Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1861)
- Date
- 1861-06-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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wmde, finden wir, daß den Juden nichts übrig blieb, M ihr Leben durch den Handel zu fristen, und aus diesem Kreis konnten sie erst treten, als bei den vorgeschrittenen Nationen die letzten Trümmer veralteter fixer Ideen verwitterten. — Ich meinerseits wünsche die Juden Ungarns ans freien Fuß gesetzt zu sehen (Zustimmung), ich wünsche die Toleranz vollkommen durchgeführt; denn ich finde eS mit dem Princip unserer Verfassung nicht vereinbar, daß was immer für eine Konfession vom Genuß der Bürgerrechte ausgeschlossen sei (allgemeine Zustimmung), ich big vielmehr der Meinung, daß eS ein moralischer Meuchelmord ist, wenn man wen immer seiner politischen Rechte beraubt. Das steht auch mit unfern christlichen Grundsätzen im Widerspruch, welche auf der liberalsten Grundlage beruhen, und auch für die Christenheit sehe ich eine viel größere Gefahr in den eben nicht christlichen Gefühlen und Thaten, die die ungerechte Verfolgung in Schutz nehmen. Darum führt nun in unseren Tagen jedes reifere Volk das erhabene Princip der Toleranz auf seiner Fahne. Betrachten wir die Verhältnisse Englands und Belgiens/ eS gibt dort keinen Zweig der Wissenschaft, der Industrie, der Kunst oder Handelsunternehmungen, wo die Juden nicht in der ersten Reihe kämpfen. „Oder vielleicht deshalb, — schreibt Macnlay in seinem „6!v!1 ckisabiütieo ok tbv Hevs" — vielleicht deshalb soll ein Mensch ausgeschlossen oder für irgend ein Amt weniger befähigt sein, weil er einen Bart tragt, keinen Schinken ißt, und statt am Sonntage in der Kirche, Sonnabends in der Synagoge inbrünstig betet? Das verstehen wir nicht." Einst riefen die Hugenotten in Frankreich England zu Hilfe gegen ihren katholischen Herrscher; die Katholiken von Frankreich aber suchten in Spanien Hilfe zum Sturze eines Hugenottenkönigs, und waren bereit für ihren Glauben die heiligsten Interessen des Vaterlandes aufs Spiel zu setzen. Würden heutzutage die Protestanten in Frankreich von Preußen oder England Hilfe bitten, um ihren Glauben wieder zur Herrschaft zu bringen? Wahrlich Nein. Und warum? Weil sie einst verfolgt wurden und jetzt nicht verfolgt werden. Dasselbe, geehrtes Repräsentantenhaus, ist auch bezüglich der Juden der Fall, sei eS in Betreff der Religion, sei eS in Betreff der politischen Gleichberechtigung; denn nur der Druck kann einen Gegendruck erzeugen. Wo diese Hindernisse beseitigt wurden, dort hörten sie auf, einen Staat im Staate zn bilden. Wir sehen wie sich die Juden der zkvikisirten gebildeten Nationen den Gebrauchen ihrer neuen Heimath anschmiegen. Dies beweisen am Besten die statistischen Daten Amerrka'S, ans welchen hervorgeht, daß nur ein sehr geringer Theil der Nachkommen (?) Moses sich mit Geldmäkelei beschäftigt, während die überwiegende Mehrheit ihr Brod hinter dem Pfluge sucht. Stellen wir die Juden Ungarns auf den Boden der Rechtsgleichheit, und sie werden ungarische Juden sein, und den Fortschritt unserer Heimath eben so sehr am Herzen tragen, wie die Sprossen dieses Landes von reinem scythischen Blute; und eben so wie wir, werden auch sie für unsere Rechte Achtung, und die unverletzte Anerkennung unserer Grundgesetze fordern. Wenn die ungarischen Juden bisher gegen Ungarn keine kindliche Pietät hatten, so geschah dies nur, weil sie als Stiefkinder behandelt wurden; denn es ist eine anerkannte Thatsache, daß jeder Stamm oder Glauben, der aus was immer für einem Grunde nach außen gravitirt, dies wegen der Engherzigkeit der Regierung im Innern thut. Indem ich daher so frei war, die Aufmerksamkeit des geehrten Hauses schon im Voraus auf die Judenemanzipationsfrage zu lenken, verlangte ich nicht Gnade, sondern Gerechtigkeit. Beseitigen wir Voruriheile, Antipathie und mit unserer christlichen Religion unvereinbare Gesinnungen, und thun wir, was zwischen Menschen und Menschen nur recht und billig ist; und wmn wir einmal jene Regierung erblicken werden, vor welcher die finstern, kalten Wolken der Intoleranz zmückweichen; dann erst werden wir die erhabenen Lehren, die glorreichen Grundsätze der Liebe befolgen. — Wien, im Mai. Wir wollen im Nachstehenden der Gemeinde Kollin zur glücklichen Requisition de- Herrn Rabbiners vr. Gugenheimer von ganzem Herzen gratuliren und zugleich dem Herrn Correspoudenten * Ln der jüngsten Nummer der „Jllustrirten Judenzeidmg" einige Worte der Beruhigung widme». Die K—er Gemeinde hat sowohl durch den Wahtmodss, ich meine durch die Abweichung von der (Hierbei eine Beilage.)