Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1861)
- Date
- 1861-04-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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198 ten, habe die Majorität sich entschiede» für Schonung des Gebäudes, selbst wenn die Juden eine militärische Position daraus machen sollten, denn man kämpfe gegen Männer und nicht gegen leblose Mauern.Irre an dieser Sentimentalität muß man freilich werden, wenn man in dem von jeher wenig gelesenen Argonauten-Gedicht des Valerius Flaccus eine Schilderung von Titus an der Spitze der Jerusalem stürmenden Legionen findet, die zu dem gewöhnlichen Charakter römischer Generale besser stimmt, als daS von Josephus entworseno^IZild. . . . (S- 51.) Und da heißt es nun (L. 13.). Domitianus (der Bruder von Titus, damals nur dem Wohlleben ergeben) möge den Titus schildern geschwärzt von Jerusalems Schlachtstaub wie er den Brandpfeil schleudert und wüthet auf jeglicher Zinns. Dergleichen Wendungen eines Höschen Dichters! bedeuten nichts und bedeuten viel. Nichts, wenn sie als direkte Zeugnisse für das wirklich geschehene die-! neu sollen; viel, wenn cs genügt zu erfahren, was am Hose gern gehört wurde. Im hiesigen Falle darf! man mit Sicherheit annehmen, daß zur Zeit als! Valerius Flaccus schrieb, d. h. in den Men Jahren nach dem jüdischen Krieg, die Schuld des Brandes; von Jerusalem noch nicht auf einen unbotmäßigen - Legionär geschoben war, sondern Verehrer! des - Kaiserhauses l ohne Anstoß zu befürchten) dein Tstus ein Pcrdienst daraus machen und soghru den Brand- / pfeil diesem Fürste^ selbst in die Hand ^ebt»» bürstend s i Herr Bernays weist nun ^citehach, daß! Severus in seiner Chronik seine Nachrichten über Nero ausschließlich aus den noch cxistir^uden ^lnna-i! leu dcSHacitus fast wörtlich ausgezogtn hat,! und geht sonach zu seinem Beweis über: ^,Nm deusi'N't.r ' Autor nun auch! auszubeuten für die Geschichte jder Flavier zusammenhängende! Zerstörung! Jerusalems, deren Schilderung ebenfalls in der Ein-! leitung (der Chronik) versprochen wird, brauchte Severus nicht einmal nach einem andern Werke zu greifen,! da bekanntlich schon im vierten Jahrhunderte die taciteifchqn Annalen und Historiei^ zu einem Corpus von dreißig Büchern vereinigt waren. Wir freilich suchen jetzt in dem erhaltenen!Rest der Historien vergebens nach dem Todestage der berufenen Stadt, dessen Beschreibung Tacitus zu Anfang defünften Buches verheißt (e. 2. Kunos» urbi» suxrimum äivm trLÜitnri sumus). Nur den Beginn der Belagerung Jerusalems finden wir erzählt (c. 13); die Abschnitte, welche den Sturm und die Zerstörung enthielten, sind uns durch das Mißgeschick entrisse», welches die zweite Hälfte des fünften und alle übrigen Bücher der Historien betroffen hat. Daß jedoch, als Severus schrieb, die Historien noch nicht die Verstümmelung erlitten hatten, bezeugt sein Zeitgenosse Arosius*), der unter namentlicher Erwähnung des Tacitus größere Stellen wörtlich mittheilt über Ereignisse, welche in die spätere Regierung des Lespasianus und in die des Domitianus fallen, mithin nur in dem jetzt verlorenen T.)eil der Historien besprochen sein konnten.Tacitus hat es ver. schmäht, aus den josephischen Schriften sich zu belehren, wo er aus ihnen etwas hätte lernen können; .... wie viel weniger wird der Römer um den Juden (Josephus) sich da bekümmert haben, wo es galt, römische Kriegspläne und Vorgänge im römischen Kriegsrath zu erkunden .... (Tacitus mußten) noch geheime Auszeichnungen und mündliche Nachrichten der zuverlässigsten Art zu Gebote stehen, bei deren Bearbeitung, da er erst nach Beseitigung des Domitianus die Feder ergriff.... an Rücksichten nicht gebunden war . . . Noch jetzt sind wir im Stande, wenigstens den Naiven eines sicherlich von Tacitus befragten Zeugen z^ entdecken, und schon mit Hftfe des bloßen NamenS den hohen Werth , seines Zeugnisses gerade! in der vorliegenden Sache , zu ermessen. Dexj ünter den Antonmen schreibende! Minuciüs! Felix erwähnt ein von jüdischen Dinge» handelndes Buch eines Antonius Julianus ... de- . Verfassers Namen drangt dis! unabweisbare Vermutung apf . > - daß dieser Julianus identisch ist mit dem Procurator von Judäa, Marcus Anta-! ujuS Julia nus, welchen Josephus (Bell. VI.! -4, 3.) als eines der sechs Mitglieder des Kriegsraths i auffüyrt und für Zerstörung des Tempels stimme» läßt. Daß Tacitus die Schrift eines so hochgestellten römischer Augenzeugen unbeachtet gelassen, wäre;. eben so befremdlich, wie seine Vernachlässigung des > *) Die Ltkllen, sagt Dtrnays, sind irr der altrr« AuSzate! xxxm.