Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1861)
- Date
- 1861-07-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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F e u i l l e t o ». KbimMSer rus Ser Vergsngenkeit Ismrls. > (Rach Talmud, Midrasch und andern (hagabischen) Schriften.) I. Abraham. (Fortsetzung.) Im Hause Therachs herrschte die Liesste Betrübniß; drei Tage lang kam Therach zu keinem Entschlüsse; am dritten Tage schickte der König, um das Kind holen zu lasten. „Wirst du es mir nicht freiwillig übergeben, ließ der Tyrann ihm sagen, so werde ich deine ganze Familie ausrotten lassen." In derselben Nacht, da Abram geboren worden, hatte das Kind einer Sclavin im Hause des Therach > das Licht der Delt erblickt. Schnell entschloß sich! der unglückliche Vater. Eiligst sandte er Meid und Kind sammt der Amme in eine an heimlich-verstecktem Orte gelegene Höhle; er aber nahm das Kind der Sclavin nnd brachte eS dem Könige. Gott war mit Therach und ließ den Betrug gelingen. Ohne Verdacht zu schöpfen tödtete Nimrod das Kind der Sclavin mit eigener Hand und bald hatte er die ganze Angelegenheit vergessen. Den Therach belohnte er königlich. .; Hast du, lieber Leser, wohl schon das Leben der Kinder beobachtet, zur Zeit, da j der Verstand erwacht und das Bewußtsein rege wird? Hast du/gelauscht auf ihre kindlichen Fragen, dis das tiefste Wesen und den Urgrund der Dinge berühren? „Wer läßt die schönen Blumen wachsen, wer den Regen herabfließen?" „Verdonnert da droben und rvaruy?" „Als wir da und da waren, da war ich noch klein, wer hat mich seitdem groß gemacht?" Und wenn du die kindlichen, unschuldsvollen Fragen beantwortest, so gibt dich das Kinderherz noch nicht frei. „Wo ist der liebe Gott? was macht Er? hat Er Dieses, hat Er Jenes? ich will ihn einmal sehen? warum ist Er unsichtbar?" und so fort und fort, bis du selbst zu antworten ermüdest, oder nicht mehr zu antworten weißt. Wie erst mußte Abram, noch ein zartes Kind, aber mit den herrlichsten Anlagen begabt , da er die Höhle verließ, eintretend in die ihm völlig neue Welt, staunend betrachten die Wunder derselben? Jhnr hatte die gewohnte Umgebung nicht die Sinne eingeschläfert — Alles war ihm neu und Alles so schön und so herrlich l Tausend Fragen stoßen ihm auf und nirgendwo findet er eine genügende Antwort. Vater und Mutter verweisen dag fragende Kind auf die Götzen von Holz und Stein. O, man kan» des Menschen Geist umnachte», wenn man ihn von frühester Kindheit au mit dem Wahne des Aberglaubens erfüllt, wenn aber her Geist bereits erwacht ist, da sucht man ihn vergebens in Fesseln zu Wagen. Abrams Geist war erwacht; er hatte nicht gelernt . von frühester Kindheit zu den zwölf Götzenbildern seines Vaters vertrauensvoll emporzuschauen; beim Austritte aus der Höhle hatte ihn der ungewohnte Anblick dieser glanzenden Welt wunderbar getroffen, und sein lebhafter Geist suchte nun nach den letzten (d. i. ersten) Ursache», sofort erkennend, daß die Macht der Götzen nur Lüge und Wahn ist. So durchstreift er Wälder und Felder, immer nur mit dem einen Gedanken beschäftigt. Unter allen Geschöpfen, die er erst heute erblickt hat, ist die Sonne bei weitem oas herrlichste, l „Du bist mein Gott, ruft er der Sonne entgegen, und dir will ich dienen!" Aber die Sonne neigt sich gen Abend, ihr Strahl wird schwächer und schwächer, bis sie am Westlichen Horizont verschwindet. Allmählich bedeckt Dunkel den ganzen Erdkreis. Ter Mond zieht heraus mit dem ganzen Gefolge unzähliger Sterne. Zweifel an der Göttlichkeit des Sonnenballs bestürmen Abrams Brust; ist doch dieser Gott verschwu» den und hat andern Göttern Platz gemacht. Anbetend wirst sich Abram nieder auch vor dem Monde und den Sternen . . . Der Tag grau^ im Osten; der Mond verschwindet, die Sterne erbleichen^ purpurn färbt die Morgenröthe die Stelle; an der die Sonne bald emportcmchen wird; und ffe taucht empor in prachtvoller Schöne, aber aus Abrams Herzen ist der Glaube an ihre Göttlichkeit gewichen. „Alle diese glänzenden Himmelskörper, spricht er zu sich selbst, sind nur Geschöpfe, die ihre vorgeschriebene Bahn durchlaufen. Wo aber «eilt der Schöpfer?* Da überkömmt ihn eine Ahnung von jenem Einen, Allgewaltigen, Un-