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Der Israelit · 1861-06-05 · Heft 23 (5.6.1861) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 23 (5.6.1861)
Date
1861-06-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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KeeskeWL-, 26-Mai. (Die Orthodoxie und die Emanclpation.) Zu den Waffen, welche von gegnerischer Seite immer wieder hervorgeholt und gegen die Orthodoxie gebraucht werden, um dieselbe zü verdächtigen, sie ihrer Volksthümlichkeit zu berauben und ihre Unvereinbarlichkeit mit dem praktischen Leben nachznweisen, gehört die Verbreitung der Meinung, als sähen die treuen Anhänger des talmudischm'Judenthums der nicht nur von unsem Glaubensbrüdern, sondern von den Edlen und Gesinnungslüchtigen aller Nationalitäten so sehnlrchst erwarteten bürgerlichen Gleichstellung des Israeliten mit nicht geringem Bangen entgegen, in der Voraussicht ihrer nachteiligen Folgen und ihres störenden Einflusses auf das jüdisch-religiöse Leben. Es thut daher Noth, von Zeit zu Zeit auf dies Thema wieder zurück zu kommest, üm jene in perfider Absicht verbreitete irrige Auffassung zu berichtigen, die öffentliche Meinung hierüber aufzuklären und selbe namentlich mit den dießsällkgen Erfahrungen bekannt zu machen. Unsere Glaubensgenossen in Frankreich, Holland, England, nnd überhaupt in allen jenen europäischen Landern, in denen sie sich einer unbeschrankten bürgerlichen Freiheit erfreuend, die verschiedensten Komunal- und Staatsämter und Würden bekleiden, in den gesetzgebenden Körperschaften und Akademien Sitz und Stichme habe«, gehören ihrer Gesämmtheit nach und in Beziehung der religiösen Richtung ihres kultuellen Gemeindelebens der Orthodoxie an. Wir sagen dieß ausdrücklich nur in Beziehung der religiösen Richtung der Gesämmtheit nnd ihres Kultus; denn Einzelne, die sich über die Vorschriften der Religion hinaussetzen und diese nicht zum Regulator ihres Lebens machen, bilden keineswegs die religiöse Richtung der Genossenschaft, auch dann nicht,; wenn die Zahl dieser Einzelnen nv'rn eine bedeutende wäre, insolange dieselben ihr individuelles Verhalten individuell und ihre subjektive Anschauung subjektiv sein lassen und nicht der Gesämmtheit und ihrem Eultus aufdringen wollen; und daß Letzteres in den genannten Landern nicht der Fall ist, beweiset eben der ungestörte innere Friede, besten sich die dortigen Mischen Gemeinden erfreuen, vereinzelte Fälle ausgenommen, welche daselbst zu den sporadischen Erscheinungen gehören und nur durch auswärtige Elemente hervorgeruftu werden. (Hierbei eine Beilage « Dagegen haben die religiösen Kämpfe, Wirren und Parteiungen, die maßlosen Reformen, welche dem Judenthume einen ihm fremdartigen Geist emimpfen und andern Bekenntnissen entlehnte Sitten aufzwingen wollen, und die sogenannten Reformgemeinden, welche mit dem Iudenthum nichts als den Namen gemein haben und sich eigentlich nur zu einer Art negativer Religion, oder richtiger zu einem alle Religion negirenden, octroyirten Judenthume bekennen, alle diese haben und hatten ihre GeburtSnnd Wahlstätte in jenen Ländern, wo in gewissen Zeitintervallen immer wieder des Vielen und Breiten darüber debattirt und philosophirt wird, ob denn wirklich der Staat nicht total ruinirt würde, so dem einen und andern an den Einig-Einzigen Glaubenden die Freizügigkeit, der Viehhandel oder das Heirathen ohne naturwidrige Beschränkung gestattet wäre — dort im Vaterlande Leibnitzen's nnd Gnttenberg's, wo man den Unsinn erfunden hat, daß der Israelit wohl zum gesetzgeberischen Amte eines Landesvertreters, nicht aber zum Dienste eines Gemeindeschreibers sich eigne, und wo die Erwählung eines jüdischen Schulzen eine ganze Versammlung hochgeborener auch hochwohlmögeuder Herren in größte Aufregung bringt.*) Ist nun diese unleugbare Thatsache an sich schon geeignet die Orthodoxie über die Folgen der Emanzipation zu beruhigen, so muß selbe vielmehr von dieser immense Vortheile erwarten wenn man auf die Genesis und den ursächlichen innen: Grund jenes sactischen Verhältnisses zwischen der religiösen Richtung und der staatlichen Stellung unserer Glaubensgenossen in den verschiedenen Landern eingehet. Gleich einen: mächtigen Strome, der bei freiem, ungehindertem, natürlichem Abschluß unberechenbaren Nutzen für Land und Bewohner schafft und bringt, so er aber in seinem Lause gehemmt wird aus feinem Bette tritt und die angrenzenden Fluren und Auen überschwemmend verwüstet; eben so muß die jüdische Intelligenz dort, wo ihr alle Pulsadern unterbunden sind, wo sie an jeder Thätigkeit, Verwendung und Geltendmachung ihrer Kraft gehindert und von jeder *) Diese Angaben paffe» weder auf das Vaterland V.'s (Mainz, Gßh. Hessen) noch L'S (Leipzig, Sachsen) sondern nur auf Preuße«, daher auch nicht auf da« grsanunt« Deutschland. Die Redaktion. » eine Extra-Beilage.)

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