Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1861)
- Date
- 1861-06-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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313 Kleinigkeiten tief im Wesen des Judenlhums begründet sind, ja, daß das Bestehen des echten und unverfälschten Iudcnthums gar oft davon abhangt. Ehe wir weiter gehen, wollen wir jedoch einem Mißverständnisse entgegentrctcn, das nur zu oft von der Böswilligkeit ausgebcütet wird^ Als wir neulich bei Gelegenheit der Komoruer Wirren für die Bimah (Almemmor) inmitten der Synagoge cinlratcn, schrieb man uns: „Wie können Sie für die Bimah inmitten der Synagoge amtreten, da doch einer der bedeutendsten orthodoxen Männer an einer Synagoge sungirt, in deren Mitte sich kein Almemmor befindet?" Ein Jeder sieht das Thorichte dieser Frage ein, selbst wenn das Factum richtig sein sollte; denn cs ist etwas ganz Anderes, ob Jemand eine Einrichtung trifft, oder ob er gezwungen sein soll, ans der Abänderung einer schon vorhandenen eine Lebensfrage zu machen. Hätte jener hervorragende Alaun, da er in eine 'Gemeinde berufen wurde, in deren Synagoge sich kein Almemmor in der Mitte!/befindet, deshalb den Nm ablehnen sollen? Er hat es nicht gethan/sondern hat eben in dieser seiner Stellung, seiner Gemeinde, seinem Bezirke und!dcr gelammten Judcuheit Großes geleistet,- hat die Gemeinde um gestaltet und dann als eine! fromme Erhaltest, hat durch-Lehre und Leben gewirkt wie wenig. Aridere!, und ^r hat nach unsrer vollsten Neberzeugung Recht daran i gethan. So geht es auch mit andern derartigen Dingen; es gibt manche unter ihnen, die bei einer Eollision der Pflichten!por gewichtiges Gründen-zurücktreten müssen. Aber Alles muß natürlich seine Grenze haben. Wen» dfr Fromme üm des!-lieben Friedens willen Manches! erträgt, sich Manches gefallen läßt, so gelangt er doch endlich an einen gewissen Punkt, wo Nachgiebigkeit ein Verbrechen ist. Als diese Grenze ist Ln unfern Tagen die Orgel in der Synagoge so ziemlich allgemein angenommen. Ter orthodore Jude besucht noch die zu Neuerungen sich hinneigende -Synagoge, wenn auch z. B. der Almemmor hinausgcschafft, der Namensaufruf abgcschafft ist, aber er wird keine Synagoge mehr besuchen, die durch die Ausnahme der Orgel den Charaetcr einer Kirche angenommen hat, er wird sich an keinem Gottesdienste betheiligen, der einzelne iutegrirende Destandtheile der Gebetordnung verloren oder andere dafür eingeschoben hat. Es wäre sehr wünschenswerth, wenn diese Grenze fest normirt würde, und wir erlauben uns, Männer von Autorität an fznfordern, uns hierüber Ihre Ansicht mitzUiheilcn, oder mit andern Worten, zu bestimmen, welches zur Reform sich hinneigende Vethaus noch als jüdische Synagoge zu betrachten sei oder nicht. Eine solche Bestimmung würoe die ehemals übliche, jetzt in vielen Ländern durch das Staatsgesetz unmöglich gewordene Verhängung des bekannten rabbinischen Prohibitivs ersetzen, die Schaar der Frommen wurde sich com'olrdiren und der Widerstand gegen die hereinbrechende Reform würde gekräftigt werden; nur müßte ausdrücklich bemerkt werden, daß dadurch keineswegs andere Aenderungen als. erlaubt betrachtet werden dürfen. Die Bestimmung müßte also dreitheilig sein; sie müßte 1) diejenigen Abänderungen enthalten, die vollkommen unbedenklich sind, wie z. B. das Abschaffen des Verkaufs der Mizwoth während des Gottesdienstes; 2) diejenigen, die zwar verboten, Aber, wenn siej einmal getroffen, den bharac- ' t^r der Synagöste nicht anfhebsn,, wie z. B. das 'Entfernen des-Mlmcmmors aus d§r Mitte der Synagoge;! 3) diejenigen, welche den Eharacter eines jüdischen! Gotteshauses vollkommen aufheben; wir rechnen zu dieses letzteren die Einführung der Org!e l, ,Streichung der Gsshcte, die sich auf die Erlö- Ang ^beziehen u. s. w. Es. wäre daS vielleicht jGcgenstand dör Verhandlung einer zu * b e tnfend e n or th öd o xen-Rabb in erv ers a m mlung. i - - - Doch kehren wir zum Mecholakh Hamachanajim zurück. Der Verfasser ist seiner Aufgabe vollkommen .gewachsen. Mit großem Missen vereint er einen IwundcrvoUen, hebräischen Styl. > - ' „Der 'Name der Zeit, klagt er in der Einleitung, ist Peleg (Theilung), denn in unfern Tagen sind getheilt die Herzen unsrer Brüder, der Name unsres Bruders ist Jokton (Verkleinerung) denn in unfern Tagen ward verkleinert das Gesetz Israels, und der Name des Ortes ist Machanajim (Zweilager), denn Israel ist gespalten in zwei feindliche Lager." Bei aller seiner Schärfe und Strenge, versteht es der Vers, dennoch auch mild zu sein; er entschuldigt die Abgefallenen mit der Allgewalt des Zeitgeistes und knüpft diese Entschuldigung an eine schöne