Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1861)
- Date
- 1861-06-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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289. Im Weiteren Verlaufe der Amtstätigkeit des Herne Stein wiederholen sich stets kleinliche Conflirte nm kleinliche Dinge. Er hat bei der sogenannten Nabbmerversammlung zu Frankfurt a. M. für durchgreifende Reformen gestimmt, hat aber nicht den Muth, sie auszuführen. Interessant ist dabei! die Notiz, daß nur einer jener Herren überhaupt j dieselben ausgeführt habe. Diese Halbheit bringt l ihn natürlich bei feiner eigenen Partei i.r Mißcredit;! man sagt ihm: „Sie sind kein Rabbiner für uns,! wenn Sie für Reformen stimmen und sie dann nicht! zur Ausführung bringen." Er führt endlich die n Reformen Lheilrveise ans und gerätb nun in Conflict mit den Orthodoxen. So fühlt sich der arme Mann schon nach zwei Jahren seines Aufenthalts in Frankfurt vereinsamt: „Niemand, Niemand, der sich meiner annahm!" jammert er. Seine Eitelkeit wird wieder und wieder verletzt, in der Synagoge, aus der Straße, in den Zeitungen, und Keiner, der sich seiner annimmt; der arme, verlassene Mann! Machen wir hier in unserer Darstellung eine kleine Pause und wenden uns einmal zu einer entgegengesetzten Erscheinung. Wir kannten und kennen mehrere orthodoxe Rabbinen theils persönlich, Lheils dein Rufe nach, die in unserer an religiösen Conflikten so reichen Zeit, Amt und Brod ihrer Ue- Lerzcugung zum Opfer brachten. Fühlten sich diese jemals vereinsamt, verlaßen, trostlos? Jammerten sie: „Niemand, Niemand, der sich meiner annahm!" wie es in der vorliegenden Broschüre so häufig geschieht? Diele Männer brachten die großen Opfer froh und freudig, denn Gott wohnt Ln ihrem Herzen und die Motive ihrer Handlungsweise ware n edel und rein. — Kehren wir zu Herrn Stein zurück. Ein Anderes, was ihn beunruhigte, war die Concurrenz. Durch feine Instruction von der Beeinflussung der Gemeindefchule ausgeschloffen, betrachtete er mit scheelem Auge, den Gottesdienst, den diese mit Chorgesang, Predigt, Confirmation rc. in ihrem sogenannten Andachissaale eingerichtet hatte; die Einheit des CultuS, welche doch die Reformer in jeder Stadt so schnöde verletzen, ist bei diesem Confiicte sein Stichwort. Namentlich beansprucht Steiu die Confirmation für sich allem; es wird ihm das abgeschlagen; das kann er nicht verschmerzen und das ist's, was dann auch hauptsächlich zu seiner Abdankung geführt hat, ja, diese wäre schon damals eingetreten, wenn nickt urplötzlich das Jahr 48 gekommen wäre. Herr Stein wird von d-r politischen Bewegung jenes JahreS der Art ergriffen, daß alles Uebrige d.ei ihm dagegen in den Hintergrund tritt. ' Nun aber tritt ein anderes Moment in Frankfurt aus, das Herrn Stein dann auch endlich den Rest gibt. Die Orthodoxie ermannt sich endlich; bis dahin geknechtet und unterdrückt, constituirt sie sich als besondere Neligionsgesellschast. Herr Stein will energisch gegen sie zu Felde ziehen; allein der arme Mann wird wieder nicht gefragt; er erfahrt nur durch Hörensagen, was in jenem Trenmmgsproccffe vorgeht. Herr Stein rächt sich dafür noch nachträglich, indem er den Orthodoxen einige wahnsinnige Behauptungen in'S Angesicht schleudert. Eine Trennung sei nicht orthodox, der Talmud sei dagegen, sogar wenn sich unter den Israeliten Götzendiener befinden, solle man sich nicht von ihnen trennen. Hat denn Herr Stein noch niemals von einer rri-u.-» i'p gehört? Er fragt ferner, warum denn die Propheten zur Zeit als im Tempel fremder Dienst geübt wurde, nicht einen andern Tempel gebaut hätten? Glaubst du wohl, lieber Leser, daß es möglich ist, daß „ein Rabbiner" solch totalen Unsinn hervorzubringen im Stande sei? Weiß denn Herr Stein nicht, daß die Heiligkeit des Tempels ans das Engste mit dem Orte, wo derselbe stand, mit dem Berge Morijah, nicht allein verknüpft war, sondern sogar noch heute verknüpft ist, daß ein anderer Tempel an einem andern Orte nicht möglich und nicht denkbar ist? daß der Tempel des Omas in Alexandrien niemals Anerkennung fand? Warum frag! Herr Stein nicht lieber, warum die Israeliten, statt die Zerstörung des Hempels zu betrauern, nicht lieber heute noch an einem beliebigen Orte einen andern bauen? Vielleicht hatte Herr Stein dann Aussicht — Hoherpriester zu werden! — Die Trennung geht vor sich; ein anderer Rabbiner, und wahrlich, ein würdigerer (Herr Rabbiner Hirsch) wird berufen, und dieser vollzieht auch, üorribtte äretu! Trauungen und andere rabbinischt Functionen, was doch eigentlich zu den Emolumenten