Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1861)
- Date
- 1861-07-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Kultur der Zeit scheint so leicht, schäkernd, in jugendlichem Uebernmth über die Schranken Israels zu Hüpfen und mit manchen „Freiheiten." auch und — vorzüglich „Gleichheit" hereinzurufen in's jüdische Lager; — und doch! — mag dieser unjüdische Geist (dem eine sonst gediegene Zeitschrift unserer Zeit den viel zu stolzen Namen „Hellenismus" beigelegt hat) Tempel reformiren und Priester berücken; — der Typus des jüdischen GemütbeS, des jüdischen Zartgefühls verwischt sich nicht so leicht, und es wird jedenfalls immer und ewig so viele Hütten in Israel, so viele Zelte Schem's geben, in denen jüdische Moral, jüdisch sittliche Kraft lebt und tief in den Gemülhern*) wurzelt, das; diesem feinen — unsichtbaren jüdischen Gemüthslcben doch in jedem jüdischen Hause ein Asyl, in jedem noch so kalter; jüdischen Herzen ein schwaches Denkmal, ein Erkennungszeichen der Sympathie wird, welches die herbste Täuschung, welches selbst Neligions Wechsel nicht ganz verlöschen kann. — Diese sittliche Macht im innersten Kerne des Judenthums holt sich der Getreue so gern, so voll innern Entzückens herauf, vor seinen Blick, der in der Zeit ganz andere Lebensbilircr igewahrt. — Wer! auch nur der „ Getreue," der. seinen Standpunkt in § der Mitte einer großen lMorischen Ciitwickelrmgsgeschichte erkannt hat , kann mit voller Beruhigung« an das Enthüllnngswerk seiner natio^ nalen Kleinode, denen jede jüdische Brust und seine eigens festes Archiv ist, gehen. Dieser geht sicher. Er. bringt von dem großen lehrreichen Entwickelungsgauge der Völker, den er Wch Kräfte» genau beobachtet hpt) zu seiner heißen Nationallicbc eine vorurtheilssreie Wahrheitsliebe mit; er hat die Wahrheit, gesucht, hat sie gesucht mit einem jüdischen warmen) aber unbestechlichen Herzen, mit einem jüdischen Sinne, der das Ehrwürdige ehrt und das Verächtliche verachtet und zieht nun seine eignen Schätze, die ihm als treuem Sohne seiner Nation *) Natürlich immer beeinflußt vom Verstände u. z. von dem Verstände, für welchen der höhere göttliche Verstand, dessen einzig unfehlbare Interpretation in der Thsra, maßgebend ist. — Gemüths religion ist uns, wir lieblose Religion — Men» fchendünkel, Faselei und ln der Seele zuwider. Doch ist dies ein ganz anderes Kapitel. — (Der Derf.) zu Theil geworden, jene Lebensbildungs-Elemente,: die das Rohe geschmeidig machen, einer ewig frischen Lebensquclle entguillen und das jüdische Leben befruchten, — zieht Liefe Schätze an's Licht empor, damit sie ihren Adel, ihre ticsinnere Echtheit und Würde erproben an dem Vergleiche mit fremden Lebensbluthen, die — andere moralische Lebenssäfte, eine andere Quelle, zuin Erstaunen — zur Wonne der Welt cmporgetrieben. — Der Jude fürchtet keinen Vergleich für sein jüdisches Leben, für seine jüdische Eilte. Darum greift er hoch hinaus, bis zu den reinsten, lieblichsten Höhen der Vorzeit, die uns ein klassisches Altcrthum, mit heroischen, bald lieblich mild (denn cs gibt auch einen lieblichen Heroismus), bald ernst und erhaben ansprechenden Lebensbildern zeigt. Vis zum Olympus hinauf, bis zuM Marsseld hinan, wo herrliche Griechen ihre Heroen zu Göttern adeln und ihre Menschen zu Heroen/ wo heroische Miner mit hohem Hcrrschersistne!' Srege feiern, wo , Griechen und Römer Triumphe feiern, zu denen griechische und römische Lebenserziehung die Griechen und die Römer erzogen hat, — da gerade/ tritt , ein! Jude, gern hin, n-sit glühender 'Begierde,) diesen üngeflannten altklasstfähcn Lkbcnsbilsjtns, der Mord! des gcschw'.inbcnen- WMche» Altertums, sein eignes jüdisches Lehen, s§M bleibende.-jüdische Sitte entgegcnzuhalteu— nnh. er scheut!es rricht, daß er keine Achilles und keme Sedevola j auszuweisens hat; —! Menschen führt er vor, Wische'Merrschen, nicht-Wische Götter (dieser nicht kennt) jüdische Lcbenssitte, jüdische Moral, jüdische Natur in ihrer Veredlung und betrachtet sie mit heißinniger Liebe zu dem Elemente, in dem er lebt; und betrachtet wieder die praktische klassische Lcbcusbildung und Gestaltung mit inniger Liebe zum wahrhaft Edlen, mit Achtung vor dem Erhabenen, betrachtet sie im Entstehen und Vergehen und in allen ihren Wcch'elbezichungeN, damit ihn nicht Zufälligkeiten — in dem Sinne, wie wir sie in!der Geschichte beziehungsweise zugeben können — und unhistorjscher Partikularismus zu einem parteiischest Endurtheile verleiten. — i Das Verhältniß der Wischen Moral zu der des klassischen Alterthüms aufznsuchen, erkenne ich als eine reizvolle Aufgabe eines warmsühlenden Juden und möchte s. G. w. in der Folge, um wenig-