Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1861)
- Date
- 1861-06-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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301 „uns selbst haben wir zu rcformiren, uns selbst dem Gesetze unterzuordnen und alles Sündliche 'aus unserer Brüst zu verbannen, aber wie dürfen wir es wagend an die Lehre des Herrn unsere Hand anzulegen und daß zu verbessem, was er uns gegeben," ist der Gedanke, mit dem er in den 19 Briefen der Nesormsucht gegcnübertritt. Doch vielleicht bin ich eingenommen für Hirsch und meinem Urthcile ist kein Gewicht in dieser Sache beizulegen; hören wir deshalb, wie Jost, ein Mann, der im Leben Hirsch fast feindlich gegenüber gestanden, über ihn und seine Bestrebungen urthcilt (stehe Geschichte des Judenthums und seiner Secten, 3. Abtheilung, S. 352): „Als Vorkämpfer (gegen die Reform) erschien sofort Raphael Samson Hirsch, geboren zu Hamburg 1608, damals in Oldenburg Rabbiner', nachmals Ln Emden und Nicolsburg, seit 1852 bei der Neligionsgcnostenschast in Frankfurt a. M. Meine Ansicht vom Judenthmne ist die der Geiger'schen entschieden entgegengesetzte. An die Stelle derfrcien Entwickelung der Gesinnung setzt er unbedingte Unterwerfung gegenüber dem Gesetze und dessen Entwickelung, eine gänzliche Hingebung des Lebens an die NkligionsverdindUchle'tten als den einzigen Weg, wodurch der Jude auch zur sittlichen Vollkommenheit und zur Erfüllung aller Menschen- und Bürgerpflichten gelange. Aber er will auch weder starres Formenwesen noch mystische Verwirrung der Phantasie, sondern eine gründliche Durchdringung des wahren Inhalts der Gesetze, einen stets mit Bewußtsein zu übenden Gottesdienst, irm so wirksamer, je mehr er mit Aufopferungen irdischer Genüsse verbunden ist. Nach ihm hat der Geistliche den Beruf, dies Bewußtsein stets mach zu erhallen und gegen die Reizungen des Lebens zu beschützen. Ihm erscheint die im Geigerichen Sinne angestrebte Reform nur als Anmaßung, Selbstsucht, Willkür, gegen welche das Judenthum sich wajfnen müsse. Auch die bürgerliche Gleichberechtigung dürfe nicht durch Nachlassung irgend eines Neligionspunktes erkauft werden; sie sei nur als ein natürliches Recht anzusprechen, das mit der Religion nicht in Beziehung stehe. Rücksichten auf LebenshcHaglichkeil seien der Unfittlichkeit entsprungen und daher entsittlichend. (19 Briefe über Jndenthum von Ben-Usiel. 1836.)" „Die Entschiedenheit in der Vertheidignng einer Sache, die man fast für verloren gehalten, die Begeisterung und lebhafte Beredsamkeit, mit welcher sü austrat, verfehlten nicht, auch nach dieser Richtung hin eine gewisse Begeisterung zu wecken. Die Art, wie Hirsch den geschichtlichen Boden ii Schutz nahm, flößte jedenfalls auch den Gegner» Achtung ein; er hielt sich frei von Schwärmers und blindem Eifer, er verschanzte sich auch gegen falsche Deutung und absichtliche Mißverständnisse, und suchte sogleich seine Grundsätze durch Darstellung der den Juden obliegenden Verbindlichkeiten im Einzelnen genauer in ihrem Einfluß aufs Leben zu entfalten (Horeb 1837). Abgesehen von einigen Seltsamkeiten der Manier,-war sein Lehrgebäude ei» abgerundetes Ganzes, in welchem sich die Anhängei des Herkommens nicht bloß heimisch, sondern, weit er die Formen durch symbolische Erläuterung belebte, auch wohlthuend angeregt fühlten." . S. Stern, der Begründer der Nesorm-Gr mejnde in Berlin, spricht folgendermaßen üb« Hirsch (siehe Geschichte des JndenthumS von Mendelssohn bis ans die Gegenwart): Seite 242. „Noch heute wird Niemand, bei mit der warmen Empfindung seines Herzens den Judenthmne angehört, die „Neunzehn Briese" Ben- Usiels öder Naftalis, wie sich der Schreibet nennt, zu lese» rm Stande fein, ohne sich von dei» Hauche eines GemntheS angeregt zu fühlen, in dessen Tiefen mächtige Begeisterung für die erhaben! Größe des Jndcnlhnms lebt; Niemand wird in dein Gedankcngangc, der diesen Briefwechsel beherrscht, das Walten eines Geistes verkennen, der den Gang der Menschen- und Völkrgeschichte mit durchdringendem Blicke zu erforschen sucht und die Ursagcn (?) des Judcnthums, wie die Geschichte Israels, von ihren ersten Anfängen bis ans die Gegenwart ml dem Maaß einer großartigen Idee zu messen versteht. Seite 247. „Nach Allem jedoch, was wir von den 19 Briefen kennen gelernt haben, mußte wohl das Auftreten Samson Hirsch's als eine bedeutsam -Erscheinung begrüßt werden. Es konnte nicht fehlen, daß die Bedeutung derjenigen Ideen, die offenbar aus der Tiefe des Judenthnms geschöpft sind, dein Verfasser auch für diejenigen eine gewisse Aufmerb