Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1861-04-24 · Heft 17 (24.4.1861) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 17 (24.4.1861)
Date
1861-04-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2446984-2447001--00635-2455828
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

202 Gesetz auf einen Boden und in eine Zeit oerweij sen, die für uns entschwunden, erstorben sind und! kann sülgerrch'.ig die Entstehung des Gesetzes nicht Gott, dem ewigen, dem unwandelbaren, sondern dem jüdischen Solon oder Lylnrg, Moses genannt, zuschreiben. ES wird sich doch wahrlich kein Sohn der Zeit entblöden, seine Bibelübersetzung, seine Gesetzesauslegung, seine Exegese als die allemselig- , machenden auszugeben, wenn diese durch die Tradition nicht ianetionirt und verbürgt, oder letzterer! gar entgegengesetzt sind. Erperimcntiren in einer! so heiligen Sache wäre ja verwegener Sclbstdünkel, unverantwortliche Frivolität*). Zwischen den oben bczeichneten Parteien steht aber, noch diejenige, welche in Lehre und Gesetz der Thora ein unzertrennliches, Gott entstammtes Zwillingspaar erkennt, von welchem Keines ohne das Andere leben kann. Nach dieser Anschauung kann und wird die Lehre einst daS Gemeingut der gekämmten Menschheit! werden,, ftudeß das GeseH ' abgesehen von seinem moralischen Inhalte — nur das „Erbtheil der Versammlung Jakobs" ist. Sprechen wir nun heute nicht von Jenen, . welche blos der jüdischen Thal huldigen und über den jüdischen Grundsatz leicht himvcggchen; diese besitzen keine Thorakenntniß; ihrer ' Frömmigkeit fehlt der Grundstein, so rein auch ihre Absicht ist; ' so sehr auch die Blätter zur Erhaltung der Frucht ' unentbehrlich sind. Gegenstände unsrer Betrachtung i seien nur Diejenigen, welche die ganze Thora, Lehre und schriftliches wie mündliches Gesetz, erhalten haben wollen — die Eonservativen, vnlxn Orthodoxen — und Diejenigen, welche dem speciftsch jüdischem Geietze 'gerne vnlet sagen möchten — die Destrnctivcn, vu!x.> Modernem Ist nun der religiöse Standpunkt dieser beiden Parteien aus diese Weise präcisirt, so kann der einrrral eingenommene unmöglich „blos im Gotteshause erkannt" werden; er must sich vielmehr mit aller Geistes- und GemüthstlMigkeit aus voller objectiver llrberzengnng, mit klarer Entschiedenheit, unter allen. Umständen und an jedem 'S Ne b.'währen und Werk« mit bkispitüestr Aeivität einA,Ikän>,'n. Dir .r.rdra da»- sktbk nLä jkrns näher brlp recken. Rkd. ebenso muffen die Confequenzen unter allen Umständen und an jedem Orte hervor treten. Der Lessing'sche llting bleibt mrs dem Gebiete einer positiv-religiösen Richtung nicht nur ein hinkendes Gleichniß, vielmehr eine Lüge, eine Blasphemie. Das Judenthum hat Z'.oar keine exclusive Tendenz; es vindicirt vielmehr auch dem Nichtjuden, wenn er nur die 7 noachidischen Pflichten erfüllt, die Theikhaftigkeit an der künftigen Welt; wer aber nicht so egoistisch im cdeln Sinne ist, sein Judenthum als das einzig wahre» einzig göttliche zu erkennen; wer so kosmopolitisch, oder so skeptisch ist, das; er an allen religiösen Denk- und Anschauungsweisen, sogar an seiner eigenen, den Stempel der Nntrüglichkeit vermißt: Der - hat noch kein Judenthum gefunden, wenn er sich auch noch so sehr den Anstrich gibt, als sei er in seine tiefen Schachten eingedrnngen. Wenn daher das babylonische Ans einandergehen .' der religiösen Richtungen in der Gedanken- und - Sprachverwirrung seinen Grund hat; wenn Schlag-! Wörter ans Schlagwörter gehäuft werden, um mittelst ihrer die eigene Blöße, die eigene Schwäche, das eigene religiöse Schwanken zn verdecken, zu überkleistern; wenn zn Hohn und Spott, zur Verkleinerung und Verleumdung des Gegners gegriffen wird, in der Meinung, ihn mit solchen Waffen ans dem Felde schlagen zu können; wenn überhaupt „das Hüpfen aus zwei Zweige," das „ju^re-rnMen," in Neligionslachen als höchste Potenz angepriesen wird; wenn dieses gasto-inNien nicht blos für Handlungsweisen (nach Kohelcth 7, 16. 17.) sondern auch für iPrincipren empfohlen wird; wenn man wähnt, man könnte dieses und jenes Gesetz fallen lassen, um, mit einer Parlamentäcfahne in der Hand, auf neu- , tralem Boden — hier ans dem Boden des LehrbegriffeS — zu erscheinen und einen Friedensabschlust zu bewirken: wer also denkt und spricht, wünscht und hofft, der ist von seinem Judenthum nicht durchdrungen. für besten Lehrbegriff nicht begeistert, für besten Erhaltung nicht thatkräftig. Der Mensch ist berechtigt und da, wo es um Beförderung des . Wohles Anderer, insbesondere gemeinnütziger Zwecke sich bandelt, hoch verpflichtet, von seinem Eigenthum Namhaftes abzutreten, um im Vereine mit Gleichgesinnten ein gemeinsames, gottgefälliges Werk in's . Leben zu rufen; er darf aber das von einem An-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.