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Der Israelit · 1861-05-29 · Heft 22 (29.5.1861) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 22 (29.5.1861)
Date
1861-05-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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264 selben vom gesetzestreuen Israeliten genannt werden; kasuistische Bedeutsamkeit wird ihr in der Regel nicht eingeräumt. Wenn dessen ungeachtet der Ursprung mancher frommer Bräuche und feststehender Institutionen nur in kabbalistischen Elementen aufzufuchen und zu finden ist, so ist dies in Anbetracht des Großen und Ganzen nur als Ausnahmsfall zu betrachten. Ueberhaupt steht der Grundsatz unwandelbar fest: wo die Satzungen der Halacha von denen der Kabbala divergiren, hat die Praxis den ersteren Folge zu leisten. Ueber die näheren Specialitaten vergl. Magen Abraham 25. 20. Dieses Thema ist wohl ein breit getretenes und vielfach besprochenes; doch dürften die einschlägigen charakteristischen Aeußerungen einer der ausgezeichnetsten Capazitäten des sechszehnten Jahrhunderts, N. Salome Limas nämlich, die besondere Aufmerksamkeit beanspruchen. Die Ansicht des Sohar, wonach die Anlegung der im Gegensätze zu der der i'v'-n sitzend zu geschehen habe, wird als einem von jeher bestandenen Usus, der nach einigen Casuisten von talmudischen Combinationen herzuleiten ist, zuwiderlautend betrachtet. Bei Gelegenheit einer Anfrage, ob und in wie fern dieser soharischen Anschauung thatsüchlich Rechnung getragen werden müsse, äußert sich der gefeierte Luria unter Anderm dem Inhalte nach ungefähr folgendermaßen: „Bor Allem muß ich deine Aufmerksamkeit darauf lenken, daß sich in unfern Tagen gewisse Neuerer in den Vordergrund drängen, die ihre blinde unbedingte Anhänglichkeit für das Schriftthnm der Kabbala und O'vyxn mit selbstgefälliger Behaglichkeit zur Schau tragen. Obgleich zu blödsichtig, um den mächtigen Strahlenglauz des Sohar ertragen zu können, zu unwissend, um iu die innersten Räume seiner erhabenen Ideenkreise einzndringcu, zu wenig unterrichtet und eingemeihet, um Kern und Inhalt seiner Aussprüche richtig zu fassen, schwärmen ste in unbegrenzter Phantastik für Alles, was irgend in den Werken des großen Meisters vorgesundcn wird, wähnend, daß in ihnen der Born sprudelt, der das Gebiet der Casuistik nmipült." „Dem gegenüber muß ich zunächst betreffend den vorliegenden Fragepunkt die nachdrückliche und feierliche Erklärung abgebcn, daß mir Gelegenheit geboten wurde die religiös ceremonielle Handlungsweise meiner Vorfahren und Lehrer, die von weltberühmten Meistern ihre Unterweisung empfingen, genauer zu beobachten, wobei ich in Erfahrung brachte, daß nur Talmud und Poßkim ihnen zur NichtschnurihreS Verhaltens dienten, ohne daß sie sichvon andern Elementen und wären sie noch so achtungsgebietend und beheczigungswerth, beeinflussen ließen. Ja noch mehr, ich füge kühn hinzu, würde selbst der Gottesmann aus seinem Grabe erstehen und mit dem Vorhaben anftreten, irgend einen Minhag, den unsere Altvordern eingesührt haben, auszuheben oder abzuändern, wie klangvoll auch der Name dieses Mannes ist und welch strahlender Nimbus ferne Thaten und Worte umgib^ wir wären keineswegs gehalten, ihm zn willfahren und beträfe es auch ::ur das geringfügigste Minimum. Das Thun und Lassen unseres religiösen Lebens muß sich aus den Ausgangspunkten heraus, nämlich aus Talmud und Poßkim entwickeln und keinem wie immer beschaffenen Einflüsse stehet das Recht zn, diesem Entwicklungsprozesse hemmend entgegen zu treten." „Jndeß soll hiermit nicht gesagt sein, daß das Befassen mit dem Studium der Geheimlehre und das Versenken in die Elemente derselbe» unstatthaft nnd vcrdammcnswerth sei, vielmehr ist selbstverständlich jeder denkende Mensch vermöge seiner, geistigen Freiheit im Besitze des Diploms, seine Intelligenz in denjenigen Erkenntnißsphären zn entfalten und zu üben, wozu er am meisten Neigung, Befähigung und Beruf fühlt, wenn nur seine Moral und Gesetzestreue nicht darunter leiden. Nur dürfen die Gebiete nicht verwechselt und namentlich die Marksteine zwischen den Himmelauswärts ziehenden kabbalistischen Anschauungen und den praktischen halachischen 'Normen nicht willkürlich verrückt werden. Für den Unberufenen kann die Beschäftigung mit der Geheimlehre allerdings leicht zur gefährlichen Waffe anSarlen, die den herrlichsten Pflanzen im Edengarten des Glaubens Verwüstung drohet.* Darum mein geliebter Freund, empfehle ich dir schließlich, dich von aller Mystik so fern als möglich zn halten; lasse dich von der Hoffart derjenigen nicht verhören, die da oorgeben die geheimsten Winkel der Thora erspähet nnd erforscht zn haben. O,

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