing man an, bei jeder Nabbinerwahl auf Sprachgewandtheit und Nednerfähigkeit zu sehen; bald freilich ward hierauf das größte Gewicht gelegt und spater ganz und gar vergessen, daß zum Rabbiner vor allem Andern gründliches talmudisches Misten, eine von echter Gottesfurcht durchdrungene Gesinnung und ein von dieser geregelter und beherrschter, streng frommer Lebenswandel gehören. Daher geschah es, daß hie und da Rabbinerstühle mit Persönlichkeiten besetzt wurden, über deren Vorleben man ein Auge, über deren talmudische Gelehrsamkeit sogar beide Angen zudrücken mußte, wenn sie nur leidliche Prediger waren; ei» tüchtiger Kanzelredner die renommirteste Stelle erlangen konnte, wenn er auch durch feine schriftstellerischen Arbeiten sich zum weit gehendyen Radikalismus bekannte, und endlich selbst solche Individuen, die keine andere hervorragende Eigenschaft besaßen, als jenen hohen Grad von Unverschämtheit, sich für jedes Amt befähigt zu halten, in kleinern Gemeinden Unterkommen fanden, wenn sie sich nur drei Hataroth zu verschaffen und alle vier Wochen eine sogenannte Predigt zusammen zu tragen und zu stoppeln vermochten. Nun sind wir wohl die Allerletzten, die dieses Vorgehen von Seiten mancher Gemeinden und ihrer leitenden Vorsteher auch nur im mindesten zu entgeneigt wären; doch können wir unser es sei ein beizumesten, daß eben damals nur sehr wenige kalmudisch-gelehrte und in streng religiöser Diseiplin herangebildete Kandidaten vorhanden waren, die dem einmal faktisch den; ebenso sind die Fakta der jedesmaligen Gegenwart uüt wenigen Worten erzählt, aber zu ihren Verständnissen gelangt rnän nur vermittelst ruhig prüfender Betrachtung und kritischer Beurtheilung der Vergangenheit, welche den ausführlichen Kommentar liefert zum kurzen Texte der Gegenwart. Im Anfänge der vierziger Jahre fühlte man in schuldigen Ohr jener Behauptung nicht verschließe». Theil dieser Schuld dem Umstande (Hierbei eine Beilage nnd eine Extra-Beilage.)