Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1861)
- Date
- 1861-03-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Pefih. Heute Morgens ist eine jüdische Deputation mit dem Rabbiner an der Spitze von Oisnitz hier angelangt, die an den KomitatSansschuß eine Klageschrift einreichte, über folgendes Justizattentat: Am 27. Jänner 1861 brannte das Wohnhaus des Olsnützer Esküdt, Namens Berte ab. Bei dieser Gelegenheit wurde dem Eigenthümer Mehreres entwendet, unter Anderem auch seine goldene Taschenuhr. Nach einigen Tagen wurde der Thätcr erwischt, ein berüchtigtes Individuum, das schon oft wegen Diebstahls bestraft wurde. Es wurden bei ihm auch die gestohlenen Gegenstände gefunden, nur die Uhr war nicht mehr in feinen? Händen. Nach einem strengen Examen gestand der Dieb ein, daß ein Jude^ihm di!e Uhr Mekau^t hätte, der Name deS Judei^ war ihm abex incht bekannt, nur so viel wnßte er,! dqß bÄ Dufer i^ einem neuen Hause zu Olfnitz wohne, i Man führte! ihn nstn zu c'inem?jE neue» ^.Haüse, wö> ein-. Wischer. Kaufmann, Namens M o^r i tz A s ch e l wohnte.?Au^ die Frage, ob die^ der Käufer sei, antwortete der heA rüchtigte Dieb ganz eiüfach ' Jy. TM der Bet^ue-n rung des Ascher, daß er diesen Menschen nie gesehiin! und auch die Uhr nicht getauft habe, wird er gebunden abgeführt und ins Gefängniß geworfen. Der Stuhlrichter, ein Herr v. Kereßturi, gewesener k. k. Beamter, vernahm den Juden, sagte ihm, er möge die Uhr einfach hergeben, er wird mit einer ganz gelinden Strafe abtommen u. s. w. Der Jude tonnte aber nichts eingestehen , da er die Uhr nicht hatte. Der S-uhlrichter ließ nun bis zur Einleitung der gehörigen Untersuchung den Ascher im Gefängnisse, und behandelte ihn ganz human. Der Stuhlrichter ging Tags darauf nach Steinamanger zur Sitzung. Während seiner Abwesenheit ging der über den Verlust seiner Uhr untröstliche Esküdt Verte mit 2 Panduren ins Gefängniß und stellte ein neues Examen mit dem Angeklagten an. Er ließ ihn vorläufig durch die Panduren schrecklich adohrseigen; als dies nichts nützte, ließ er ihn mit Stockstreichen furchtbar zurichten; der arme Mann soll ganz gering gerechnet, 100 Hiebe erhalten haben, nicht nur auf den Hinterleib, sondern auch auf den Rücken, die Brust, so daß die Haut sich in Fetzen Möste. ' Da auch dies erfolglos war, so ließ er ihn bin- (Hlerbei ei l den, und zwar gab er ihm den Strick um den Hals und ließ den Kopf zu den Füßen hmbinden, so daß der Körper die Radform erhielt. Er ließ ihn nun hin und Herrollen. Der bewußtlose Unglückliche wurde nun durch den Herrn Esküdt wieder zum Leben gebracht dadurch, daß er über ihn einige Schaff kaltes Wasser gießen ließ. Zum Leben zurnckgebracht, setzte der Wütherich die Tortur fort, er band ihm die beiden Daumen fest zusammen und hängte ihn an den Daumen auf. Der hinzueilende KomitatSchirurg, der gegen die Schinderei protestirte, bekam von dem Panduren einen Kolbenstoß. Endlich ließ der Esküdt sein Opfer im Kerker zurück? M? entfernte sich. Ich habe heute das Visums repertum gelesen, es ist von einem. Chirurgen (Christen) ausgestellt, und lautet wie folgt; Die behaart« Kopfhaut an vielen Stellen klaffend, die Haare ausgerissen. DaS Gesicht blau geschwollen, die AugeMedfpalteN geschlossen, die Haut zerrissen. Am Halse ein fingerdicker blauer tiefer Anschnitt, von einem Stricke hcrrührend. Der Rücken pnb das Brusttheil von 'zahlreichen blauschwarzen Strieme» durchsetzt, und waS daH Merkwürdige ist, von der Gegend des Kreuzbeins angefangen bis herab zur Endigung des Gefäßes sieht man nichts als eine schwarzbkaue von der Haut entblößte Geschwulst, die Muskulatur zerfetzt, herrührend von unzähligen Stockhieben. Die Gelenke am Ellbogen und die Handgelenke angeschwollen. Die beiden Daumen geschwollen, von einem blauen blutunterlaufenen Ringe umgeben. Der Kranke liegt an heftigem Wundficber darnieder; ob die Verletzung eine schwere ist, will der Chirurg nach Angabe im Visum ropertum nicht beeiden, da dies sich erst seiner Meinung nach im Verkauf von 20 Tagen Herausstellen wird. Die Deputation brachte ein Zeugniß von der Stadtbehörde mit, worin bestätigt wird, daß benannter Moritz Ascher als auserordentlich braver und rechtschaffener Mann stets bekannt war, und von Seite der Bewohner eine lebhafte Protestation gegen ein solches Justizgebaren kund gegeben wird. Diese Schandthat hat hier allgemein empört. Die Deputation ist soeben abgereist, sie hat nichts anderes erwirkt, aks daß der Angeklagte augenblicklich ans der .Haft entlassen wird. V. S. e Beilage.)