Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1861)
- Date
- 1861-06-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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L79 ten mittelalterlichen Fehler verfallen wollen? Nur derjenige achtet die Überzeugung seines Nächsten nicht, der selbst keiner Ueberzeugung fähig ist! Und die ungarische Nation, welche in der Vertheidigung ihrer Ueberzeugung so viel Ausdauer, so viel Energie an den Tag gelegt hat, kann am wenigsten die Anhänglichkeit eines Stammes an die Traditionen feiner Ahnen verdammen! — Wenn von dem Glauben unseres Nächsten die Rede ist, wer anders kann da ein kompetenter Richter sein als das eigene Gewissen des Betreffenden? Und dennoch werden die 350,000 ungarischen Juden von ihren andersgläubigen Brüdern mit den schwersten Strafen belegt, mit der Vorenthaltnng der Menschenrechte! — Welches Recht bat der Staat über den Glauben seiner Glieder? Die Weisen der Menschheit, welche die Principien der Volksrechtc sestsetzten, beanspruchen für jeden Menschen vollkommene Glaubensfreiheit, und schreiben dem Staat nur ein Aussichtsrecht zu, damit der > Glaube keine staat-gefährlichen Grundsätze verbreite! — Im mosaischen Glauben gibt es keine solchen Grundsätze, — der Jude kann und wird ein guter Bürger sein, sei er nur erst Burger! — Es war immer einer der hervorragenden Charakterzüge der ungarischen Nation, daß sie sich vor dem Recht mit Achtung beugte, und hier ist von Recht, von unzweifelhaftem Recht die Rede! Preßburg, 13. Siwan. Der erst unlängst vacant gewordene Rabbinatssitz zu St. Georgen ist bereits wieder besetzt, und zwar hat diese achtbare Gemeinde bei dieser so wichtigen Wahl den Anschauungen, Gesinnungeil und dem Beispiele des vorigen Rabbiners Rechnung getragen. Herr Sneyders aus Amsterdam, der noch vor 2 Jahren ein Mitglied der hiesigen Nabbinaisschule war, gegenwärtig aber in Lresowa, wo er sich verheiralhete, ansässig ist, wurde einstimmig als Rabbiner erwählt. Schon während der Zeit seines hiesigen Studiums ragte derselbe eben so sehr durch sein immenses jüdisches Wissen, als auch durch seine bei einem so jungen Manne fast beispiellose Frömmigkeit hervor. Besonders aber imponirte er durch seine ungetheilte Lust uns Liebe zum Talmud. Sein eiserner und unermüdlicher Fleiß ist hier fast sprichwörtlich geworden. Und obgleich ihn: sehr glänzende Aussichten aus eine sorgenfreie Zukunft in seiner Heimrth eröffnet waren, konnte er sich dennoch nicht dazu entschließen, diese Gegend zu verlassen; und zwar aus dem alleinigen Grunde, weil hier die Thora, mehr Hege und Pflege finde als in seinem Vaterlande. Auch im Gebiete anderer Wissenschaften hat derselbe bedenkende Errungenschaften gemacht, und erfreut ef sich besonders einer sehr einnehmenden, auf Herz und Gemüth wirkenden Vortragsweise. Solche glänzenden Eigenschaften sind Bürge, daß er das Zutrauen, das obige Gemeinde in ihn setzte, auch vollkommen rechtfertigen wird. Möge es ihm gelingen, die reiche Saat jüdischen Denkens und jüdischen Wissens , die sein weitberühmter Vorgänger mit so stannenswürdiger Emsigkeit Ln diese Gemeinde pflanzte, zur herrlichen, fruchtersüllten Reife großznziehen! H. L. PsllLk. Högyeß, im Tolnaer Comitate, 20. Mai. Der hiesige Rabbiner, Herr Elias Goitein, Sohn des ehemaligen Rabbiners von hier und Enkel des berühmten Verfassers des Werkes ^02, zählt erst 23 Jahre; dennoch ist er seiner Stellung vollkommen und in jeder Beziehung gewachsen. Dem jungen Rabbiner, der nunmehr ein Jahr zur Zufriedenheit aller gutdenkenden Gemeindemitglieder sein Amt verwaltet, der sich nur deßhalb entschlossen hatte, das hiesige Nabbinät zu übernehmen, weil'ihm dadurch Gelegenheit geboten wurde, der Gemeinde insofern eine Erleichterung zu verschaffen, daß sie dadurch die Pensionirung seiner Mutter und deren fünf unmündigen Kinder (die Reliclen des vorigen Rabbiners) ersparte, glaubten namentlich zwei Gemeinde- Mitglieder Opposition machen zu dürfen, die sich denn auch in den kleinlichsten Vexationen offenbarte. Doch Heil Denen, die ihr Unrecht erkennen und eS Pl unterlassen sich bemühen; am verflossenen Wocherrsefte kamen die erwähnten zwi Männer zum Herrn Rabbiner, ließen dorthin auch die ganze Gemeinde versammeln und thaten aus freiem, eigenem Antriebe öffentliche Abbitte, versprachen auch, ihre unbegründete Opposition gänzlich auszugeben und den Rabbiner nicht mehr zu quälen. Der eine derselben, welcher als Gemeindevorsteher fungirt, erbot sich zugleich, fein Amt niederzulegen, was natürlich nunmehr nicht angenommen wurde. Jetzt herrscht in der ganzen Gemeinde Liebe und. Eintracht; möge sie Gott uns erhalteil und dem Herrn Rabbiner vergönnen, noch lange, lange recht segensreich zu wirken. §,.L-