Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1861)
- Date
- 1861-05-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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254 und Morgens das s. g. Schma zu lesen, hat den Zweck, uns stets an die Einheit Gottes zu erinnern, ihn aus allen Leibes- und Seelenkrästen zu lieben, und seinen Geboten stets nachzulcben, indem auch hierin die Belohnung sür das Gute und die Bestrafung sür das Böse angegeben ist. (5>. Mos. 4. und 9, 14.) Verachoth Vor und nach jedem Genüsse der Speisen oder Getränke Gott zu loben und zu danken, geschieht darum, damit wir immer uns erinnern mögen, das; Gott der Herr allein der Geber aller Gaben, und der Spender alles Guten ist, daß wir gänzlich von ihm abhäugen, und mit dem Gefühle der kindlichen Liebe und Dankbarkeit alle die uns obliegenden Pflichten gegen ihn erfüllen müssen. (5. Mos. 8, 10.) Dergleichen fromme Belehrungen, werden aus das junge Herz besonders ihren Einfluß üben. Sollte jedoch von Seiten der Kinder über die oft inr Hause zu begehenden Eeremonien, deren Zweck ' uns selbst fremd ist, Ausschluß verlangt werden, so werden gewiß kluge Eltern dem Kinde auch die nothwendige Ausübung derselben leicht au's Herz! legen können, zumal so sie ihm bedeuten: Daß alle religiösen Gebrauche und Gesetze uns ' nur zu unserem eigenen Heile und Frommen von : Gott, der unser liebreicher, höchstgütiger Vater ist, befohlen morden sind; wir müssen daher alle befolgen, wenn wir gleich nicht ihren Zweck und seine Absicht mit denselben, einsehen. — Immerhin sind die häuslich religiösen Gebräuche, welche das Kind von den Eltern begehen sieht, und mit Anlheil nehmen muß, die besten Wirkungen sür die fromme Bildung des GcmnthcS und Herzens, und man kann mit Recht leider nur bedauern, daß viele ehrwürdige Gebräuche der früheren Zeit, jetzt mit den Ausflüchten als wären sie dem Zeitgciste nicht mehr angemessen ans Hans und Hof verabschiedet worden sind. Wie lieblich und erhebend war cs doch, da z. B. ehedem die Kinder, bei jedem Eingänge eines Fest- oder Feiertages sich ans wahrer kindlicher Ehrfurcht und Liebe ihren Eltern näherten, um von ihnen sich den Segen zu erbitten, und da das fromme Elternpaar dann seine Hand auf die Häuptern seiner Lieblinge legte, ihnen den Segen mit den Worten brr-nN» -p, 'Li erthcilte, ja oft kamen die Kinder noch inr Bunde ihrer eigenen Kinder und bezeugten hiemit, wie thencr und werth ihnen der Segen ihrer Eltern ist. — Auch war cs früher allenthalben Gebrauch und Sitte, daß Eltern mit ihren Kleinen die herrlichen Sabbat- und Festlieder sangen und beteten; welches wir aber jetzt leider in den meisten isr. Häusern vermissen. Eltern dürfen am wenigsten derartige Gebrauche, welche die besten Eindrücke ans das sittliche und fromme Gefühl ihrer Kinder machen, vernachlässigen. Es soll vielmehr ihre Aufgabe sein, Alles anznwenden nur stets den religiösen Sinn in ihren Kleinen zu erwecken und zu beleben. Gottes Segen wird ihnen gewiß dann zu Theil; denn so sie auch in einem sehr eingeschränkten Kreise leben, und daher weniger Gelegenheit haben, Gutes zu stiften, könnten sie durch eine weise gehörige Sorgfalt für das geistige Wobl ihrer Kinder, durch ihre fromme Beispiele, durch die sie dieselben zur Tugend und Rechtschaffenheit führen und leiten, sich ein großes Verdienst erwerben. Die wahre Seelenruhe und Selbstzufriedenheit werden ihr Autheil sein; sie werden noch am Abende ihres Lebens, Trost, Kraft und Stütze finden, und endlich ohne Bangigkeit ans diesen! Pilgerleben scheiden, da sie das herrlichste Bewußtsein in sich tragen, ihren größten Pflichten nachgekommen zn sein, und daß sie nun der allgerechte, liebreiche Vater im Himmel gewiß hiefür belohnen wird. Auch können sie sich der süßen Hoffnung gänzlich hingeben, daß ihnen der Herr ihre znrückgelassenen Kinder, welche sie sür alles Gute und Gottgefällige heranbildeten einst inr Kreise der Seligen wieder finden lasten wird, wie es heißt (Maleachi 3, 24.) Und zuwenden wird er das Herz der Eltern!zn den Kindern und das Herz der Kinder zn ihren Eltern in Ewigkeit. — (Fortsetzung folgt.) OrLkoäor-in. MdelsnMt. Spenden zur Herstellung und Verbreitung wohlfeiler hebräischer und hebräisch-deutscher Bibeln: Durch M. Tauber in Batorksß: von ihm