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Der Israelit · 1861-07-10 · Heft 28 (10.7.1861) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 28 (10.7.1861)
Date
1861-07-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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sie in die Hand der Feinde gegeben wie die Schafe; der Schlach'.danl, nachdem ich sie erzogen habe wie ' die Henne die Küchlein, nachdem ich um sie ertragen! habe die unendlichen Mühen und Sorgen der Kin-! dererziehung? Sind doch die meisten meiner Tage! ausgcsüllt gewesen durch Sorgen und Mühen - und herbe Schmerzen um ihretwillen, und das willst du mir nicht gedenken und willst dich nicht erbarmen meiner Kinder?" —! Und Moscheh rust aus: Herr der Welt, bin , ich nicht ein treuer Hirt Israels gewesen 40 Jahre lang und bin rastlos wie ein Roß vor ihnen hergelaufen, und als die Zeit herankam, da sie einziehen! sollten in das heißersehule Land, hast du über mich! verhängt, in der Wüste sollten fallen meine Gebeine! — und jetzt, da sie vertrieben sind, läßt du mich > rufen zu klagen und zu weinen über sie? Nicht durste ich Theil haben an ihrem Glücke und der Schmerz um ihr Unglück soll mir nicht erspart bleiben? ' Zur selben Zeit sprach Moscheh zu Jirmijah: „Ziehe vor mir her, ich will hingehen und will sie wieder holen und will sehen, wer sie mir vorenthalten j wird!" „Es ist nicht möglich, antwortet Jirmijah, des Weges zu ziehen wegen der Erschlagenen, die den Weg bedecken." Und Moscheh spricht: „Laß uns dennoch ziehen." — Alsobald machte sich Moscheh auf den Weg und Jirmijah vor ihm, bis sie zu den Strömen Babels gelangen. Wie die Israeliten Moscheh erblicken, spricht Einer zum Andern: „Amrams Sohn ist ans seinem Grabe erstanden, uns zu befreien aus der Hand unsrer Dränger." Aber Gottes Stimme ertönt : „Beschlossen ist'S vor mir." Als Moscheh Gottes Stimme also vernimmt, spricht er zu den von Hoffnung Belebten: „Meine Linder, Euch zurückzuführen ist mir nicht möglich, so ist Gottes Beschluß, aber Gott selbst wird Euch zurückführen recht bald, recht bald!" — und verläßt sie. Da erhebe» die Israeliten ihre Stimme mit lautem Schmerzensschrei, bis daß ihre Klage in den Himmel dringt, denn also hcißt's: An Babels Strömen, da saßen wir und ' - weinten. > ' f Da Moscheh wieder zurückgelehrt ist zu den Vätern, fragen diese: „Was haben die Feinde mit unfern Kindern gethan?" „Biele haben sie erschlagen/^ lautet die traurige Antwort, „Viele haben sie gebunden, Biele gefesselt mit eisernen Bande», Viele liegen getödtet aus den Heerstraßen, ihre Leichen ei» Raub den Vögeln des Himmels, die Ueberlebenden sind ausgesetzt der Sonnenhitze, dem Hunger und dem Durst. § Und die Väter hören diese betrübende Botschaft und beginnen laut weinend zu klagen: Weh Euch, Ihr unsre Kinder, wehe Euch, ob des harten Looses, das Euch betroffen! wehe, wie seid ihr doch geworden gleich elternlosen Waisen, wehe, wie muffet ihr ertragen Hitze und Kälte ohne Gewand, wehe, wie müsset ihr irre» über Berg und Thal und Felsengrund ohne Schuhe, mit gefesselten Händen, mit lechzendem Gaumen!" — Und Moscheh rust der Sonne zu: „Verflucht seist du, Sonne, daß du geleuchtet hast dem Feinde, da er das Heiligthum zerstörte!" Und die Sonne entgegnet: Nicht doch Moscheh, du treuer Hirt, wohl wollte ich mein Licht zurückhalten, aber gewaltsam trieb man mich aus meine Bahn und sprach: gehe hin, lasse leuchten dein Licht!" — Moscheh beginnt aufs Neue zu klagen: „Wehe über deinen Glanz, o HeNgthum, daß er so verfinstert worden, wehe, daß die Zeit der Zerstörung gekommenin der hie Kinder getödtet werden und die Väter in die Gefangenschaft wandern! Euch beschwöre ich, Ihr Feinde, wenn Ihr tödtet, tödtet nicht unbarmherzig und verhänget nicht eine vollständige Ausrottung! Tödtet nicht den Sohn vor den Äuge» des Vaters und die Tochter Ln den Armen der Mutter, denn eS wird die Zeit kommen, m der Gott von Euch Rechenschaft fordert!" — Aber die grausamen Chaldäer thaken nicht also; sie setzte» däS Kind in den Schosst der Mutter und wollten dann den Vater zwingen, das eigne Kind zu tödten, so daß die Thronen der Mütter den Gatten und ' den Sohn zugleich benetzten. Allmächtiger Gott, hast du doch verboten, das Alte und das Junge der Thiere an einem Tage zu schlachten, und du schweigst, da deinen Kindern Solches geschieht? Jetzt erhebt sich Rahel aus ihrem Grabs; die Leiden der Kinder haben das Mutterherz erweckt vom Todesfchlafe. „Mein Gott, spricht sie, du weißt, daß Jakob nur mich liebte und um mich siebe« Jahre lang bei meinem Vater diente^ Als nun

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