Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1861)
- Date
- 1861-02-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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95 waszur Förderungund Hebung -es sittlichenund religiösen Lebens beitragen kann, liegt brach, überall in den meistens Gemeinden der Provinzen sind die socialen sowohl als religiösen Zustände in der traurigsten Verwirrung , Zank und Streit sind an der Tagesordnung, und selbst die Synagoge ist nicht heilig genüg, um diesen von sich fern zu halten. In Marburg, der Hauptstadt und dem Rabb.-Sitze der Provinz, ist kaum : alle 'Samstag einmal Minjan, die Schechitah ist in einem solchen Zustande, daß Niemand mit ruhigem Gewissen von derselben essen könnte, und keiner der jetzigen sowohl als der Heranwachsenden Gemeindeglieder ist im Stande, das tägliche Gebet oder einen Abschnitt ans dem Pentateuch auch nur nothdürstig zu übersetzen- und daß es auf dem Lande nur mit sehr geringen Ausnahmen besser aussieht, versteht sich von selbst. Der Grund dieser Uebelstände ist, wie in den meisten solchen Fällen auch hier, nicht in der jüdischen Bevölkerung der Provinz selbst zu suchen; denn diese hat trotz einer beispiellosen Vernachlässigung doch noch einen treuen, regen Sinn für unfern heiligen Glauben bewahrt,- und von all den Leuten aus der Provinz Oberhessen, die ich kennen zu lernen Gelegenheit hatte, war sich noch fast jeder über das Traurige seiner Lage klar- und jeder wünschte eine baldige Aenderung zum Bessern sehnlichft herbei. Der Grund braucht übrigens nicht weit hergeholt zu werden, er liegt nahe genug. In einer Provinz, für deren geistige Angelegenheit ein Gosen Sorge trägt, läßt sich wahrlich kein besserer Zustand erwarten. Ziehen wir über das jüdisch-religiöse Leben und Wirken des Genannten einen dichten Schleier und knüpfen wir an das Abtreten desselben vom Schauplatze seiner Thätigkeit (?) bessere Hoffnungen; ich erfahre nämlich aus authentischer O-uelle: Kurfürstliches Ministerium habe auf Veranlassung des Provinzial-Vorsteheramtes erlaffen, den zeitweiligen Rabbiner in den Ruhestand zu,versetzen, und die Marburger Rabbinerstelle, die zwischen 2 bis 300 Thlr. Nebeneinkünfte bringt, mit einem fixen Gehalt von 500 Thlr. auszuschreiben. Diese Nachricht kann für jeden, dem das Wohl oder Weh unserer Religion am Herzen liegt, nur angenehm sein, besonders muß es für uns Kurhessen höchst erfreulich sein zuvernehmen, daß ein Schritt zum Bessern geschieht , denn sxeiupla traduut, und ein' tüchtiger Jehüdi kann Kr--MMlMstcheMMstärche?ldeSiMqNr KuMaats wchlthMg2eümnr?enzumaLMeser! nicht allein stehen wird , -vielmehr in dem sehr segensreich wirkenden? Herren Rabbinern znGud ensbürg und Fulda^ -sowie auch in unsrem Herrn: Landraübinin starke Verbündete haben wird. Daß aber drei Mahl auf einen solchen tüchtigen JehM fallenwird^ daDr haben wir eine Bürgschaft i in:der redlichen, jüdischen Gesinnung des wohllöblichen Vorsteheramtes der Provinz Oberheffen. Oft schon hat mir ein geehrtes Mitglied desselben zugesichert. daß> so lange er am Vorsteheramt fein wird, die Marburger Räbbinerstelle von keinem andern als von einem dem orthodoxen Judenthume angehörenden Rabbiner besetzt werden darf. :: Möchten sich daher um die erledigte RabbinatSstelle tüchtige, streng orthodoxe Männer bewerben; es würde sich einem solchen ein ergiebiges Feld der segenvollsten Thätigkeit bieten. Braurrfchtveig, 5. Febr. Der Missionsprediger vr. Schulz aus Berlin hatte hier in der Kirche St. Ulrici eine Reihe von Misfionspredrgten zur Bekehrung der Juden begonnen, und zwar! in einem, Stile, welcher den Kirchenvorständ zu dem einstimmigen Beschlüsse bewog, die Wiederholung der Predigten zu untersagen. Preußen. Münster in Westphalen, 3 Februar. In der verflossenen Woche, am Mittwoch den 30. Januar, wurde hier in sehr feierlicher und würdiger Weife das fünfzigjährige Amts-Jubiläum des Herrn Oberrabbiners Sutro begangen. Die Betheiligung an dem Feste war eine sehr großer Am Vorabende des Festes wurde dem Herrn Jubilar von einem christlichen Gesang-Vereine ein Ständchen dargebracht. Die Feier des Tages selbst begann mit einem solennen Gottesdienste in der Synagoge. Gegen 10 Ahr erschien die Deputation der hiesigen Gemeinde, bestehendaus dem Vorstände und zwei andren Mitgliedern, der sich der Vertreter der Gemeinde in Schwelm angeschlossen hätte, um dem Jubilar die Glückwünsche der Gemeinde und des Sprengels davzübringen. Dieselbe überreichte eine sehr schöne, reich verzierte silberne Etrog-Dose> welche folgende