Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1861)
- Date
- 1861-07-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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große Völkcrsamilie., die Millionen Menschen aus Nord und Süd, ans Merthüm, ueuerer.und neuester Zeit, als eine große Menschheit zum Ausdrucke kommen. — >! Es gibt keinen erhebender», beseligender» Augenblick für de^L denkenden Menschen, der an dern Wege historischer Erkenntnisse eine geläuterte klar- Anschauung gewonnen, über die wichtigsten Momente in seiner Nation, der er angehört, und in der Menschheit, der sie angehört, dessen Herz weit genug ist, um das große Bild der Gcsammtheit zu fassen und tief genug, um das eigene, theure Nationalleben mit allen seinen Ausgangssaden zur Gcsammtheit unverkürzt zu bewahren — ein solcher Mensch kennt keinen höher» Augenblick, als den, in welchem er die verborgenen Lebensschatze seines Bolkes, denen er in seiner Herzcnstiese ein ewiges Denkmal gesetzt, aus dieser Tiefe holt, .sie herausholt ans der engen Sphäre seines Volkes, an das prüfende Sonnenlicht d?r — Welt, das die Gcsammtheit beschcint, das all die herrlichen Früchte reift, die eine glückliche Zone, ein glückliches Land, ein Land der Kultur und der edlen, sittlichen Bildung hervorbringt und welche nicht so in dem heroischen Muthe und der heroischen Aufopferungsfähigkeit der Bürger überhaupt, nicht so in den staatlichen Einrichtungen und Institutionen, wie in den Lcbensgesctzen und Regeln, in den wahren Erziehungselementen im häuslichen Leben, in der Lebenswürdigkeit und Fähigkeit der Menschen ihre fruchtbaren Samenkronen abwerfen. — ES gibt endlich für den wahren Juden kein schöneres Bewußtsein, als das Bewußtsein seiner edlen Kraft, das Bewußtsein seiner hohen Lebensstellung und Bestimmung auf Erden. Mit voller Seele und — schmerzlich freudigen,' Herzen schaut der Jude hinab in die Tiefe seines jüdischen Nationallebcns, seines jüdischen Menschenlebens, wo ihm sein Gott, der Allgewaltige, die Lebenskraft hineingepstanzt, daß ihr ein großes, edles, von dieser erhabenen Kraft durchdrungenes, sittliches Leben entsprieße; in die Geistes- und Herzens! st fe, wo der ewig grüne Lebensbaum das verborgenste Dunkel des Gemüthes sucht, der die starken Wurzeln schlägt, um dann hoch hinauszusteigen, das mcitzerstreute jüdische Lager zu 'umfassen, zu— umzäunen, um in jedejüdische Haus einen grünen Zweig wahrer Lebensfreude, in jede jüdische Brust den - sanfter» Hauch höherer Sphären eines höhern Lebensideals zu tragen- Auf diese innere Kraft ist der Jude stolzsie ist ihm erster unmittelbarer Ausfluß der göttlichen Lehre; sie birgt - ihm ewigen, unmittelbaren Einfluß auf ein gehobenes, sittliches Leben. Diese Kraft — es ist die Kraft der jüdischen Sittlichkeitsgesetze, das innerste, belebende, erhaltende Element in Israels großem, weckst kvollen. einheitlichen Leben, in seiner Freude und in seiner Trauer. — In den Wonnczeiten Israels — sieh' da stand das r>'2, das göttliche Panier auf Erden; — auf Cherubimsfittig schwang der Tbora- Geist den Geist und — den Körper des Menschen hinauf zur Goitcsanschauung, zur Gottesdurchdrungenheit; — auf der wannen Menfchenbrust, auf dem reinen Bruderherzen trug der sanfte Bote Gottes und Israels die Namen seiner jüdischen Brüder in's Allerbeiligste, trug alle ihre Gefühle: ihren Schmerz, ihre Reue, ihre Wonne, ihre Lust und was sonst die Menschenbrust bewegt, hinauf zur Weihe, zur Reinheit, zur Gottksnähe. — Doch , wo entsprangen, wo erwuchsen diese menschlichen Gefühle, die solcher Weihe würdig, solcher Reinheit fähig waren? In der jüdischen Sitte, die über das jüdische Lager, über das jüdische Haus, über das jüdische Gemütb, über die Borhöse des Tempels also, jene reine Wonnefeligkeit ansgoß, Seligkeit im Genüsse, Reinheit im menschlichen Hantiren, im „Niederlegen" und im „Nussichen," damit .das Lager heilig sei." — Und worin liegt der Schwerpunkt Israels in dem großen, leidensvollen Exil, das für Israel nur Trennung, Auflösung birgt? Worin liegt die Kraft des schwer gebeugten, zertrümmerten Volkes, daß es sich seine unverwüstliche Farbe denn doch erhalt, zu der sich noch immer jeder Jude mit Wonne bekennt? und — die Cherubim breiten ja nicht mehr die Fittige aus in Gott geweihten, von Gott erfüllten Räumen — und diese heiligen Teurpelräume vereinen nicht mehr das zersplitterte Israel! Weite Klüfte, Gluck, Unglück, Irrt hum, Wahnwitz lege» sich zwischen die jüdischen Bruderherzen und ach! keine Pnesterbrust trägt die weit Getrennten auf dem geweihten Schilde, auf Gott geweihter Herzenstasel zur Bereinigung, zum Frieden, zur Versöhnung, zum Heiligen und Allerheiligsten hinauf. — Die