Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1861)
- Date
- 1861-07-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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376 Oesterreichischer Kaiserpaat. i Neutra, im Juli. Eine der jüngsten Nummern Ihrer geschätzten Zeitschrift brachte die Mittheilung, daß in der Gemeinde Nicolsburg die Wahl des Rabbiners auf unfern allgemein verehrten Oberrabbiner vr. Feuchtwanger gefallen sei. dieser jedoch die Wahl abgelehnt habe. *) Leider müssen wir diese Nachricht für unbegründet erklären, da Herr Or. Feuchtwanger bereits zugesagt hat, dem ehrenvollen Rufe nach Nicolsburg Folge zu leisten und schon in den nächsten Wochen seine Stelle dort anzutreten. Unsere ganze Gemeinde sicht mit innigem Bedauern den Mann scheiden, dessen Wirken hier so segensreich gewesen und Alle, ohne Unterschied der Partei, empfinden cs tief, welchen schmerzlichen Verlust unsere Gemeinde durch den Abgang eines so tüchtigen Führers erleidet. Es bedarf die Gemeinde eines solchen um dringender in den jetzigen Verhältnissen Ungarns, als die politischen Wirren schon in viclen jüdischen Gemeinden dieses Landes den Samen der Zwietracht gestreut und es den Reformern leicht gemacht haben, unter dem Scheine des Patriotismus Reorganisation der Gemeinde — freilich nicht im orthodsxen^Sinne — zu fordern und zu erhalten.... Ein Mann von ernster, religiöser Gesinnung und seltener wissenschaftlichen Bildung schien Herr vr. Feuchtwanger dazu berufen zu sein, durch die That die Behauptung so vieler Neologen unserer Gemeinde zu widerlegen, als könne sich wahrhaft emste Frömmigkeit nie mit der Zeitbildung und der Wissenschaft versöhnen und paaren. Möge ihn der Schutz des Allmächtigen nach seinem neuen Wirkungskreise begleiten lO? 'w und es unserer Gemeinde gelingen, einen würdigen Nachfolger zu erhalten, der, ausgerüstet mit allen geistigen Errungenschaften unserer Zeit, dabei nicht minder unerschütterlich festhalte an Gesetz und Wahrh-it. -ixi 2,^ l'ki 1 ML'M -LN-I'S Aus Ungarn, im Juli. Die Commission, welche bezüglich der Textirung jener Punkte des „Beschluß-Entwurfes", die nicht in die Adresse auf- *) Anm. der Rrd. Bereits berichtigt.! genommen wurde», entsendet worden ist, hat ihren , Bericht erstattet, der gedruckt und am 16. d. M. an die Deputaten vertheilt wurde. Das Aktenstück sagt in der Einleitung unter Anderem, daß der Reichstag wegen mannigfacher Hindernisse noch nicht an seine legislatorischen Arbeiten gehen könne und es aus diesem Grunde für nothweudig finde, feierlich zu erklären, welchen Gegenständen er nach der Lösung der staatsrechtlichen Fragen seine Thätigkeit zuznwenden wünschte. Dann fährt das Aktenstück wörtlich fort: „Was Namentlich die Hebung der geistigen und moralischen Kraft des Landes betrifft, spricht daS Repräsentantenhaus im Vorhinein beschlußweise aus; daß es zur Beruhigung der Landesbewohner verschiedener Zungen und zum Behuf der Befriedigung ihrer Nationalitätsansprüche den i» der Adresse ausgedrvckten Principien gemäß je früher legislatorisch Vorgehen, und hinsichtlich aller im Vaterlande gesetzlich recipirten Konfessionen die im 2. K. des XX. A. 1848 ausgesprochene vollkommene Gleichberechtigung und Wechselseitigkeit durch ein detaillirteS Gesetz faktisch ins Leben einführen will."' „Da das Repräsentantenhaus bereits die Ansicht ausgesprochen hat, daß hinsichtlich des Genusses der Bürgerrechte die Konfession unter den Bewohnern des Vaterlandes leinen Unterschied machen soll, so erachtet es die Einsetzung einer Commission zu dem Zwecke für nothmendig, daß sie für die bürgerliche Rechtsstellung der jüdischen Volks klaffe einen Gesetzvorschlag ausarbeite (sie) in Verbindung mit der Jncolatsfrage im Allgemeinen, und der Frage der Beseitigung der die sociale Verschmelzung zwischen den Christen und Juden verhindernden Verhältnisse." Dagegen bemerkt das halbossizielle Blatt: „Magy. S." sehr trefflich : „Die Freunde der bedingten Emancipation lieben es, die gemischte Ehe zu erwähnen. Wer der vollständigen und unbedingten Emancipation der Juden entgegen ist, der will ihre gesellschaftliche Emancipation unmöglich mache», der will dieJndensrage unpopulär machen, der will, daß der Jude geistig und materiell verkrüpple, verdorben und erniedrigt werde, bannt man an ihm etwas zu tadeln habe, der rechnet auf die Wirkung der Schande, von welcher Jean Paul mit so tiefer Wahrheit sagt: „Die Schande ist der kalte Orkus des innern Menschen, eine geistige Hölle ohne Erlösung, wo der