Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1861)
- Date
- 1861-05-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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234 D'rum sind wir auch zerspalten und zerrissen. In tausend Stücken liegt des Glaubens Band, Und Kamps und Fehde herrschet ohn' Gewissen, Mo sonst nur Friede seine Stätte fand! Wie lange noch sell dieser Kampf denn dauern, Des Wortes Schwert durchbohren unser Herz? Hat Israel noch nicht genug zu trauern, Hat es empfunden noch zu wenig Schmerz? Wohl haben die Propheten es verkündet Daß nicht im wilden Sturm die Gottheit thront, Daß der, der liebend alle Welt verbindet, Zn Eintracht nur und in Verbrüd'rung wohnt. D'rnm laß uns wehen doch des Friedens Fahne, O, glanzersülltes Offenbarungsfest, Entreiße uns der Fehde gift'gem Zahne, Die uns zurück nur Schmach und Kummer läßt! Ja send' uns einen neuen Geist hernieder Und heb' von Neuem unsrer Seele Schwung Und gib' uns, ach, den alten Glauben wieder, Der unsren: Herzen gab Beseligung! l Auf daß der Glaube seine Stätte finde Im Herzen Jsra'ls wie in früh'ster Zeit, Verschwunden sei aus unsrem Volk die Sünde, Des Lasters fessellose Lüsternheit! Dann werden wir von Neuem dich bekränzen Mit unsres Glaubens dust'gem Blumenstrauß, Und nach des Erdenrundes fernsten Grenzen Wird geh'n von Zion deine Lehre aus! vr. Aron Hirfchfttd. (Her^ vr. Hirschseld, Schwiegersohn Plcßner' s, hat seine bisherige Stellung in Polen der dort ausgebrochenen Unruhen halber aufgegeben und ist nach Posen übergepedelt, woselbst er eine Pensionsanftalt zu gründen im Begriffe steht. Wir erlauben uns, ihn zu diesem Zwecke auf's Angelegentlichste zu empfehlen. Die Nedaction.) GeMcktz mul Mg? cker ^Frankfurter Jucken im Mltekrttterl. Don G. L. Kriegt. (Fortsetzung von Nro. 17.) Von dem früheren weit humaneren Benehmen gegen die Inden bietet uns auch der erste geistliche und weltliche Fürst des Reiches ein Beispiel dar. Der Erzbischof von Mainz bediente sich nämlich den Inden gegenüber eben derselben Formen, welche gegen Christen gebräuchlich waren, indem er in einem von Böhmer mitgetheilten Schreiben an die Frankfurter Judengcmcinde vom Jahre 1303 diese ebenso anredet, wie man damals Christen brieflich anznreden pflegte: „Gerhard von Gottes Gnaden Erzbischof des heiligen Stuhles von Mainz, Erzkknzler des heiligen Reiches in Germanien, der ihm geliebten Iudengemeinde in Frankfurt Gruß und alles Gute." Und doch enthält sein Brief nicht etwa das in irgend einer Verlegenheit gemachte Ersuchen um eine Gefälligkeit, sondern einen Beseht, zu welchen: der Erzbischof vollkommen berechtigt war. Ein mehrere Jahre später erlassenes Schreiben desselben Erzbischofs ist dagegen in der gewöhnlichen Form abgesaßt. in welcher man den Juden wie anderen Untergebenen in der Regel schrieb; in ihm fehlt nämlich beim Eingänge der angegebene Wunsch und das Wort geliebt. Ein anderer Charakter-Zug der älteren Zeit deS Frankfurter JudenthumS ist die Stellung der Stadt- Behörde als solcher zu der Inden-Gemeinde. Statt des antokratischen Befehlens einerseits und des willenlosen GehorchenS andererseits, welche später das Verhkltniß Beider zu einander bezeichnten, herrschte in jenen früheren Zeiten der Gebrauch, daß der Rath mit der Judenschaft Unterhandlungen pflog, mit ihr Verträge abschloß und ihr über das Ausbedungene Vertragsurkunden oder, wie man zu sage» pflegte, Briefe ausstellte. Dies war eine Folge der im Mittelalter waltenden Vorstellung, daß jedem Verhältnisse ein Recht inne wohne, welches nur mit Zustimmung der betreffenden Parteien umgeändert werden könne. Diese Vorstellung, nach welcher unter Anden: auch Kaiser Ludwig der Baier, wie wir gesehen haben, 1331 mit den Frankfurter Jude»