Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1861)
- Date
- 1861-02-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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i Königsberg , ,12. Febr. Auf verflossenen Sonntag hatte der Obervorsteher Hr. Gabriel die -Mitglieder der wohlthätigen Gesellschaft zur öffentlichen Generalversammlung eingeladen , wie sie alljährlich um diese Zeit stattzufinden pflegt. Das bei der Gelegenheit beabsichtigte Trefa - Souper kam! diesmal nicht zu Stande: . Vielleicht schämten sich endlich die Herren vor der großen Anzahl von frommen j Mitgliedern, welche sich ' durch dieses eben so gottlose als unverständige Arrangement in srühern Jahren von dem Feste ausgeschlossen sahen. Jetzt scheint der bessere Sinn, der vielleicht durch den vorjährigen energischen Protest des Synagogenvyrstehers Hrn. Ma gnus (hierher aus Lyck übergesiedelt) geweckt wurde, über die bedauerliche Rücksichtslosigkeit gesiegt zu haben. — Die Gcnneinde zu Tilsit wird endlich -zur Wahl eines iRabbiners und Predigers schretten, wozu schon sehr viele Meldungen eingegangen sind. Ein Neologe dürfte schon deshalb keine Aussicht auf die Stelle haben, weil der Einfluß der orthodoxen-Polen und Russen dort noch viel größer als bei uns ist. Tilsit hat sich lang genug ohne geistliches Oberhaupt beholfen und war die Anstellung eines solchen immer auf Schwierigkeiten gestoßen, die nunmehr wohl beseitigt find. Der Rabbiner vr. Sachs aus Duisburg, der am vergangenen Versöhnungstag dort zweimal gepredigt hat, scheint nicht angesprochen zu haben. lEben so wenig soll der Reformprediger in Aachen dort Aussicht auf Erfolg haben. — Seit dem Tode des Oberrabbiners Lipschütz in Danzig ist dort vorläufig der vr. Stein, bekanntlich ein vieljähriger Opponent des Verblichenen, der einzig fungirende Geistliche. Ob sich aber sämmtliche fünf Gemeinden dieser Stadt (Alt-Danzig, Schottland, Weinberg, Mattenbuden, Langenfuhr) .ihm. ganz anvertrauen werden, steht noch sehr dahin. Man theilt übrigens von ihm jetzt eine unerquickliche Thatsache mit, die gerade kein schönes Licht auf ihn wirft. Man hatte mach dem Tode des Hrn. L. die Abnahme der Eide dem gottesfürchtigen, sehr gelehrten , mit Hatarah versehenen Männe Hrn. L a- . s/er Au erb ach übertragen, .wogegen sich vr. Stein widersetzt haben soll: -.-Es wird ihm wohl seine Opposition wenig:? helfen, da der Gerichtspräsident sich - fün die Sache ausgesprochen hat; - allein man sieht nimmer mehr ein > -wdhin7 der/Fanattsmus-der Reform mer führt. Der Charakterdes Hrn. Auerbach ist über allen Angriff erhaben und wird in dieser Provinz allgemein verehrt. Erst neulich hat er in der Danziger Synagoge eine Trauerrede (isoH auf die seligen Rabbiner Lipschütz und Oettinger gehalten^ die von größter Wirkung war. Abwechselnd Kaufmann und Gutsbesitzer; ist er stets mit der Lehre Gottes beschäftigt und zugleich für die Armen und Unglücklichen thätig. Auch mit unserm Rabbiner M. steht er in fortwährendem Verkehr. Almom. Birnbaum (Prov. Posen) , 8. Febr. Die gediegenen, von Kassel aus datirten Abhandlungen in Ihrem geschätzten Blatte haben auf die hiesigen Reformfreunde, eine kleine aber mächtige Partei, keinen Eindruck gemacht. Dieser Tage wurden Programme ausgetheilt, durch die den Gemeindemitgliedern eine vom hiesigen Schochet zu vollziehende —- Confirmation kundgethan wurde. Den GlanzpuM der Feier soll der vierte Act: Katechisation über das erste, zweite und dritte Gebot (in den Programmen steht „Gebet") bilden. Sie sehen, unsre Birnbaumer Reformer sind gescheidte Leute und wissen sich zu helfen. Die Vorwürfe über den Widerspruch zwischen dem Glaubensbekenntnisse der Confirmanden und der Sabbatfeier derselben werden glücklich vermieden — die Religion Israels wird nur bis ans vierte Gebot gelehrt. Kommt, ihr hochgebildeten, modernen Rabbiner und Prediger, lernt vom Birnbaumer Schochet, wie man Klippen umschifft. — Die Sache hat aber nicht allein ihre lächerliche Seite. Bisher wurden die Knaben von unserm tüchtigen Elementarlehrer, Herrn Glück, in allem religiösen Wissen gründlich gebildet — von nun an und weiter ist zu befürchten, daß nach der ,/glanzvollen" Rede des besonders hervorgehobenen Knaben S. G. das Erlernen einer solchen Rede Ziel und Endzweck des sogenannten Religionsunterrichts, Dinim und Halachoth hingegen überflüssig erscheinen werden. — In unsrer Nachbargemeinde Meseritz ist für den jüdischen Unterricht der Jugend bestens gesorgt. Der bewährte.Oberlehrer, Herr Tucholski, leistet in Verbindung und unter Leitung des ehrw. Rabbiners, Herrn Streif and, Vorzügliches. Dort wirbEnicht? eonsirmirt, aber „gelernt." Möge das Beispiel Birnbaums in unsrer Gegend ein vereinzeltes bleiben! - «.va. ..