Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1861)
- Date
- 1861-05-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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228 in den Tempel seines Götzen, flehte inbrünstig, suchte Alles zu erfüllen, was seine Priester ihn lehrten — und im nächtlichen Traume erschien ihm wieder der Engel mit den mahnenden Worten 'n-ri LU'X d2Sk- DaS Volk der Chazaren war ein großes, mächtiges, handeltreibendes Volk, und in seiner Hauptstadt lebten Männer aus allen Nationen; und der König ließ an seinen Hof kommen einen griechischen Philosophen, bemühte sich, nach dessen Vorschriften zu handeln, aber immer noch wollte die ersehnte Gemüthsruhe ihm nicht werden, und allemal erschien ihm der Engel im nächtlichen Schlummer und sprach: '.21 und das mahnende Wort verstummte auch nicht, als er Edom und Jsmael zu seinen Rathgebern erkor. Da beschloß er endlich das in der Verbannung lebende, verachtete Juda zu befragen. Ein weiser Wann unseres Volkes machte ihn bekannt mit der göttlichen Thora, und alsbald suhlte sich beruhigt sein sehnend Gemüth; und als er im jüdischen Gesitze forschte, eintrat in die Gemeinschaft Israels, auf sich nahm die Erfüllung jüdischer Pflichten, da erschien ihm wieder der Engel, pries ihn glücklich für alle Zeiten und rief ihn zu 2'm-> -j'L'pvi ''Ml icn2.llpi nunmehr sikrd wohlgefällig vor Gott deine Gedanken und wohlgefällig ist dein Thun. Ein gerader, wohlgecbnetcr, wohlerhelleter Pfad, auf dem wir wäudeln ohne zu straucheln und ohne zu irren ist unsere heilige Thora. Uns beglücket nach der Erfüllung einer jeden vorgeschriebenen Pflicht, das Bewußtsein, erfüllt zu haben den Willen des Allgütigen, gethan zu haben unserer hohen Bestimmung gemäß. Diejenigen aber, die verlassen haben den geebneten Pfad der heiligen Gotteslehre, um an deren Stelle zu setzen ein Lnftgebäude haltloser Theorien, sie irren im Finstern; sie straucheln an jedem Steine des Hindernisses, stürzen in jede Gruft des Verderbens; denn als schützender Engel steht ihnen nicht die Gotteslehre zur Seite. Die Thoren, die da mit Verstandesgründen uns entbinden wollen von der Sabbathssier, erlauben wollen den Genuß verbotener Speisen! Wie wenn die Gotteslehre nicht voransgewußt hätte ihre thörichten Einwände, wie wenn sie deshalb nicht genannt hätte einen Theil ihrer Gesetze wpm, d. i. rupipn, fest eingegrabene Gesetze, weil der Menschenverstand und die Nationen der Welt sie mit Einwendungen überschütten. Sie! aber gerade bilden die Grundlage des Judenthums, sie beweisen unsere unendliche Liebe zu unserem allgütigen Vater im Himmel, weil zur Erfüllung derselben uns Nichts veranlaßt, denn die Liebe zu ihm; diejenigen aber, die da verlassen haben das göttliche Gesetz, selbst die, deren Absicht lauter ist, irren sie doch im Finstern umher, wissen sie doch nicht, ob ihr Thun wohlgefällig ist vor Gott, .122 ix-v vielleicht ist das das Verwerflichste, was ihnen das Beste dünkt, sie schauen den Abgrund nicht, in den sie stürzen, sie sehen den Stein nicht, über den sie fallen. Ein Solcher gleicht dem einsamen Wanderer in furchtbarer Wüste; der Pfad ist verweht und ob der Nacht, die ihn umgibt, vermag er ihn nicht zu erforschen. — Jetzt kommen über ihn die Stürme des Lebens, der Gefahren unendliche Menge überfällt gleich einem Unwetter ihn — nirgends . Hilfe, nirgends Stütze. Immer düsterer und gefahrvoller wird der Weg, GotteS rächender Engel verfolgt ihn, was kann da ihn retten? Siehe, nun ' unterliegt der Unglückliche, er sinkt dahin aufs Krankenlager, und ihn erfassen die Schauer de- Todes. Er schaut zurück auf den znrückgelegten Lebenspfad, all die Genüsse, all die vorübergehenden Freuden, um derentwillen er seiner Seele Seligkeit geopfert, sind dahin, sind unwiederbringlich dahin — es wirst ihn danieder das schreckliche Bewußtsein vergebens gelebt und des Guten gar wenig vollbracht ' zu haben; vor seinem geistigen Auge thnt sich auf eine öde, leere Wüste und Vernichtung ist das ' Beste, was er zu hoffen wagt. Wenn aber nicht - sich erfüllt die trostlose Hoffnung, wenn das Grab ' ihm keine Zufluchtsstätte beut, wenn er erscheinen muß vor den: allgerechten Richter, um zu beantwor- ' ten die Frage, wie hast du meinen Willen erfüllt, meiner nim gelebt? Wenn ihn der zürnende Wink des Mhern fortweist von feinem Throne, hin zur Stätte der Ruchlosen, wo unbegreifliche, unnennbare Strafen seiner harren-weh ihm, weh ihm — uns aber lasset danken dem Allgütigen, daß er uns sein Licht verliehen. daß er uns in seiner heiligen Thora gegeben eine nimmer wankende Stütze in allen Gefahren des Lebens, bei allen Versuchungen! der Zeit!