Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1861)
- Date
- 1861-04-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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204 denschasten, die alle Wahrheitsliebe ersticken; wie wäre da noch ein offenherziges, wahrheitsgetreues Zugeständnis zu erwarten? Wohin aber werden und sollen denn die gegenwärtigen religiösen Wirren führen? Etwa zu einer völligen religiösen Trennung der Parteien? Nein! Dazu sind Viele zu besonnen, Andere zu indifferent, wieder Andere zu sparsam, und Alle werden von dem richtigen Takte geleitet, diesem mehrfach großen Uebel, so lange auch nur die leiseste Hoffnung vorhanden ist, es verhüten zu können, mit allen zu Gebote stehenden rechtlichen Mitteln abzuwehren. Wir theilen zwar die Befürchtung nicht, daß durch die Trennung „ein großer Theil des künftigen Geschlechtes dem Glquben könnte entfremdet werden." U'pHr« 'iv. Das, was die Zukunft in ihrem Schoße birgt, haben wir, wenn Dieses mit der Gegenwart collidirt, nicht zu beachten. Wir legen diese Zukunft vielmehr mit ruhigem Bewußtsein in die Hand dessen, der durch den Mund seines Propheten gesprochen: „mein Geist, der auf Dir ruhet, und, meine Worte, die ich Dir in den Mund gelegt, sie'werden nicht weichen aus Deinem Munde und aus dem Munde Deiner Kinder und Kindeskinder von nun an bis in Ewigkeit (Fesch. 59, 21.). - Wir besorgen auch nicht, die materiellen Mittel könnten zur Ausführung der religiösen Trennung in vielen Gemeinden nicht «^reichen. Das ist Sache eines jeden einzelnen Gemeinde^ selbst; sie muß bedachtsam kalkuliren und wird , wenn die Mittel nichtansgebracht! werden können) oi^ beabsichtigte Trennung von 'selbst wieder ansgcben. Die religiöse Trennung ist aber, wenn ausführbar, da geboten, wo auf eine Partei! ein Gewissenszwang auSgeübt wird; wo plan die hochgepnesene Toleranz nur für sich beansprucht^ Andern aber sie nicht vergönnt. Die Trennung ist ferner geboten, wo dem jetzigen jungen Geschlechts eine religiöse Verkrüppelung droht; wo Israels Söhne und Töchter in der Gefahr schweben, von den ausschließlich israelitischen Pflichten entweder gar nichts, oder nur blutwenig zu erfahren, wenn nicht gar von! Personen, die das kindliche Gemnth hochsclnitzt, diese Pflichten verhöhnen zu Horen und zu sehen. in nrnn .-i-i.-.i '-,21. „Oie offenbarten Dinge gehen uns und unsere Kinder an bis in Ewigkeit, um auszuüben alle Worte dieser Lehre." (V. B. M. 29, 28.). Die Trennung in den genannten Fällen ist aber nur unter der Bedingung geboten, wenn sie weiter nichts, als eine rein religiöse, keine sociale, keine feindliche ist; wenn die Getrennten außerhalb der religiösen Grenzen vom Bande des Friedens und der Eintracht umschlungen werden und mindestens sich davor hüten. Ln Zank und Hader sogar in Kreisen auszutreten, wo eS Augen genug gibt, die sich an solchem Anblicke weiden. Daun, und nur dann ist eine Trennung mit den Opfern, die sie erheischt, eine höchst verdienstliche und gibt Zeugniß von der innewohnenden Kraft der religiösen Ueberzeugung. Wo aber diese Bedingniffe fehlen, da ist die Trennung ein Werk der Phantasie, der Leidenschaft, somit Frevel. So sehr aber dem Ansinnen einer sac tischen Trennung, wenn sie nicht zum unabweislichen Bedürfniß geworden ist, mit allem Machkaufgebote entgegen getreten werde» soll, so ist doch die vrincipielke, die ideelle Trennung in unserer Zeit unter allen Umstanden eine hohe, heilige Pflicht. Und Das ist es, was wir von den gegenwärtigen rel. Wirren Gutes erwarten. Sie werden zu einer Klärung, zu einer Kennzeichnung des Wahren von dem Falschen, der Wirklichkeit von dem Scheine, de- Ernstes von der Coquetterie früh oder spät sicherlich führen. Das Unheil besteht nämlich Harm, daß die Destruktiven nicht mit offenem Bisir und mit ehrlichen Waffen kämpfen. Sie verheimlichen viekmehr das Ziel ihrer Eroberungen, theils weil ihnen der Much fehlt, aus offenes Feld sich zu wagen, theils ans verschiedenen Rebenrücksichten. Die unwissende, im Materiellen versunken, nur Erleichterungen wollende Volksmaffe steht gaffend um ihre „großen Männer," besonders wenn Diese sich in einer andern Beziehung um den Beifall Andrer verdient gemacht haben; man larrscht auf ihre Orakeksprüche; bewundert den Reichchnm ihres Geistes und dünkt sich selbst erleuchtet, wenn die elektrische Batterie den zündenden Funken in das jüdische Herz geschlendert, ja, sie will ihre Meister noch übertressen und das rüthselhaste Beispiel geben, wie man, obgleich ungebildet, oder verbildet, dennoch „gebildet" heißen könne. Würden aber nufere Reformatoren aufrichtig und sreimüthig das Princip und das