Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1861)
- Date
- 1861-03-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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117 Die große Aufgabe war von Rabbi nicht vollständig gelöst. Auslastungen und Widersprüche machten auch die Mischnah für die praktische Entscheidung manchmal unbrauchbar; (niL 'vx, rnv) auch war größtcntheils die Art und Weise der Folgerung alldem Schriftworte und die Anknüpfung an dasselbe nicht uiedergcschricbeu. Die Hinzufügung des Ausgelassenen, die Hebung der Widersprüche und die Darlegung der Grundsätze war wiederum der mündlichen Belehrung Vorbehalten, bis auch das aus denselben Gründen wie die Mischnah selbst niedergeschriebe» werden mußte; das ist die Gemara, die in Verbindung mit der Mischnah Talmud heißt oder s"IL' die mündliche Lehre.! Die mündliche Lehre stammt von Gott durch unmittelbare Offenbarung an Moses wie die schriftliche Lehre;!die im Talmud erwähnten Lehrer des Gesetzes waren nur Träger, nichtSchöpfer derselben, selbst das oben angeführte selbstständige Folgern aus dem Schriftworte war kein neues Schaffen, sondern nur ein Hervorbringen nach tradirten Grundsätzen , so daß unsre Weisen sagen, daß Alles, was in noch so spater Zukunft von einem begabten Schüler (p'ro anscheinend neu hervorgebracht wird^ derrits dem Moses auf Sinai! offenbart worden, I,- ' j . -! , , ' , Abgesehen von den erwähnten rgöbijlnschen Entrichtungen , die aber im i Grunde ebenfalls ar^ ein mosaisches Gebot (^N2 x^) zurückzusühreN sind, ergibt sich jedem echten Israeliten als eine Grnndtchre unsrer herliigen Religion der Glaube an den Ursprung der mündlichen Lehre durch unmittelbare Offenbarung Gottes an KoseS; und wen» wir im Talmud lesen: Rabbi sagte, 3t. Meir sagte, 3t. Akiba sagte und so sott, so will das nicht heißen, der mit Nam^n Angeführte habe die Halachah ersonnen, sondern er war als der jüngste Träger derselben zur Zeit der Riederschreibung der Mischnah bekannt; der Inhalt des Ausspruches war aber vom Lehrer empfangen bis zu Moses hinauf, der ihn von Gott empfangen; daß aber oft bei meistens untergeordneten Einzelheiten die Aussprüche entgegengesetzten Inhalt haben, entsprang aus verschiedenartiger Anwendung der überkommenen Grundsätze. — Wir haben geglaubt Obiges - vorausschiöen zu müssen, um Vielen unserer Leser das Verständniß eines Streitezu ermöglichen, der eben jetzt mit furchtbarer Bitterkeit auf jüdisch-religiösem Gebiete geführt wird. Herr vr. Frankel, Direktor des isr. Rabbiner-Seminars in Breslau, ehemals Oberrabbiner zu Dresden, hat vor einiger Zeit unter dem Namen: '211, Hodegetik zur Mischnah, ein Werk hcrausgegeben, das zunächst seinen Schülern als Einleitung in die Mischnah dienen soll. Verdient F. schon als bedeutender und anerkannter Gelehrter volle Beachtung, so wird dieses Interesse .noch gesteigert durch seine Bedeutung als Heranbilder künftiger Rabbiner. In der Einleitung zu diesem Werke spricht Herr F. über Ursprung und Entstehung der Mischnah, und erwähnt der Göttlichkeit dieses Ursprunges nicht mit einem einzigen Worte. Wenn es nun auch schwer ist aus einzelnen Sätzen und Worten des Verfassers, die sich drehen und deuten lassen, (das Werk ist hebräisch geschrieben) zu erweisen, daß er den göttliche» Ursprung der mündlichen Lehre leugnet, und wenn auch das Nichtanssprechen noch keine Leugnung invölvirt, so ist doch dieses Nichtanssprechen selbst als unverantwortlich zu vernrtheilen (Aboth P. 1. M 11); ja, noch mehr, dem nnbefangenen Leser wird^sich sicherlich, durch einzelne, oben bereits bezeichncte , zweideutige ' Sätze die Ueberzcngung aufdränge'n / da^ der Aerf. die Soferim als Schöpfer der mündlichen Lehre dargestcllt wissen will. (Siehe S. 2 n. 5 des angeführten Werkes.) Wenigstens ist uns beim ersten Dnrchlesen dieser ganzen Einleitung (bis S. 21; siehe auch S. 75, wo N. Elieser gegen den Vorwurf des Mangels an sclbstschöpferischer TlMigkcit in Schutz genommen wird) dieser Eindruck gekommen; erst späteres, wiederholtes Ueberdenke» der bezcichnetcn Stellen ließ uns die Klarheit derselben bezweifeln. Wir lassen es daher dahin gestellt sein, ob Fr. in diesem Werke heretische Ansichten ausgesprochen hat ober nicht. Eine.S aber ist klar, daß ein bedeutender 2'pv seinen Schülern und Andern, die ans diesem Werke Belehrung schöpfen wollen, gegeben, daß die Gelegenheit, noch mehr, die Versuchung geboten ist, die Göttlichkeit der mündlichen Lehre zu leugnen. Herr Gottlieb Fischer, ein Talmudgelehrter auS Stuhlweißenburg, hat nun ein hebr. Sendschreiben an Hrn. Or. Fr. verfaßt, in welchem er unter 4^ 4 .. j rr..'': v! - k ... ° »»m-L'fsu.l> 1 mN - .»l«.>