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Der Israelit · 1861-07-31 · Heft 31 (31.7.1861) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 31 (31.7.1861)
Date
1861-07-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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375 Hauptsynagoge zurückzogen, wieder dorthin zurückkehren zu sehen; und die Gemeinde-Verwaltung würde die Erfüllung jener Hoffnung mit dem Verluste einiger Reformen nicht zu Lheuer erkauft haben." Wie? ist das ehrlich gehandelt? Wenn die Reformen eine Wahrheit, eine Nothwendigkeit sind, wer gibt Euch das Recht Schacher damit zu treiben. Heiligt der Zweck in euren Kreisen das Mittel: und hatte jenes Vorstandsmitglied von „extremster. Richtung" nicht vollständig Recht, als es „gerade heraus" sagte: Sie sind kein Rabbiner für uns, wenn Sie für Reformen stimmen und sie dann nicht zur Ausführung bringen!"? Weiter sagt Herr Stein: „Dann verlangte die würdige und volle Ausführung der Beschlüsse der Rabbiner-Versammlung ein eignes Gebetbuch, und dieses wieder war ohne eine würdige neue Synagoge nicht leicht einzusühren." Hat ein vernünftiger Rabbiner wohl je eine größere Thorheit gesprochen? Hängt die Reform denn von der Große, dem Glanze und der Schönheit der Räumlichkeiten ab? Wir wiederholen: Ist die Reform im Judenthum ein wahrhaftes Dedürfniß, io kann, so muß sie im unscheinbarsten Raume ausgesühtt werden. Wie viele tapsend Gemeinden in Europa würden sich herzlich freuen, eine so feste und schöne Synagoge zu besitzen, wie Herr St. sie in Frankfurt am Main niederreißen ließ: Wie, sind allediese Gemeinden, und erst gar solche, deren Synagogen noch bescheidener beschaffen sind; sind sie alle, alle unwürdig, die heiligen Reformen zu empfahen?§ „Auf diesen wichtigen Punkt drang ich fortwährend," ruft Herr Stein aus; „kein ausgebeffertes, ein ganz neues Haus wollte ich haben; gebt mir cmc neue Synagoge, und Ihr sollt ein neues Gebetbuch haben. Wenn nicht — nicht!" Das heißt Cou-cqncuz in der Inkonsequenz! Dir wollen sehen, wie lange sie anhält. Herr Stein spricht weiter: „Die festesten und vernünftigste» Entschlüsse scheitern oft an der eisernen Gewalt dcr Verhältnisse. .... Tie wenigen Männer der Verwaltung, die sich meiner annahmcn, beschworen und bestürmten mich fortwährend, die Beschlüsse der Nabbinerversammluiig avszuführen. Vergebens verwies ich aus den vor Allem (!) uölhigeu Synagogenbau hin; man entgegnete mir: vor Allem die Reformen! — Ich fügte mich in die Nothwendigkett. Wir ersparen uns den Commentar. — Nur müssen wir als einen sonderbaren Jrrthum herauSheben, wenn Herr Stein meint, er habe in Folge ders, in der alten Synagoge eingesührten Reformen nun wieder alte Besucher verloren, mit der verlangten neuen wäre die Gemeinde gerettet gewesen. Wir müssen das entschiedene Gegentheil behaupten. Mit neuer Synagoge und Reformen hätte Herr Stein die Gemeinde schon damals zerrissen. Wahr und beachtenswert!) ist, was Herr Stein (S. 15.) hinsichtlich der hiesigen Gemeindeschule spricht. Wir können hier nicht näher daraus ein- ' gehen, weil dieser Theil von untergeordnetem Interesse für die Leser Ihres Blattes ist. Von der Nothwendigkeit des Unterrichts im Hebräischen sagt er bei dieser Gelegenheit u. A. Folgendes: „Uns Meint die Pflege der hebräischen Sprache ... zur Verhütung eines Priester- und Laienthums unter den Juden durchaus nothwendig, weil ein rechtes Wissen vom Judenthum und seinen Neligions- Muellen ohne dieselbe unmöglich ist. Stürbe jemals — was nie der Fall sein wird — die hebräische! Sprache unter den Juden ausso würde der uralte! Geist der Auslegung in unser» Predigten (?) bald! verloren sein, uud sich durch die völlige ttnkunde . 'der Urschriften! ein Laienthum bilden, das seinen I Gegensatz im allein kundigen Priesterthum (?!) her- Moxriese . . . die Kenntmß der hebräischen Sprache! Ln den Schulen beeinträchtigen, ist daher eine Veein-! trächtiguug der Wissenschaft des Indenthums im!Volke. Nur wer sich um das Indenthum gar nicht j mehr bekümmert, kann gegen die Verkümmerung des s hebräischen Unterrichtes gleichgiltig sein." Diese Motte aus dem Munde eines Neformrabbincrs hätj ten doppelte Wichtigkeit, wenn sie in dem gegebenen! ganzen Umfangs ernst ausgenommen werden dürsten. Allein eine wirklich gründliche Kenntnis; vom Jn-! denthum und seinen Religionsquellcn haben jene i Männer sehr zu scheuen, weil dann dem Volke selbst; das Nesormenwesen und die moderne» Rabbi's! lächerlich erscheinen nu'ißten. Sie reden daher wohl : und streben für den Unterricht im Hebräischen, sorl gen aber gleichzeitig schon, „daß die Bäume nicht in; den Himmel wachsen."! (Fortsetzung folgt)

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