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Der Israelit · 1861-06-12 · Heft 24 (12.6.1861) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 24 (12.6.1861)
Date
1861-06-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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220 des Herrn Stein gehörte*). „Der Riß in unserer Gemeinde war nun ein vollständiger, ein Lrauerriß, der bis an's Herz ging!" — Eine Hoffnung ist nun Herrn Stein noch geblieben, die Hoffnung, daß durch die Parteiung, auch-er eine Partei gewinnen würde; aber auch diese Hoffnung wird ihm vereitelt. Die Orthodoxen schaaren sich einmüthig um ihren würdigen Nabbinen, aber Herr Stein gewinnt keine Partei, trotzdem er sich als Repräsentant der kostbaren Errungenschaften des Lichts und der Aufklärung, der Erbschaft von fünfzig Jahren, geriet. Das Letztere thut Herrn Stein! zu weh; Herr Rabbiner Hirsch ist, wiewohl nicht Mitglied des Vorstandes, doch der einflußreichste Mann in der Reli« gionSgesellschast — Herr Stein wird von seinem Vorstande nicht allein selten oder gar nicht gefragt, ja, es kömmt vor, daß dieser aufgeklärte Vorstand über fein Gutachten noch daL eines orthodoxen Rabbiners einholt; Herr Rabbiner Hirsch gründet eine Unterrichtsanstalt und wird Direktor derselben — Herr Stein ist von der Leitung der Gemeindeschule ganz ausgeschlossen. Herr Stein wird Hirsch - oder vielmehr Herrsch-süchtig, er verlangt im Jahre 55 Sitz und Stimme im Vorstände und Beziehung zur Gemeindeschule; Beides wird abgelehnt. Wir nehmen bei dieser Gelegenheit Act von folgendem Geständnisse (S. 31): „Man sähe sich nur au Sabbatmorgen unsre neue, herrliche Synagoge während der Predigt an, wie verödet die Räume sind — keine Männer, keine Jünglinge und keine Knaben!" — Wir fügen diesem Geständnisse noch hinzu, daß die Concurrenz des Andachtssaales seit der Einweihung der neuen Synagoge aufgehört hat, daß hie (orthodoxe) Neligionsgesellschaft kaum cm Drittheil der Gemeinde zu Frankfurt auSmacht u nd daß die Räume der Synagoge derselben gefüllt sind bis auf den letzten Platz während der Predigt und ohne dieselbe. Das sind also die Früchte der Reformen, des veredelten Gottesdienstes und wie die schönen Sächelchen alle heißen! MerktS euch, ihr Männer in Israel weit und breit, allüberall, wo man diese Erfahrungen noch nicht gemacht hat, und beuget vor, damit uns unser Heiligstes erhalten bleibe!— - PraH- ^oahrsLrlnli/ Jor. D. 245." / 22.) za Lezlekm. Wir haben nur noch wenig hinzuznfügen; die Conflicte mit dem Vorstands werden immer häufiger und kleinlicher; nirgendwo irgend ein Principienstreit, sondern immer nur verletzte Eitelkeit von Seiten des Herrn Stein. Der Vorstand gibt endlich nach und erlaubt Herrn Stein, bei einigen Sitzungen zugegen zu sein; aber er hat vorher beschlossen, in Herrn St.'S Gegenwart nicht zu discuriren. Sr spricht, wird gehört und in Gnaden entlassen. Die neue Synagoge wird gebaut und Herr Stein hat nicht Sitz und Stimme in der BaucommWon. Herr Stein wird auf einmal conservativ und beklagt es tief, daß dadurch der traurige Umstand eingetreten, daß die Chanuka-Menorah für Gaslicht eingerichtet worden, „da zur Hebung eines so antiken Gebrauches das moderne Gaslicht sich wenig schicken will." Me gefühlvoll! Bei dieser Gelegenheit wollen wir auch eines Curiosums ermähnen. Man hat nämlich auch das neunte Licht, den Schammeß, der zum Anzünden der Lichter dienen soll, für Gas eingerichtet. Man denke sich die Verlegenheit des Vorsängers, da er den Schammeß ergreifen will und dieser fest ander Wand sitzt! — Der arme, arme Leopold Stein! der höchste Freudentag seines Lebens wird ihm zur tiefsten Schmerzensquelle! und wodurch? durch seine eigene Schuld. Es ist von der Synagogenweihe die Rede. Die höchsten Behörden sind gegenwärtig und Herr Stein klagt in seiner Weiherede die Stadt Frankfurt des Rischuß an; am andern Morgen freilich sollte das dahin gemäßigt werden, daß dieses Rischuß nur der Vergangenheit angehöre, aber am andern Morgen hüteten sich die Behörden wiederzukommen. Nach dem Feste wurde er natürlich von dem darob verantwortlich genlachten Vorstände, zu dem man mit Recht sagen konnte: Hast du uns eingerade», uns zu beleidigen?" „gemaßregelt." Da auf wiederholte Eingaben des Rabbiners um Erlangung der oben schon angegebenen Rechte der Vorstand abschlägig bescheidet, und da am verflossenen Wochenfeste sich nur 12 Consirmanden zur Consirmation melden, so beschließt Herr Stein, seine Demission zu geben, die ihm auch gewährt wirb. Zum Schlüsse beklagt sich Herr Stein bitter darüber, daß man ihn dieser Lappalien halber habe fallen lassen. Verstehe das ein Anderer! Sind es Lappa-

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