Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1861)
- Date
- 1861-07-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2446984-2447011--00767-2455970- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Kampf und Mühe des Manschen LooS geworden ist, aber gerade eben hierdurch der Mensch zum Bewußtsein seiner göttlichen Seele, seiner Mstigrn Anlagen und Fähigkeiten gekommen ist, deren' immer weitere Fortentwickelung der Wille der Vorsehung gewesen sein mußte: eben so sollte das Volk Israel, in welchem das Gebilde dchMenschenthMS aufS-MüßsÄrmenste ausgeprägt sein sollte, gleichfalls durch seinen Sündenfall aus dem Lande seines Paradieses, in welchem Milch und Honig floß, geworfen und in eine lieb- und herzlose Welt des ewigen Kampfes und der Verachtung getrieben werden. Zugleich aber ist an es auch die Mahnung ergangen, die ganze Welt zur Anerkennung und Verehrung des wahren Gottes zu bringen und die Wahrheit anzubahnen, deren Fittige seit jener Zeit sich nun beschattend und segenbringend über die ganze Menschheit immer weiter ausspannen. Israel ist daher bei seiner Zerstreuung mit dem hohen Berufe betraut worden, Licht und Erkenntniß nach allen Zonen des Erdenrundes dringen zu lassen, den Un- und Aberglauben durch seine höhere Erleuchtung immer mehr zu bannen und die ganze Welt auf die große Zukunst vorzubereiten, in welcher endlich die Wahrheit über die Lüge den glorreichsten Sieg erringen und ein ewiger, die ganze Menschheit harmonisch umschlingender. Friede der Ausgang und das Ziel eines Jahrtausende lang kampfoollen, zerrütteten und zerklüfteten Lebens sein wird. Dabei sollten aber zugleich unserer Vorfahren eigene Sünden auf eine Weise gesühnt werden, durch welche sie zu erkennen geben sollten, daß sie dasjenige wieum der Wahrheit willen durch alle Jahrhunderte hindurch so standhaft und so gläubig ertragen, zu erringen gewesen; wären wir bei dem Streben zur Realisiruug unserer heiligen Aufgaoe ohne Verfolgung und Verachtung menschlicher behandelt worden; wir hätten wahrlich, unserer Mission uns freuen können, und keine so gegründete Motive zu der, jedes Jahr wiederkehreaden Trauer über den Verlust unseres heiligen Landes gehabt. Denn wer nach hohern, geistigen und unvergänglichen Gütern strebt, muß seine Ansprüche auf die irdischen, vergänglichen mäßigen, unv sich leicht zn fasten und zu trösten misten, wenn diese ihm sogar genommen werden*). So wie der Stamm Levi, als heiliger Priesterstamm Gottes keinen Antheil an denr gelobten Lande erhalten sollte, weil dieser, mit dem Göttlichen beschäftigt, in dem ganzen Lande zerstreut, seinem hohern Berufe einzig und allein leben mußte: eben so sollte nach der Zerstörung Jerusalems das ganze Volk Israel, „als das Priesterreich des Herrn und als heiliges Volk" gleichfalls kein bestimmtes, ihm ausschließlich angehöriges Land zum Erbtheil und Eigenthum besitze«, sondern aus denr ganzen Erdenrunde zerstreut, feiner höhern Bestimmung sich ungestört bingeben. Doch unsere Aufgabe, deren Lösung der Israelit mit Gut und Blut erstrebte, ist uns leider durch Fanatismus und Grausamkeit sehr verbittert worden. Nicht, weil wir etwa Proselyten haben machen wollen, nicht, weil wir Missionen in alle Welt hinausgeschickt haben, um die Völker für unfern Glauben, für das Recht und die Wahrheit heranzulocken und zu geder ausgebesiert haben, was die Ursache ihres Exils > winnen, haben wir den allgemeinen Bölkerhaß ergewesen war. Durch Haß, Feindschaft und Parteigeist sind sie des heiligen Landes verlustig geworden, und durch Einheit, Verbrüderung, wahre Nächstenliebe, die durch ihre Vermittelung die ganze Welt umschlingen soll, sollten sie sich wieder den Weg zu ihrer dereinstigen Erlösung bahnen. DaS wäre dann die wahre Buße und die wahre Rückkehr zu Gott, die als Mittel ihrer Befreiung an sie beansprucht wird. Indem sie sich durch Gesetz und Gottesdienst selbst veredeln und auf dem Wege der Tugend vervollkommnen, sollten sie zugleich der Hebel zur Veredelung der ganzen Menschheit werden. . Wäre aber dieses zu erstrebende hohe Ziel durch keine. so großen und blutige» Opfer, wie Israel sie tragen müssen. Nein, auf solche Weise hat Israel seinen Glauben und seine Erkenntniß nie geltend zu machen gesucht. Wir wurden vielmehr deshalb an« gefeindet, weil, während alle alten Völker bereits längst vom Schauplatz des Erdbodens spurlos ver- *) Anm. der Red. Dir können uns dieser Auffassung nicht anschließen; es ist nicht der Verlust der Besitztümer, den wir beklagen, sonder» der Umstand, daß es uns in der Verbannung nicht gegönnt ist, Gott so vollkommen zu di.-nen, wie es das Gesetz verlangt, d, uns so viele Faktoren des Gottesdienstes verloren gegangen, indem sich die Mcorzak! oer Gottesgebote an den Belitz des beiligen Landes und an das Belieben des beilkzen Hauieknüpfen, wie das der Herr Vers, weiter unren auch srtbit ausfükirt.