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Der Israelit · 1861-04-24 · Heft 17 (24.4.1861) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 17 (24.4.1861)
Date
1861-04-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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210 zuerst ein großer Unterschied zwischen dieser und der späteren Zeit darin, daß die Juden während des Mittelalters nicht gezwungen waren, in einer besonderen Gasse zn wohnen, wie dies von? 1462 an bis zu j unserem Jahrhundert der Fall war. Daß sie damals dessenungeachtet fast insgesammt in einem bestimmten Stadttheile beisammeü wohnten, war lediglich das Ergebniß ihres freien Willens, und hatte denselben Grund, aus welchem auch jetzt noch die meisten Juden Frankfurts in einem und demselben Stadttheile wohnen. Die Gemeinschaftlichkeit der Religion und der Sitten nämlich, die aus Beidem beruhenden eigcnthümlichen Bedürfnisse, die Verwandtschaft unter einander und die Gleichartigkeit der Beschäftigung, dies Alles mußte bewirken, daß die Juden bcr einander zu wählten siebten. Hieraus, nicht aber in Folge eines Zwanges entstand in Frankfurt schien früh ein Judenquartier, das sich bekanntlich hon der Brücke an bis zur Mehlwage, zum Dom und' zum Schlachthause erstreckte. In diesem Quartier hieß eure Straße schon früh/ die Jndengaffe (viorm 3uäaovrum oder Mrrrta lnäneornm), offenbar weil die Mehrzahl der Juden in derselben wohnte. Allein weder diese Gasse, noch das Judenquartier überhaupt war blos von' Juden bewohnt, sondern es gab auch christliche Häuser irr Beiden, wie wir nachher aus urkundlichen Angaben ersehen werden. Daß dagegen auch Juden außerhalb des Judenquartiers wohnten, mag ans folgenden Mittheilungeu erkannt werden. Im Jahre 1382 bezog! der Rath Micthe aus einer Wohnung, welche, wie dabei bemerkt wird, früher dem Juden Maak (wahrscheinlich dem früher erwähnten, zur Zeit des Zünste-Aufstandes entflohenen und wieder gefangenen Maak) gehört hatte, und die in dem Löher-Hose lag, einem zwar am Judenquartier gelegenen, aber von einer blos aus Christen bestehenden Zunft iune gehabten Hefe. Ferner kauften, wie' wir früher gesehen haben, gegen das Jahr 1312 einige Juden von Christen Häuser, von denen sie nachher die darauf /nchcnden Crbzinsen an den Stadtpfarrer zu zahlen sich weigerten. Endlich hat sogar noch im Jahr 1404, als bereits die Ansicht von den Juden und die Stellung gegen sie sich geändert hatten, ein Papst den Christen in Frankfurt förmlich die Erlanbuiß erlheilt, ihre Han'er an Juden zu vermiethen. Wie sehr sticht dies Alles gegen den Zwang späterer Zeilen ab! Hat doch sogar schon 90 Jahre nach jener päpstlichen Erlaubniß der Rath einem christlichen Bürger, trotz der Fürsprache der Kaiserin, verboten, sein Haus an einen Juden zu verkaufen! Dafür, daß nicht blos im Judenquartier überhaupt, sondern auch in der Jndengaffe christliche Bürger wohnten, lassen sich viele Beweise Vorbringen. Der älteste Münzhof der Stadt, welcher zuerst 1290 erwähnt wird, lag im Judenquartier. Im Jahre 1358 wohnte der Christ Heiutze Hentzschuher in einer an derÄrücke gelegenen sogenannten Jnden- Hofstätte, welche vorher ebenfalls von einem Christen Namens Heyle Flezser bewohnt war. In demselben Jahre hatte nicht nur Johann Gärtner ein früher dem Juden Süßkind gehöriges Haus inne, sondern auch Conrad zu Lewenstein, welcher zwei Jahre vorher Bürgermeister gewesen war, besaß damals ein Haus im Jndcnquarticr oder, wie der urkundliche Ausdruck ist, ein Gesetze unter den Juden. Im Jahr!36! kaufte der christliche Bürger Wernher Vechir ein hinter seinem Hanse gelegenes Stück von einem Inden-Flecken. In demselben Jahre hatte Johann von Holzhausen ein Haus im Judenquartiere inne, für welches er damals bereits 15 Jahre lang der Stadt Zins zahlte; und in diesem Hanse wohnte er noch 15 Jahre später. Das Erstere ist, gleich den anderen Angaben, aus den Stadt-Nechnungsbüchern entnommen; das . Letztere aber geht aus einer Urkunde des Leonhards-Stiftes von 1376 hervor, welche zugleich zeigt, daß Johann von Hokzhausen das Haus nicht etwa zu irgend einem anderen Zwecke gebrauchte,! sondern vielmehr selbst bewohnte, sowie daß diese seine Wohnung sogar in der Jndengaffe selbst lag. Die Worte jener Urkunde kanten nämlich übersetzt! so: „Die Wohnung (brrbitat!«») des Herrn Johann von Hultzhusin, Schöffen von Frankfurt, in der Jndengaffe (in vitro 3uckoormn) gegenüber dem Kirch* : Hof der St. Bartholomäus-Kirche, da, wo man zur? Frankfurter Brücke geht." Es wohnten also damals ein Holzbansen, ein Lowenstein, ein Gärtner, d. h- Leute aus den angesehensten Familien der Stadt, mitten unter den Juden. Auch in anderen deutschen! Städten war dies damals der Fall; wenigstens ver-! sichert Jäger in seiner Geschichte von Ulm, daß die angesehensten Geschlechter dieser Stadt ihre

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