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Der Israelit · 1861-06-12 · Heft 24 (12.6.1861) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 24 (12.6.1861)
Date
1861-06-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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888 willenlosen Werkzeuge in^ der Hand deS Vorstandes gemacht werden mußte. 7 - 7 Jedes selbstständige Auftreten ohne Bewilligung des Vorstandes wurde ihm in dieser Instruction untersagt; wir führen beispielsweise nur den ß. 7. derselben anr - - ' . t' 7' - „In seinen Communicationen mit Aemtern und Behörden steht der zweite Rabbiner unter der Controle des Vorstandes. Schriftliche Berichte, Gutachten und Zeugnisse darf er ohne dessen Genehmigung nicht erlheilen und müssen dieselben mit dessen Visa versehen sein. Bei sonstigen Eingaben und Anträgen darf der Vorstand nicht umgangen werden." Ja,! diese Instruction geht so weit, dass.sie dem Rabbiner verbietet: Vorschriften und Verbote in Religions- und Ceremonialsachen oder überhaupt Publikationen irgend einer Mohne 'vorgängige-Genehmigung des Vorstandes und Ausschusses! der Gemeinde zu erlassen. -- Man denke sich einen Vorstand der extremsten antijüdischen Richtung und eine solche Instruction! Mer darauf hin, sich dadurch bindend, ein Rabbineramt annimmt, muss entweder völlig characterlos odxr mindestens im höchsten Grade leichtsinnig sein. Wie aber erst muß das Urtheil über einen Mann ausfallen, der diese Instruction 18 Jahre erträgt und ihr nachlebt und dann, wie er selbst sagt, wegen einigerLappalien aus dem Amte scheidet! Nicht hohe Prmcipiendifferenzen sind eS, welche die Abdication veranlassen, sondern kleinliche Forderungen der Eitelkeit mrd so wird auch m der ganzen Broschüre über Nichts, als über verletzte Eitelkeit geklagt. Ja, Herr Stein erklärt heute noch, er halte jene Instruction für erklärlich, weil damals ein tiefer Conffict zwischen dem seligen Rabbiner und dem aufgeklärten Theile der Gemeinde obwaltete;'das heißt mit andern Worten, einem orthodoxen Rabbiner gegenüber sei diese fesselnde Instruction ganz in Ordnung, aber ihm, dem selbst aufgeklärten — welch eine Verletzung der Eitelkeit! Md dennoch hat er, der Aufgeklärte, seinem eigenen Geständnisse zufolge den Despotismus der Aufklärung und des Liberalismus hart empfinden nMen! ' ' unter solchen Verhältnissen die llvuflicte^hervortreten. ES erschien nämlich damals in Fs. eine neue Wechselordnung, wodurch da- Recht jüdischer Kaufleute, an Sabbat- und Feiertagen nicht zu acceptiren, aufgehoben wurde. Natürlich supplicirten fromme Männer gegen diese Aufhebung; diese wünschten, durch eine gutachtliche Aeußerung des RabbinatS ihr Gesuch zu unterstütze». Herr Stein ergreift die Gelegenheit, sich de» Orthodoxen gefällig und versöhnlich z» zeigen; nicht der Art, daß er dadurch seinem aufgeklärten Standpunkte, von dem ans keine Entweihung des Sabbats denkbar ist, etwas vergibt, aber er gibt doch ein brauchbares Gutachten, theils um auch bei den Orthodoxen als „Schirmer der Religion" zu erscheinen, theils, um von diesen dann andre Eoncessionen'zir erhalten. Aber der Vorstand ist nicht versöhnlich gestimmt; er verstümmelt das Gutachten durch Cen« surstriche durch alle Stellen, die zu Gunsten der Petenten sprechen, und macht dadurch dasselbe unbrauchbar. Die Petenten benutzten natürlich das verstümmelte Gutachten nicht und erreichten ihren Zweck ohne dasselbe. Für jeden gesinnungstüchtigen Mann wäre jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen gewesen, sein Amt niederznlegen. Wir sagen das nicht nur von unserm Standpunkte aus, sondern selbst von dem des Herrn Stein. Dass ein orthodoxer Rabbiner zu de» entschiedensten Schritten verpflichtet ist, sobald ihm untersagt wird, für die Heiligung des Sabbats einzutreten, versteht sich von selbst. Aber selbst ein Mann wie Stein, wenn ihm anders das Wort „Gewissensfreiheit" kein leerer Schall ist, hätte hier energisch Vorgehen müssen. Es galt hier, für die Wahrung der religiösen Rechte einer großen Anzahl Gemeindeglieder einzutreten, es galt hier, ein Recht zu schützen, das jedem Rabbiner, einerlei welcher Richtung, ein heiliges hätte sein sollen, bas Recht des jüdischen Religionsgesetzes dem Staate gegenüber. Erhebt sich Herr Stein auch nur zu einer solchen Auffassung? Gefälligkeit und Versöhnlichkeit gegen die Petenten, erhoffte Concessionen von ihnen und vor.Allem die Eitelkeit, trotz aller Resormirerei als Schirmer der Religion erscheinen zu könne», find seine Motive; und da der Vorstand fein gewundenes Gutachten noch verstümmelt, da schweigt Herr Stein, um abzndanken, wenn nur 12 Confirmanden sich von ihm einsegnen kaffen wollen.

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