Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1861)
- Date
- 1861-05-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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221 vr. Kosch, Präses der Reprasentanten-Versammlung «ach wie vor bleiben wird. Elfterer ist jedemalls an unserem Orte die geeignetste Persönlichkeit und K. weiß auch den Frommen bei jeder Gelegenheit Rechnung zu tragen. — In voriger Woche leisteten 18 Wehr Männer jüdischer Confession in der hiesigen . Synagoge dem König Wilhelm den Eid der Treue, i nachdem der betreffende Cultusbcamte einekurzeAnsprache an dieselben gehalten hatte. Er hob-darin die wohlthätige (?) Anordnung der allgemeinen Militärpflicht hervor und verglich damit die ehe- - malige Einrichtung in Palästina, wonach jeder Js- . raclit vom 20. Jahre an Soldat werden mußte. / Die bei dem Akte angewandte absonderliche Schwur- , forme!, welche 'von dem Fahneneide bedeüieyd adweicht, konnte nicht verfehlen, die vereidigten Mehr-; Männer, wie dies auch an andern Orten Preußens l geschehen, in ihrem Gewissen und in ihrer Ebre! auf's Tiefste zu kränken und zu verletzen. Hoffentlich! wich in Folge des neuen Gesetzentwurfs über Ab-! Änderung des bisherigen Judeneides auch der jüdische > MMärcid eins Aendenmg erleiden. —^ >,! zk önigoberg, 20. April. Ter «HonigShecher Telegraph* schreibt: Der jetzt bei den polnischen! Gmgniffen ost^ genannt^ Oberrabbiner MeiseP r^n Warschau! ist leben so reich alZ gelehxt!unb'. gehört zu den erster Nptabilitaten dieser ^!'Dcht.,1 Hechte'!;! war^' früher > Oberrabbmer jtn vonwoer' nach Warschau übersiedelte.' NuÄ.'dem K»hre> 1848 circulirt von ihm eine Anekdote^! die chanchem Leser noch unbekannt sein dürfte Md wohl wiedererzählt zu-werden verdicntt Hr. Meisel war! dqmalS Mitglied der österreichischen Natiynal- Versammlung rurd nahm mit mehreren seiner Glanbensgenossen auf der linken Seite des Hauses Platzt Ms ihn einst der kaiserliche Staatsmimster darüber, zur Rede stellte und ihn fragte: Me kommt eS/ «tzin Herr, daß; gerade Cie und Ihre Leute auf der Linke» sitzen? antwortete der witzige Rabbi: „Das ist ganz natürlich, Hxccllenz, weil wir Juden — keine Rechte haben? — Wir erhalten von Warschau ein Circularschreiben der dortigen jüdischen Geistlichkeit, dessen allgemein interessanten Eingang wir nachstehend mittheilen: „Im Namen des ewigen Gottes Israels und (Beilage zu Nro. unter Zustimmung der hervorragendsten Mitglieder unserer Gemeinde! An unsere israelitischen Brüder, die Söbne Polens. Die Nachricht über die hiesigen Vorgänge in voriger Woche ist wohl auch zu Euch, sei es durch Zeitungsnachrichten, sei es durch mündliche Erzählung, gedrungen und gewiß werdet auch Ihr in der Ferne, wie wir als Augenzeugen, darin das Walten der göttlichen Vorsehung erblickt haben. Der Herr sprach — und es geschah! Lobpreisen wir daher den allmächtigen Gott, der uns jetzt mit Zuversicht und Hoffnung beseelt hat, daß. die Stunde der Freiheit schlagen wird und der Erlösung vom drückendsten Joche. Seit dem Jahre? 1831 sind dreißig Jahre verflossen, innerhalb welcher über hundert amtliche Erlaffe, die Verhältnisse der Juden betreffend, veröffentlicht worden sind, aber keiner derselben hat Erleichterung gebracht, im Gegcntheil erstrebte jeder eine noch größere Bedrückung. . Unter allen unfern Glaubensgenossen in ganz Europa' seufzen'wir allein unter dem Joche mittelalterlicher Barbarei, untevi einem Heere jüdischer Abgaben und der stets wachsenden Unmöglichkeit, seinen UnterhaH zu erwerben. - - j Hs ist Euch ja doch wohlbekannt;? daß uns un-. ter des! Negierung! Alexanders des Ersten Gleichberechtigung mit den andern Landeskiirdern zngesichert ward^-falls wir uns in das Heer wollten einreihen lassen; Idaß dann, alle jene Abgaben aushören sollten, die wir ausschließlich tragen müssen, wie z' B. die Abgabe „Lauscher" genannt und besonders daS schmähliche Tqgzettelgcld, ebenso wie jede Beschrgnfullg der Niederlassung und des Gewerbes fallen sollten. Und Mas ist geschehen? Seit dem Jahre 1843 sind zwar Tausende unserer Kinder in den Reihen des Heeres elendiglich! nmgckommen, — aber die uns verheißenen!Freiheiten/wo sind sie geblieben? Die Negierungsknechte gehen mit uns wie mit Sklaven um, und zertreten uns wie Würmer. Als vor 15 Jahren der Befehl erging, die Juden mögen ihre Kleidung andern, welcher Mittel haben sie sich da bedient, um diesen Befehl auSznführen? Wie Hunde haben sie unsere Greise in den Straßen umherge-- schleppt und die entmenschte Polizei kannte in ihrer Raserei keine Grenzen. 18 des Israelit.)