Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1861)
- Date
- 1861-06-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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908 Md des Silbers, sich jeden? Verdachte zu entziehen. Er fühlte sich nunmehr ganz sicher. Am andern Tage erscheinen die Kaufleute wieder an den Stufen des Thrones. Salomo bestehlt, ihnen die Verzeichnisse abzunehmen und unterhalt sich gütig mit ihnen. Er läßt sich erzählen von ihren weiten Reisen, von den Sitten, Gebräuchen und Gesetzen fremder Nationen; denn das ist ja die Grundbedingung aller echten Weisheit, von jedem Menschen zu lernen. „Ich sehe, ihr seid erfahrene und vielgewanderte Männer," spricht da der König. „Vielleicht erfahre ich von euch eine Entscheidung, die mich schon lange beschäftigt; ein fremder Fürst verlangt ein Urtheil von mir, das Welt- und Menschenkenntniß voraussetzt; ich will euch den Fall vorlegen: . In einer großen Stadt, so schreibt man mr, waren zwei angesehene Familien Nachbaren und sehr befreundet. Die beiden einzigen Kinder beider Fanlilien, ein Sohn der einen und eine Tochter der andern, waren Spielgenossen; da schwuren sie sich im kindischen Spiele, sich einander dereinst anzugehoren, es sei denn, daß Eins das Andere des Schwures entbinde. Da ziehen die Eltern des Knaben in eine ferne Gegend; sein Bild erlischt allmählich im Herzen des zur Jungfrau herangewachsenen Mädchens, dessen Eltern unterdes; gestorben und das dadurch in den Vesitz großer Neichthümer gelangt war. Die Vielumworbene wählt endlich einen braven, biedern Jüngling, der ganz ihrer würdig. Schon soll das Glück derjungen Leute durch das Band der Ehe begründet werden, da erinnert sich die Braut ihres Schwures, und wiewohl alle ihre Bekannten und selbst ihr Bräutigam behaupten, daß sie nicht gebunden sei durch den kindischen Schwur, besteht sie doch darauf, nicht eher sich zu vermahlen, bis jenes Versprechen gelöst sei. Endlich willigt ihr Bräutigam dareinsie zu begleiten auf ihrer Reise nach jenem Orte, wo der Gespiele ihrer Jugend wohnt. „Will er dir den Schwur nicht lösen, spricht der edle, junge Mann, so gib ihm alle deine Neichthümer, wenn du nur die meine wirst." Sie verkaufen nunmehr das gesammte Erbtheil der Jungfrau und suchen beladen mit Gold und - Diamanten jenen Jüngling an seinem Wohnorte auf. Dieser hatte noch seines Schwures gebucht; er war gerade im Begriffe gewesen, seine ehemalige Spielgenosfin aufzusuchen, als diese so unerwartet in sein Haus eintritt. Sie verhehlt ihm nicht, daß ihr Herz einem Andern gehöre. „Hier, spricht sie, nimm alle meine, Reichthnmer, Silber, Gold, Dramanten — nur gib mich frei von dem Versprechen, das ich dir geleistet." „Nicht doch, spricht der edle Jüngling, ich habe kein Anrecht auf deine Schätze. Fern sei es von. mir, dich unfern kindischen Leichtsinn also entgelten zu lasten; werde glücklich mit dem Manne, den dn dir erkoren." Groß ist die Dankbarkeit des Brautpaares; allsogleich wird die Vermählung vollzogen, und aks Eheleute treten sie die Rückreise an. Inmitten eines großen Waldes überfällt sie eine Näuberschaar; die Diener fliehen, die Schätze werden geraubt, der junge Ehemann wird gefesselt, nur als Sclave auf einem der Sclavenmärkte verkauft zu werden; die junge Fran aber wird zum Hauptmanne der Räuber geführt, der, ein schon bejahrter Mann, sie als willkommene Beute in Empfang nimmt. Sie aber sucht durch Büren und Flehen das harte Herz des alten RänberS zu erweichen; sie erzählt ihm ihre rührende Geschichte. „Sieh," spricht sie, „jener junge Mann hat seine Leidenschaft bezwungen und hat mich freigegeben, du aber so hoch bejahrt, der du bald diese Erde verlassen wirst, denk an die künftige Welt und häufe nicht Verbrechen auf Schandthat. Behalte Alles, was unser war, nur laß uns frei in unsre Heimath zurückkehren, mich und meinen Gatten." Da überkömmt es wunderbar den alten Müder; auch in seiner Brust sind noch nicht alle besseren Gefühle erstorben, das Beispiel des edlen Jünglings, der uneigennützig die schone Braut freigegeben, wirkt mächtig aus ihn, er fühlt, daß es bester sei, edel und gut zu sein, als zum Verderben seiner Mitmenschen zu leben, er bestehlt, den Gatten vou seinen Banden zu befreien, laßt all das geraubte Gut zurückerstatten und läßt die jungen Leute friedlich ihres Weges ziehen. Er selbst entläßt seine. Bande und beschließt, den Rest seines Lebens in Reue und Buße zu verbringen. „Und nun, o König Israels," so schreibt mir der fremde Fürst, „mochte; ich den Edelsten von diesen seltenen Menschen gerne . belohnen, um die Tugend auszumuntern; aber meine