Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1861)
- Date
- 1861-03-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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iie anderweitig bestimmt gewesen wäre? Da nun einmal eine mündliche Erklärung nothmendig war, so hat Gott dieselbe in seiner Weisheit zu einer mündlichen Lehre erweitert nnd in ihr Vieles gelehrt, was in der schriftlichen Lehre manchmal kaum andeutungsweise enthalten. (Liehe Ehagiga Perek 1, Mischnab 8.) Diese mündliche Lehre überlieferte Moses zwar dem ganzen iSr. Volke, aber vorzugsweise ward der Träger derselben sein Nachfolger Zosua; Zosua überlieferte die mündliche Lehre den Nettesten, die ibn überlebten, diese den Propheten, dieie den Männern der grosten Synode (Nboth P. t. M. 1.), diese den Tanaim bis zu den Zeiten des Nabbi Zehndah deS Heiligen, (Nabbi) welcher nach der Zerstörung des Heiligthums zur Zeit des römischen Kaisers AukouluttS(Pius?) lebte. Ilm diese Zeit mehrten sich die Leiden und Verfolgungen, das innige Zusarnmenleben zwischen Lehrer und Schüler mußte anfhöreu, nnd N. Zehudnh beschloß auch die mündliche Lehre niederzuschreibeu. ^Es waltete bei dieser Aufzeichnung der Usus, verschiedene Halachoth unter dem Namen Derjenigen wiederzugeben, welche zuletzt die Träger derselben gewesen waren. ES liegt uns nun noch ob, zu erörtern, woher eS kömmt, daß vielfach Meinungsverschiedenheiten zwischen den im Talmud angeführten GeketzeSlehrern obwalten. Eine verbreitete Ansicht ist die, daß die emvsaugeuen Halachoth theilwene vergessen und erst durch die ebenfalls von Gott tradnten DentungSregeln wiedergewonnen worden, nnd daß andere wieder von den Schülern nicht richtig ansgesaßt seien, so das; der ein? eine richtige, der andere eine unrichtige Hatachah weiter tradirt habe. Diese Ansicht findet in einzelnen Aussprüchen des Talmud anscheinend ihre Bestätigung (Sauh. 88^). Maim on ides (Einleitung zu Seder Serann) verwirft jedoch duie Ansicht als eine unhaltbare nnd tadelnSwerth?. lim nun den erwähnten Umstand zu erklären, michsen wir die von Marmonides ausgestellten 5 verschiedenen Arten der Halachoth näher ins Auge fassen; sie sind folgende: t) Die Halachah steht Lu der heiligen Schrift; die Deutung derselben ist tradirt und läßt sich auch durch den menschlichen Verstand staden; z. V. baß Pri Ez hadar nichts anderes als die unter dem Namen Ethrog bekannte Frucht bedeutet. (Sich- SuSah 85.) 2) Die Halachah stellt gar nicht iu der h. S. oder wird nur an das Scheijtwort angelehnt (Aß machta); sie ist aber durch mündliche Ucberlie sernng von Gott dem Moses nnd von diesem dem Zosua und so kort zur Writecüberlieserunq bis zu ihrer Nccderschreibung übergeben warden. Das sind die „Halachoth le Mo übel, mi ttlnal." Zn diesen beiden Arten gibt es keinen Streit und keine Meinungsverschiedenheit, sondern die Ha j lachah wird treu und echt durch die Zabrtausende ' hindurch erhalten und geradeso im Talmud nie dergeschriebeu, wie Gott sie dem Moses überliefert! hatte. 8) Die Halachah wird durch die Tbätigkeil des! ineusiblicheu 2'ersia! des ans den; Schristworte , gefolgert. Hier nun, bei dieser 8lasse ist es, - wo Meinungsverschiedenheit Platz greift, indem - Manches dem Einen anders als dem Ander»? erscheint, da die AnfsasinngSw.ei'e der Mens-ben ' verschieden ist. Aber auch hier herrschte keine Willkür, sondern die Zolgeruiig selbst geschah > nach tradirten Grundsätzen, die nach den letzten, zu Rabbi's Zeiten noch in der Err i innernng lebenden Trägern derselben, nach Hillel nnd N. Zsinael genannt wurden. -l) Die rabbinischeu Vorschriften, um das Gesetz zu erhalten nnd vor U-.bert.etnng zu schützen n^:a). Hierzu gehören auch die 7 rabbinischeu Gesetze. Tekanoth nnd Miabagim, die in gar keinem oder geringe:!! Zusirmnu »bange nit den mosai scheu Gesetzen stehen nnd die in Uebereinsiim nmng der Leiter eines jeden Zeitalters eiugesührt und von ganz ZSrael als verbindend anerkannt nnd angenommen sind. Theilwene sind dieselben schon von Moses und den Prophk ten eingerichtet, und Niemand hat sie adzuschassen da-? Recht, geradeso wie eine solche Ab . schassnng bei einem mosaischen Gebote unmöglich ist. ES ergibt sich uns demnach, daß die Meinungsverschiedenheit nur HZ der dritten Art der angesrchr-! ten Halachoth walten konnte und gewaltet hat, und j nur da kann von einer selbstständigen Thatigkeit der j Nabbinen die Rede sein.