Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 13-14 (4.4.1861)
- Date
- 1861-04-04
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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173 als: man hat sie überfallen, beraubt und gemordet; 2) es entstand dabei eine Feuersbrunst, durch welche sowohl die Pfarre, als auch der Vrückenthurm Noch litten; 3) die am Juden-Quartier gelegene Fischer- Pforte mußte nachher ausgcbesiert werden, weil sie entweder durch das Feuer oder bei Gelegenheit des Kampfes beschädigt worden war; 4) der Nath ließ die Gasten, sowie die Judenhüuser mit Holz verschlagen, was nur den Zweck gehabt haben kann, dieselben entweder gegen die Angreifcnden oder nach dem Kampfe und Brande gegen Plünderung zu schützen; 5) er ließ das Geschütze von dem bekanntlich neben dem Juden-Quartier stehenden Rathhause wegbringen und eS, wie die Worte lauten, nach dem Brande ufftragen, wobei für das Erstere kein anderer Grund aufzusindcn ist, als daß das Nathhaus in Feuersgefahr war; 6) man schickte einige Wochen nach hem Ereignisse einen Gesandten zu dem König Karl,! um mit ihm wegen der Juden zu reden, und ebenderselbe Gesandtes wurde auch „nach der Juden Gude" nach Mainz geschickt; 7) eine für jene Zeit! bedeutende Ausgabe wurde für Tannenholz zu henbci Bränden gebräuchlichen Feuerleichtern gemacht; 6). ans und unter den Stadt-Porten mußten LeM eine Zeit lang gewappnet hüten; endlich Ä) dqtz Aeigttiß j fand glcich Mch der Mitte des Juli statt/ weil! vorher desselben' nicht gedacht wird', am aber! und in dcH nächsten Wochen nachher dAM^tzS veranlagten Ausgaben eingeschrieben -'wurdet! Mus desn letzteren Amstande ergibt sich übrigens wi e, sehr Kirchner irxts/j wenn ^er sagt: hie Verpfandungider, Franffurte^Juden sei durch Karl IV. vielleichtäns' dem Grundevorgenommen worden, weil Hser ^üde gewesen sir/durch solche blutige Austrittg.jtte' Zahl seiner Kammerknechte mit jedem Tage vermindert zu sehen: denn die Verpfändung ging, wie; Ml^n siehtz' jenem blutigen Austritte voraus. Sie konnts sogar mit zu demselben Veranlassung gegeben haben, inso-! fern nämlich die Feinde der Juden durch deren Ermordung sich nicht unmittelbar au dem Deiche!iznd seinem Haupte, sondern an der Stadt Frankfurt vergingen. Prüft man, von der Basis jener sicheren Facten aus, die sMercn Nachrichten, welche einem 7;cdcn aus Lersner und Kirchner bekannt sind , so ergibt sich Folgendes als wirklicher Hergang der zweiten Judenschlacht. Die rohe und fanatische Schaar der Geißclbrüder kam damals nach Frankfurt und mit ihr offenbar ein Theil der noch immer am Rhein nmherstreisenden noch wilderen Horde der Judenschlagcr. Diese Fremden fielen raub- und blutgierig über die Juden her, in deren Quartier damals auch viele Christen wohnten/ so daß mit jenen auch diese in große Gefahr kamen. Es gab ein Gemetzel, und es brach ein Feuer aus, welches entweder zufällig entstanden, oder, was weit wahrscheinlicher ist, durch die Geißelbrüder und Judenschläger angelegt worden war. Die christlichen Bürger ergriffen die Waffen gegen s die mordlnstigen und raubgierigen Fremden; in der Verwirrung des Kampfes aber und bei dem starken Brande, welcher von der Pfarrkirche bis zur Brücke wütbete, konnten entweder die sich wehrenden Juden Freund und Feind nicht mehr unterscheiden, oder die wilde Schaar der Fremden machte durch die Versicherung, daß die Juden das Feuer angelegt hatten, die den Letzteren befreundeten Bürger zu deren Feinden, und nun kämpften auch die^ christlichen und jüdischen Stadtbewohner gegen einander. Der.Kampf endigte erst dann, als die Juden theils ghtödtet worden waren, theils die Flucht ergriffen hatten Abfr auch die r!aub- und mordgierigen Fremhen wurden von den Bürgern vertrieben und danü sdse iStadtthore mehrere Wochen laug durch verstärkt!? und gut!!gerüstete Wachtposten gegen sie' geschützt. j iDer Rath ließ entweder gleich ua«H dem Kampfe hie Trümmer des Judcnquarliers durch Hylzverschlägejiin! den Güssen absperren / oder er hattes! durch diese Verschlage gleich beim Beginn des Kampfes'die Gasten zum Theil unzugänglich gemacht. Wie - viele Menschen nmgekommen und wie viele Hänscr mede^gebrannt sind, ist unbekannt; nur so viel steht fest, daß die! Fis^erpsorte; durch den Brand odet guch durch! Erstürmung Schaden gelitten hatte, und haß! das Feuer einerseits das Dach der Pfarre uud anderseits das des Brückenthurmes ergriffen hatte, daß aber beide Gebäude durch Idas Feuer nicht zerstört wurden. Auch das Nathhaus wär m Gefahr gcrathen, cs ward aber entweder gar nicht, oder doch nur unbedeutend beschädigt; denn das Nathhaus erscheint unmittelbar nachher an derselben Stelle stehend, an welcher es vorher gestanden hatte, und daß cs nicht etwa an dieser Stelle neu aufge-