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Der Israelit · 1861-04-17 · Heft 16 (17.4.1861) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 16 (17.4.1861)
Date
1861-04-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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195 sind Raub und Mord etwa keine Verbrechen, wenn sie gegen Solche verübt worden, die sich noch nicht zu der hohen civilisirten Bildungsstufe, wie die de? Herrn F. emporgeschwungen haben, wo die Vernunft diktirt „den wollenen Talith;nach dem ^Schachrith- Gebet abzulegen, um das Mussaph - Gebet in einem zusammengerollten seidenen Talith zu verrichten? Aber mit den Deduktionen der neumodischen Rabbinen verhält es sich ganz anders. Alle bis auf unsere Zeit durch unsere größten Autoritäten ausgeübten Argumentationen als bodenlosen Schwindel und Sophisterei verhöhnend und verwerfend, haben sie für diese ein extravagantes System snbstituirt,! welches darin besteht, einen nakten, für sich allein oft ganz sinnlosen Satz aus seiner Periode zu reißen, um ihn ihrem einfältigen, leichtgläubigem Auditorium als Beleg für ihre Behauptung vorzuführen. Und so genügen nnserm sittenstrengen Nabbinen drei in dieser Stelle interrogativ vorkommenden Worte 'vi um durch sie ein „Verdammnngs- Urthcil" herauSzudemonstrircn! ' So, Herr Redakteur! so steht es mit den Syllogismen der jüdischen modernen Nabbinen in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts! und der berühmte NeligionS-Manerbrecher/H. Brück, den Herr Rabbiner Hirsch vor zwei Dezennien zum Hohn , und Spott aller Welt hiugestellt, kann getrost wieder - mit seinen Behauptungen auftrclen!und den Satz (N. H. 21 ) citiren, um seinen in nnserü Zeiten unumstößlichen Beweis zu liefern: Nur von R. Nachman, u nicht von allen seinen Zeitgenossen ist am Versöhnungstag gefastet worden! ' l, s? - Diese Krisik-gilt aber nur Herr gründlichen Kenntnissen unserer Neologen im jüdischen Fache; - was ^übrigens das Nekom l'Eenenn anbelangt, so werden wir Heipen unter uns sinken, der unsere 'k gutgesinntest menschenfreundlichen christlichen Mitbrü-!! der für fanatische Handlungen mittelalterlicher Völ--^ ker zur Verantwortlichkeit vor des Allerhöchsten Richterstuhl anrusen sollte. Wir flehen vielmehr unfern himmlischen Vater und König an, unsere Brüder allenthalben und überall vor einem wüthenden Anfall irgend welcher Glaubenssanatiker zu beschützen, und beim Auftauchen solcher Religions-Fanatismen den h. Regierungen einzugeben, sich ihrer anzunehmen-, Gerechtigkeit zu üben und das etwa vergossene Blut zu rächen. Wer hat uns in Damaskus, ,i» Smyrna, in Galatsch und neulich wieder in Syrien vor weitern Verfolgungen geschützt, wenn nicht der Allgütige, der Allen nahe ist, die ihn aufrichtig anrufen? Julius Wiener. ApoKag, 3. April. Die Trauerkunde von dem am 17. v. Mts. nach 28jähriger Amtstätigkeit erfolgten Ableben des gesinnungstüchtigen und gelehrten Rabbiners zu Szabatka, Herrn Lipmann Hirsch, hat hier einen erschütternden und betrübenden Eindruck gemacht. Nicht ntlr seine nächsten Anverwandten, (der Verblichene war ein Schwiegersohn unseres verstorbenen ehrw. Rabbiners N. Ephraim Schönfeld sondern die ganze hiesige Gemeinde vernahm mit herber Wehnmth und warmer Teilnahme die Schreckensnachricht, daß der sonst so rüstige Edle im 56. Jahre seines Lebens von der irdischen Schaubühne abtreten mußte. Derselbe war ein langjähriger Schüler des v"r v'.i ^2 prrn, dem er zumeist seine umfangreiche talmndische Gelehrsamkeit verdankte, das im .n"z Q".i ab gedruckte Gutachten liefert den Beweis, daß er schon vor mehr denn zwei Jahrzehnten als scharfsinniger Talniudkcnner von seinem hochberühmtcn Lehrer anerkannt und gewürdiget wurde. Bei strenger Orthodoxie in Gesinnuncz, Wort und That war er zugleich ein Verehrer unk Freund der prosayen Wissenschaften , von denen er sich gar Vieles aneignete. Sein hebräischer! Stil wär korrekt und zierlich; bei seinen Vortragen s bediente er sich des rein deutschen Mortes. Ueber- Haupt bestand seine Derascha ans einer glücklichen, j wohlberechneten Mischung von Exegetik und Rhetorik; l tiefe religiöse Innigkeit, sowie eine Masse von Schlag-! Wörtern ans Tenach, Talmud und Midrasch, die! ihm bei jeder Gelegenheit zu Gebote standen., ver-! liehen seinen Ansprachen Anmuthj Anziehungskraft! und Eindringlichkeit. DaS dortige Publikum, dem! oft dcr Gcnuß geboten Mrde seine trefflichen Kanzel-! reden zu vernehmen, lauschte seinen Worten mit ge-! spamitester Aufmerksamkeit und sittlicher Vesriedi-! gun». - - Mehr aber noch als durch die Güter seines Geistes,! ragte er durch dle Schätze seines Herzens hervor.! Gutrnttthigkeit, Dienstfertigkeit und Anspruchslosigkeit - waren die glänzenden Edelsteine, die seine Brust zier'

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