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Der Israelit · 1861-07-24 · Heft 30 (24.7.1861) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 30 (24.7.1861)
Date
1861-07-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Rabbinen bekanntlich nur zwei Mal -es Jahres; die Gemeinden kannten nichts desto weniger die Ceremonial- und Moral-Gesetze sehr genau, und kein Rabbiner brauchte sich damals über die crasse Unwissenheit des Gemeinde-Vorstandes zu beklagen. Bei den Reform Gemeinden finden wir das geradeste Gegentheil. Bei ihnen ist Synagoge und Predigt die Hauptsache, ist ihr Eins und Alles, das Uebrize liegt weit hinter ihnen. Warum war also Herr Rabbiner Stein mit seinem bescheidenen Wirkungskreis nicht zufrieden? Er war als Prediger in Frankfurt beliebt; einen Rabbiner brauchte man nicht. Wenn auch gerade nicht reich an innerm Gehalt, waren seine Predigten doch populär, sie waren p'ir das, alles Mischen Wissens baare Publikum, leicht verständlich, und zogen namentlich darum die Damenwelt an. Wie konnte also Herr Stein als Reform-Rabbiner mehr beanspruchen? Dies ist mithin lret schwächste Punkt seiner Selbstrechtsertigung. Wir können mänches zu seiner Entschuldigung finden. Wir hrairAerr. nicht!?mit Jenen ubercinzusiimmen, ' die ihn d^s Dtrebens nachj Hierarchie beschuldigen,! obwohl Ä M von diesem Vorwurf nicht ganz! zu; - Reinigen weiß.' — - Wfr wollen> seiest den Grunh sei- ' '«er Unzufriedenheit nicht!in dem Neid finden, mit^! - welchem er auf den Einfluß der orthodoxen Rabbiner hinübechlicken! mußte, wie feine Gegner behauptend Wir wällen ihr-die edelsten Gründe unterlegeu: das . Streben, mehr sAutes zu Listen, M die für ihn so demüthitzende -Jnstructid!» gestattete; und' ferner den gutjeüi Willen fteLwilhig, nach, bestet Einsicht, mit AMretung. aller Kräfte da zu wixken, wö sein -! Amt ihn. a^ chWezogene GrenM einschränkt H und feine Freiheit, Ms Wollerrs - selbst - beengte. Aber '! Herr Steins dessen Fähigkeiten i zu-einem großem! Wirkungskreis wir nicht bezweifeln, hätte bedenken sollen, daß -eS besser sei, einen kleinen Beruf vollständig auszufüllen, als einem gwßen nicht gewachsen zu sein. Vielleicht wurzelte auch diese Unzufriedenheit, die ihn zu einem so verzweifelten Schritte führte, in dem erwachten Bewußtsein des großen Unrechtes, das er gethan, indem er so leichten Kaufes von dem Wege eines' frommen gottesfürchtigen Vaters adgewichen, jetzt, nachdem er einsehen gelernt hatte, wie falsch die neue Richtung ist, die er eingeschlagen. Reue erfordert für großes Unrecht ein theures Sühnopfer! Er hat's vielleicht dafür gebracht» Wie dem aber auch sei: Nachdem Herr Stein sich die Reformirung des Judenthums innerhalb seiner Gemeinde und vermittelst dieser auch in weite« Kreisen zur Aufgabe seines Lebens gemacht; nachdem der Erfolg seines Strebens und seiner t8jährigen Thätigkeit ihn gelehrt, daß die für Reformen empfängliche Partei immer mehr abnahm, und ihm keine Hoffnung für Erhaltung eines festen BodenS für dieselbe blieb, nach allen bittern Erfahrungen, die Herr Stein gemacht, war es klug von ihm, sich bei Herten zurückzuziehen, bevor seine Partei ihn aufgab, war, es klug, sich zurückzuziehen, so lange der Prediger in der Gemeinde noch nicht überflüssig erschien, und nicht die Zeit abzüwarten j wo er anfangen mußte, ihr lästig zu werden. Kus Noterfranken. (Ein Vorschlag.) Die zeitweiligen-Berichte in diesen geschätzten Blättern über Hie: Ätalisirung des Bamistrojectes von Armen- Wohnungen in Jerusalem lasten ein allgemeines Erreichen ihres Doppelzwcckes' leicht erkennen. Einmal findidiese^bcn! nämlich geeignet,! jedes menschenfreundliche Herz ob^deS schönen Anfangs wahrhaft!^Aeüe»!!rind anderseits, im^nex Mehr nnh mehr Jnt^eff< erregen! an dieser hochwichtigen Angelelegenheit. Denn,! -welches jüdische Herz, das noch Gefühl für das ErbÜ unsrer Valet, das noch nicht erstorben.für die,! Geschichte unsres Volkes, mühte nicht freudig schlagen,! wenn es sieht, wie lauf geheiligteiN Poden, aus tausendjährigem Schutte Häuser heevWiragen beginnen, und^wie ryuß es dies um so m'ehr/MNN, wie hier, hierdurch der bittersten Roth und dech.SMteri Elende entgegen getreten;w-erdkn soll! Welcher? Israelit konnte ungerührt bleiben, wenn eS sich därMi handelt, dem Brsider,!ja dem Bruders besten LÄen und Wirken ein gottgeweihtes, Obdach zu sichern, ihm zu Helsen, daß er nicht seinen geringen, zkärglichen Unterhalt dem sich immer steigernden Miethzins opfernmuffe! Denn die Noth an Wohnungen in der h. Stadt soll in der That einen fürchterlichen Höhepunkt erreicht haben. Ein Zimmer — und manche Familie würde damit gerne vyrlieb nehmen kostet schon jetzt nahezu lOOO Piaster (etwa 56 Thaler) jährlich, und leider ist noch weitere Steigerung zu erwarten! Darum möge das Project, in der Gotterstadt Häuser zu erbauen, immer mehr

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