Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1861)
- Date
- 1861-06-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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2S3 und Eintracht neben einander leben. Wir halten es für eine der ersten Pflichten des Juden, den confesfionellen Frieden zu befördern und seine Mitbürger brüderlich zu lieben. Aber Alles hat seine Grenzen, und wie neulich das Ansinnen eines ungarischen Grafen, die Emancipation von der Bedingung abhängig zu machen, daß die Juden mit ihren christlichen Brüdern anS einer Schüssel essen, von unfern dortigen Glaubensgenossen mit Entrüstung zurückgewiesen wurde, so müssen wir die Verletzung des isr. Religionsgesctzes, das die Bethciligung an einem fremde» Cultus streng verbietet, von Seiten der obenerwähnten hiesigen Israeliten tief beklagen. Die Verletzung der eigenen Religion, um sich den Mitbürgern gefällig zu erweisen, wird auch von keime« glaubenstrenen Christen gebilligt werden, ist daher auch durchaus nicht geeignet, zur Beförderung des confessioncllen Friedens beizutragen, da das ein Aufgeben der eigenen Confessio» in sich schließt. O, all ihr heiligen Tr'p dp Orrsz -.-OLv) Männer und Frauen (und Kinder), die ihr bei ähnlichen Anlässen freudig euer Leben geopfert zur Heiligung des göttlichen Namens, was würdet ihr zu den entarteten Enkeln sagen, die ihr Heiligstes eintauschen gegen das Glück, einen Juden zum Mitglieds der städtischen Einquartierungs- Commission gewühlt zu sehen! Aus Sackser», 30. Mai. Der vor einigen Lagen gefaßte Beschluß der zweiten Kammer unseres Landtags über den Neligionseid der Lehrer wird von allen Vorurteilsfreien tief beklagt. Durch ihn wird der Grundsatz sanctionirt, daß alle öffentlichen Lehranstalten Sachsens Confessionsschulen, und zwar evangelischckntherische seien; denn nur wer den evangelisch - lutherischen Consesfionseid zu leisten vermag, kann ständiger Lchrcr an denselben werden, selbst wenn er mit dem Religionsunterricht gar nichts zu schaffen hat. Als besondere Gnade hat die Kammer dem Cultusministerillm die Ermächtigung gegeben, bei Anstellung von Schullehrern an hohem Anstalten, welche keinen Ne- Wonsunterricht zu ertheilen haben, Mitglieder der reformirtcn Neligionsgesellschast, „wo solches im allgemeinen Interesse zulässig erscheint", von Leistung des Religionseids zu dispensiren; Katholiken, Deutschkatholiken und Juden aber sind und bleiben aus dem Lehrerständ Sachsens ausgeschlossen, obwohl auch sie mit den Bekennern der .protestantischeri Coüfesston gesetzlich ganz gleiche bürgerliche und politische Rechte genießen. ES liegt dem «ne beklagensrverthe Exklusivität zu Grunde, die aber leider in Sachsen, wo seit alten Zeiten confessioUeücS Mißtrauen und namentlich ein ziemlicher Grad vd« Abneigung gegen KatholicisnmS und JsraelitismüS zu Hause ist, selbst in sonst gebildeten Kreisen ihre Fürsprecher findet. (A. Z.s: LZ'esb-dea, 4. Juni. Die zweite Kammer hat in ihrer heutigen Sitzung den Gesetzentwurf, die Eidesleistung der Juden betreffend, angenommen und damit die vollständige bürgerliche Gleichheit derselben vor dem Gesetz, hergestellt. - , Oesterreichischer Kaiserstaat. 5 Juni. Unsre Hoffnung auf vollständige Emancipation scheint sich von Tag zu Tag mehr zu realisiren; gewichtige Stimmen werden für dieselbe laut. Ich theile Ihnen in Folgendem einen Auszug aus einer Rede mit, welche Gras SzecsLny unlängst im Hanse der Abgeordneten zu Gunsten der Juden gehalten: Ich will mich nicht in Wiederholungen ergehen und wünsche insbesondere noch über die Gleichberechtigung der verschiedenen Religionsbekenntnisse in unserem Vaterlande vorläufig Einiges zu bemerken, zumal dieser Punkt des Antrages bisher noch kaum berührt worden. Meine Motioirung wird vielleicht nicht neu sein, aber um so schneller werde ich über das hinwegglciten können, was bereits als geebneter Weg zu betrachten ist. Eine der vielen wesentlichen Fragen ist unstreitig die Judenemanzipatiott. Innerhalb der Grenzen Ungarns leben ungefähr 400,000'Israeliten; unter ihnen findet sich Intelligenz und Wohlstand in hohem Grade, Faktoren, die man sicherlich nicht außer Berücksichtigung lasst» kann. Es gibt kein größeres Geldunternehmen, keine finanzielle Krisis, bei denen nicht sie die Hauptfaktorcn wären. > ' . -1! Auf jene Periode in der Geschichte des jüdischen Volksstammes zurückblickend^ wo derselbe; nachdem die Legionen des Titus die Mauern Jerusalems zerstört Hallen, zerstreut, von Jedermann verfolgt