Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1861)
- Date
- 1861-06-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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276 preußische Consulat in Aleppo seit 63 Jahren von Mitgliedern der dort ansässigen jüdischen Familie Picciotto verwaltet. Der gegenwärtige dortige preußische Consul steht seit dem Jahre 1833 im Dienst und hat im Jahre 1859 den rothen Adlerorden IV. Klasse erhalten. — Noch immer ist die Frage wegen Zulassung von Katholiken und Juden zu Lehrämtern an unserer Universität nicht entschieden, deren königliches Statut vom 4 Mar 1843 allerdings nur die Anstellung von Lehrern evangelischen Bekenntnisses gestattet. Folgender Fall namentlich macht in dieser Beziehung viel von sich sprechen. Am 30. Oktober 1860 reichte ein sehr befähigter junger jüdischer Arzt aus Glogau, vr. S. Samuel, ein Habilitationsgesuch süt das Fach der allgemeinen.; und experimentellen Pathologie ein. Dasselbe wurde von der medizinischen Fakultät am 11. Dezember 1860 einstimmige befürwortet. Die Habilitation wurde jedoch vom Curator der Universität, dem Oberpräsidenten Eichmann, am 23. Februar 1861 auf Grund der andauernden NechtSbeständigkeit des §. 105 der Universitätsstatuten vom 4. Mai 1843 für unzulässig erklärt. In Folge dessen soll nunmehr der hiesige akademische Senat entschlossen sein, bei Sr. Majestät dem Könige die Aufhebung dieser Beschränkung nachzusuchen. Die endliche Tilgung dieses Nestes mittelalterlicher Gesetzgebung wird um so dringender, als ohne dieselbe außer vr. Samuel viele befähigte Richtevangelische (Katholiken) sich auch sernerweit von der Lehrthätigkeit an der Albertina ausgeschlossen sehen mochten. — DaS preußische Herrenhaus hat, wie von dieser regierungsfeindlichen Corporation zu erwarten war) die vom Abgeordnetenhause befürwortete Eide Sab änddrung der Inden verworfen. -Unangenehm berührt hat dabei die Rede des Königsberger Berichterstatters, Kanzlers vr. v. Zander. Sie lautete: „Es ist bekannt, daß die Juden im gewöhnlichen Leben, beim Handel und Wandel, sich zu den höchsten Eidschwüren bereit erklären und schon wenige Augenblicke danach das Gegentheil von dem Gesagten thun." So spricht der Kanzler des Königreichs Preußen, der zufälligerweise in der durch ihre Toleranz ausgezeichneten Geburtsstadt Immanuel Kant's als Chespräsident des obersten Gerichtshofs mit dem historisch-ehrwürdigen Beinamen eines Kanz-! lers lebt. 2Är haben nur eine Entschuldigung für Hrn. v. Zander, bemerkt die „Magdeb. Ztg.* - EL ist die, daß die vornehme Lust des Herrenhauses ihm seine Unbefangenheit genommen hat; sonst wäre es nicht zu erklären, wie derselbe Mann, der in Königsberg bereits zwei Mal für den gegenwärtigen Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Herrn vr. Simso», den Vorkämpfer für die Vollberechtigung der Jude«, als Wahlmann gestimmt, in Berlin mit den Herren v. Senfft und v. Kleist-Retzow in dasselbe Geschrei gegen die Juden einstimmen kann. „Die Lust macht eigen/ sagt ein altes deutsches Sprichwort. Der „Königsberger Telegraph" setzt noch hinzu: Was in aller Wett gibt Hrn. vr. v. Zander die Berechtigung, den Jude» einen solchen Vorwurf zu machen? Wo hat derselbe diese Erfahrung gemacht? Doch nicht etwa in den jüdischen Familien Königsbergs, in welchen er gastfrei ausgenommen ist? Wenn aber Hr. vr. v. Zander „beim Handel und Wandel" vielleicht veranlaßt wurde, in die niedere Sphäre des Jndenthums herabzusteigen und hier die oben ausgesprochene Entdeckung gemacht haben sollte, so möchten wir ihm doch in Erinnerung bringen, daß auch unter Christen „beim Handel und Wandel" nicht selten gewohnheitsmäßig Betheuernngssormeln gebraucht werden, die mit den nachfolgenden Handlungen im Widerspruch stehen. Denn ob der Jude „bei seinem Glück" sich verpflichtet oder der Christ „bei seiner Ehre," dünkt uns gleichgiltig; kommen sie ihren Verpflichtungen nicht nach, so ist der Christ gerade ebenso verächtlich als der Jude. — Von der falschen Anklage des Blutgebrauchs zum Passahseste in Scham Len bei Kowno in Rußlands sowie von dem guten Ausgange, den die Sache für die Betheiligten durch die Vermittelung deS menschenfreundlichen Generakgouvernenrs v. Nasimon» aus Wilna genommen, habe» Sie wohl schon durch den „Hamaggid" erfahren. Wann werden doch solche unnatürliche Ankchukdigungen in unseren aufgeklärten Zeitm unmöglich feint Die Stadt Tilsit besitzt endlich in der Person des vr. Friedeberg aus Schlesien einen würdigen Geistlichen. Hier in Königsberg wird die Gründung eines jüdischen Waisenhauses beabsichtigt. Nächstens mehr, darüber. Atmom. Bromörrg, 17. Mai. Dem „Bromberger Wochenblatt" schreibt man: „Die aristokratischklerikale Partei in der Provinz Posen, die