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Der Israelit · 1861-07-31 · Heft 31 (31.7.1861) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 31 (31.7.1861)
Date
1861-07-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Verdarrunte nichts mehr werden kann, als ein Teufel mehr.* ' KecSkemet, im Juni. (Die Aufgabe der orthodoxen Rabbiner Ungarns.) Der echte, edle und veredelnde Geist unserer Zeit hatte auf seinem langfamen Gange durch Europa sich derart verspätet,! daß seine endliche Ankunft in Ungarn am äußersten Grenzposten der Cioilisatton, in eine Zeit fiel, wo ' er bereits von dem in raschem Laufe Heranströmeni den Materialismus eingeholt, ja fast schon überflügelt war. Es ist daher sehr natürlich, daß diese! gleichzeitigen Ankömmlinge sehr oft mit einander veri wechselt wurden, zumal von der Masse, welche Per sonen und Dinge nie nach den innersten Merkmalen, - sondern immer nur nach Aeußerlichkeiten zu beurthei-! len pflegt. Darum glaubten Viele dein Zeitgeiste zu huldigen, während sie nur feile Diener des Materiai lismus waren. Dcßhalb wurden von diesen die un-! ausbleiblichen Folgen der zur Macht gelangten und! zu Ansehen erhobenen Sinnlichkeit, die Lockerung der § Sitten und die Ävschwächung der innige» Neligiosij tat für Errungenschaften des fortgeschrittenen Zeitgeistes angesehen. Unter dem Aushängeschild des Zeitgeistes erlaubte man sich ungescheut wider den Geist der Religion zu handeln, zu leben und zu lehren und jeden, der diesem Treiben durch Wort und That entgegen arbeiten wollte, als Feind des Zeitgeistes zu verschreien um ihn hiedurch in seinem edlen Streben zu lähmen. Durch diese Verwechslung hat das Löse Princip sein größtes Meisterstück ausgeführt, da hiedurch gleichzeitig dein wahrhaftigen Geiste der Zeit gewaltiger Abbruch geschah, dem Materialismus hingegen, dieser Ausgeburt der Zeit, mächtiger Vorschub geleistet wurde. Hieraus erhellet der Grund, weßhalb der so mißbrauchte Zeitgeist derart verrufen, berüchtigt und augeseindet wurde, daß ihm alle Sünden und Gebrechen des Materialismus aufgebürdet werden, daß die jüdische Orthodoxie eine tiefwurzelnde Abneigung und ein sehr schwer zu besiegendes Mißtrauen fühlt ' gegen jeden sogenannten zeitgemäßen Fortschritt; ge- ' gen die zeitgemäßen Rabbiner, und überhaupt gegen ' alles Zcitgeisiige, wenn dieses in ihr Thcuerstcs und Heiligstes, in das Gebiet der Religion cinzugreisen § wagt, und geraume Zeit in jedem Rabbiner, der', leine Derascholh in neuer Form und systematischer j Ordnung vortrug, einen Prediger und eo ipso Reformer witterte; weil ja anderseits von ihren Gegnern jeder noch so seichte aber reformsüchtige Rabb. als hochgelehrter, feingebildeter und auf der Höhe der Zeit stehender Prediger in den Himmel erhoben wurde. In folgerichtiger Konsequenz suchten daher die orthodoxen Rabbiner Ungarns ihre Schüler und Jünger, deren Heranbildung zum Nabbinerstande sie mit Recht als eine der wichtigsten Aufgaben ihres Berufes betrachten, vor jeder Bsrühruug und Bekanntschaft mit dem bei ihnen einmal — gleichviel ob mit Recht oder Unrecht — verdächtigten Zeitgeist zu bewahren und von den zeitgemäß bildenden Studien abzuhalten, in der einzigen, lautern und edlen Absicht für die jüdischen Gemeinden solche Rabbiner zu erziehen, die das heilige Thoraerbe in voller Integrität und unverfälscht durch neu-zeitgeistige Umgestaltungen zu erhalten und auf die spätem Generattonen zu verpflanzen, bedacht und bestrebt sein werden; solche Rabbiner, die von der Gesinnung ihrer Lehrer durchdrungen und in ihren Fußtapsen folgend , das Heil des JudenthumS ausschließlich im traditionellen, talmudischen JUdcnthume erkennen, suchen und finden werden. Muß nun diese Absicht als lauter und edel, dieses vorgestcckte Ziel als würdige Aufgabe eines pflichttreuen jüdischen Seekenhirten allgemein anerkannt werden, so kann und darf man jene orthodoxen Rabbiner darüber nicht tadeln, daß sie zur Verwirklichung ihrer frommen Absicht ein Mittel angcwendet, das sie für zweckdienlich gehalten; wenn dieß sich auch in der Folge als solches nicht bewährt hätte. Man kann es ja Niemandem verübeln, der zur Erreichung eines hehren Zweckes, in welchem sich alle Pnlsschläge seines geistigen Lebens, all sein. Hassen und Wünschen, all sein Streben hiem'eden und sein Erwarten fürs Jenseits konzentnrt — wie solches das ni'-w.-rbi .1-00» bei den orthodoxen Rabb. war und ist — jene Wege einschlägt, oder richtiger ans jenen Wegen verharrt, welche alle seine Vorgänger und Genossen gleichen Strebens dem erwünschten Zielpunkte sicher entgegen geführt; dagegen die neu erössneten Bahnen sorgfältig vermeidet, auf denen Manche schon sich verirrt und nur Wenige sich zu orientiren verstanden. Wer darf es jenen Frommen — — < - . .- -

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