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Der Israelit · 1861-06-19 · Heft 25 (19.6.1861) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 25 (19.6.1861)
Date
1861-06-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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300 nun, wir wetten darauf, der anonyme Verfasser weiß selbst nicht, warum. Jm-'Uebrigen enthält die Broschüre vieles Gute, viel Wahrheit, nur daß manchmal ein wenig über das Ziel hinausgeschossen wird. Der Verf. beginnt gleich mit der Klage , daß er vergebens auf eine Entgegnung von Seiten der Anhänger Hirsch's, von Seiten derj wahren Freunde des Judenthnms überhaupt (denn in Hirsch sei das ganze Judenthum beschimpft worden) gewartet habe. Wir müssen gestehen, wir haben eine solche Entgegnung, die persönlich en Angriffe betreffend, für höchst überflüssig, wenn nicht für unwürdig gehalten. Herr R. H. steht viel zu hoch, als daß er durch die gemeinen Schmähungen eines namenlosen Pariser Correspondenten der allgem. Zt. des Judenth.'s und Genossen beschimpft werden könnte, Herr R. H. steht viel zu hoch, als daß selbst ein Beer, ein Landau rc. sein Streben und Wirken zu verdächtigen im Stande wären. - :! Doch «genug hiervon. Der Verfasser beginnt nun seine Arbeit mit einer Darlegung der Verdienste des Herrn R. H. um das traditionelle Judenthum. Wir lassen die ganze Stelle hier folgen , da sie uns als Characterisirung unsrer jüngsten Vergangenheit wichtig erscheint: „Bevor wir indessen, sagt er, zu einer näheren Erörterung der Frage selbst übergehen, sei es uns zunächst vergönnt, einige Worte über das Streben und Wirken Hirsch's vorausznschicken, da nur in Verbindung mit diesem auch die betreffende Sache richtig zu betrachten möglich ist. Es war im Anfänge der ^dreißiger Jahre, als die Reform ihre glänzendsten Triumphe feierte. Diese Richtung, welche, von Mendelssohn, freilich wider seinen Willen angeregt, in Jacobsohn, Friedländer u. s. w? begeisterte Verehrer erhalten hatte, hatte in Geiger einen tüchtigen, kampfesfähigen Repräsentanten gesunden, der sich bemühte, das traditionelle Judenthum als abgestorben, nur noch ein künstliches Scheinleben fristend, därzustellen, das, wenn es nicht völlig zu Grunde gehen solle, einer gänzlichen Reform bedürfe. Während diese Ansicht, mit Geist vorgetragen und: jedenfalls für den erwünscht, dem das Joch des Judenthnms zu schwer war und der sich nach Erleichterung desselben sehnte, von Tag zu Tag immer größere Fortschritte machte, verschlossen die orthodoxen Rabbiner entweder ihre Augen vor der drohenden Gefahr oder sie waren unfähig dagegen anzukämpfen, weil ihnen die Waffen moderner Bildung fehlten', mit denen die Gegner hauptsächlich gegen das Judenthum auftraten." (Auch hier thut der Verfasser den großen Todten rr"p und manchem bedeutenden Ueberlebenden im höchsten Grade Unrecht. In allen Gemeinden Deutschlands wurde damals mit aller Krastanstrengung gegen die herandrängende Reform gekämpft, und Rabbiner wie Private setzten an diese Bekämpfung Gut und Blut, Gesundheit und Leben; wir erinnern nur an die hochgepriesenen Namen Eger in Posen, Tiktin in Breslau, Schreiber in Preßdnrg, Hamburg inFürth, Berneys inHamburg,Lehren in Amsterdam u. s. w., u. s. w. Auch mit modernen Waffen wurde bereits vor Hirsch gekämpft; wir erinnern nur an „die richtige Mitte" Frankfurt 1831, an „Menorah Hathora" von Bezirksrabbiner Löwenstern, damals in Bruchsal, jetzt in Bischofsheim a. d. Tauber, ebenfalls vom Jahre 3 t, und andere mehr.) „So war die Lage der Dinge, als plötzlich ein Vertheidiger des orthodoxen Judenthnms in Samson Raphael Hirsch, damals Rabbiner in Oldenburg, austrat. Hirsch stand in jeder Beziehung auf der Höhe der Zeit, aber er war dabei erfüllt von echt jüdischem Geist, von der unbegrenztesten und hingebendsten Liebe zum Judenthum, von der aufrichtigsten und tiefsten Überzeugung von seiner Göttlichkeit und ewigen Wahrheit, eine Vereinigung, wie sie sei! jener Zeit des Glanzes in Spanien noch nie (?) dagewesen war. Mit solchen Waffen ausgerüstet begann er muthvoll den Kampf gegen die Reform. Während Geiger dem Judenthume die Lebensfähigkeit in unserer Zeit abgesprochen hatte, wies Hirsch die ewige Lebenskraft nach, die darirr enthalten fei, zeigte den tiefen Gehalt, den alle Gesetze in sich schlössen, kurz, er stellte das Judenthum, das von den Gegnern als ein Conoolut sinnloser, zusammengehäufter Formen betrachtet wurde, als ein herrliches, harmonisches Gebäude dar, von dem man aber auch teuren Flügel, keinen Erker abnchmen dürfe, ohne die Harmonie des Ganzen zu zerstören. Dem Verlangen nach einer Reform stellte er sich energisch entgegen;

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