Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1861)
- Date
- 1861-05-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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252 würde, da eine Stunde allein in der Woche zu wenig ist. Diese eine noch hinzuzunehmende Stunde könnte man aber sehr leicht gewinnen, wenn man die für Pentateuch mit Naschi bestimmte Stunde dafür verwenden würde, denn dem Plane nach soll ja Pentateuch mit Raschi schon in der zweiten Classe absolvirt sein. Wenn wir nun auch die vorliegende Arbeit mancher Rüge unterworfen, so möge Niemand glauben, daß wir den Herrn Vers, iund die seiner Leitung anvertraute Anstalt nicht zu würdigen wüßten. Wir kennen die hohe und heilige Bedeutung der Talmudschule, wir kennen auch den uneigennützigen, rastlosen Eifer und die fromme Hingebung des Hrn. Or. Frkedländer für dieselbe. Aber deßwegen gerade durften wir nicht Fehler bemänteln, damit man uns nicht eines Parteistnns anklage, der nur die Vorzüge und nicht d(e Mängel des zu seiner Partei Gehörenden kennt. Wo es die Förderung der Wahrheit betrifft, da gelten keine Rücksichten, da gilt keine Partei. Wir können aber nicht scheiden ohne unsere herzlichste Freude über das Bestehen und Blühen der Talmudschule in Berlin auszudrücken, wie auch das wärmste Lob und die besten Glückwünsche ihrem treuen und frommen Dirigenten, dem Herrn Or. Fried länger, zu zollen. Was guter Wille, gepaart mit, frommem Gottvertrauen, vermag, '.beweist die Talmud-Schule in Berlin; spärlich angefangen, zählt sie jetzt 98 Schüler, die in der Lehre Gottes unterrichtet werden. Ihre Erstlingsfrüchte hat sie kürzlich auf den Altar der Oeffentlichkeit niedergelegt, es waren edle, reife. Dank ihrem treuen Leiter, wie auch Allen, die dieses gottgefällige Unternehmen stützen und fördern. Möge die Leitung der Schule noch lange in den Händen ihres! jetzigen Dirigenten verbleiben, möge das junge Jujjitut immer Mehr wachsen und gedeihen zur Freude Gottes und zum Wohle der Heranwachsenden Jugend Berlins. j i S- Hin ernstes Mort über die sittliche und religiöse Erziehung der Jugend im Elternhause, von Salomo« Kahn, ' autorisirtem Rabbiner, RekizionAekrer an der k. k. israelitischen Muster-Hauptschule zu Pesth. (Fortsetzung von No. 19 und 20 des 1. Jahrgangs.) (Äbvth). Eltern sollen aber ihren Kindern nicht bloS weise Lehren ertheilen, sondern sie sollen ihnen selbst mit Muster und Beispiel vorleuchten; denn die wahre Krone der Erziehung ist und bleibt immerhin nur das tugendhafte Beispiel der Eltern selbst*). Der mündliche Unterricht wirkt ans den Verstand des Kindes; aber das Beispiel wird auf seinen Willen wirken. Auch sind Kinder weit mehr j geneigt^ den Werken als den Worten zu glauben;! sie wissen es recht wohl, daß es leichter ist einem zu! sagen: dieses oder jenes thun, als es selbst zu thnn; > gute Werke empfehlen kann man bald; sie jedoch selbst zu üben ist schon schwerer. Die Kinder aber - finden eine eigene Freude daran, alles nachzuchmen,! ohne auch den Nutzen oder Schaden, der daraus entstehen könnte, genau zu erwägen, und alle meine geehrten Leser und Leserinnen werden bei einer kkei- . neu Zurückerinnerung aus ihrer Kinderwelt das zn- : gestehen. Es ist sonach unbestritten wahr, so Kinder z im Hause ihrer Eltern Gutes üben sehen, daß sie > auch Lust und Sinn für das Gute bekommen werden; so wie sie hingegen als stete Augenzeugen des; Lasters auch bald des Hanges zum Laster sich schlecht l terdings nicht erwehren werden können. Eltern, die - ihr also gut erzogene und religiöse Kinder haben , wollet, stehet nie an, ihnen nicht nur mit Worten, I sondern auch mit Thaten den rechten Weg anzubahi nen, auf daß eure Häuser die Tempel der Erbauj u»g und Erweckung frommer und gottgefälliger Ge-! fühle für die zarte Brust eurer Kinder fein mögen. Entfernt sorgfältig aus eurem häuslichen Kreise alles Anstößige, jede zweideutige Gesellschaft, jeden *) Plato lehrte: die gute Erziehung besteht nickt darin, daß man Verweise gibt, sondern, daß man selbst thue, was man von Andern in einem tadelnden Tone verlangen würde.*