Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1861)
- Date
- 1861-01-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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der hiesigen Israeliten unter Führung des vr. Pick s lassen die ,Räuber, sie loszulassen; darauf ergriffen in die Gemeinderathssitzung begeben und in Folge sie die zweite 10jährige Tochter Mendaks, Zipka, ihrer begründeten Vorstellung wurde sogleich beschlossen, in einer Kundmachung die Bevölkerung vor den Folgen solcher Ruhestörungen eindringlich zu warnen, zugleich nach dem Muster der Pesther Commune die Konstabler einzuführen und zu deren Unterstützung die Zahl der städtischen Heiducken zu vermehren. (Neueste Nachr.) Arad, 9. Jan. Bei der heute stattgefundenen Nestauralion des Stadtmagistrats erklärte der Obergespan Zsivora mit begeisterten Worten, daß er für keinen Ausschluß irgend einer Art sei, und erwähnte hierbei auch der isra elitis ch en Mitbürg er, welche er als nicht anders als gleichberechtigte Söhne des Vaterlandes betrachte , wenn sie auch Gott unter einem andern Namen verehren und anbeten. Er hätte, äußerte der Redner weiter, die Israeliten auch zu diesen Verhandlungen gerufen, doch sei er in der Handhabung und im Dienste der Gesetze ergraut und müsse daher an den bestehenden Gesetzen, in so lange sie nicht abgeändert werden, festhalten; er hoffe jedoch, daß schon in nächster Zeit die Wohlthaten und der Segen der ungarischen Constitution auch die' israelitischen Brüder liebreich umfassen werden. Rußl and. Die „Nord. Biene" bringt folgende Mittheilung: Zn jüngster Zeit hat sich in Littharren ein Vorfall ereignet, welcher lebhaft an die „Mortara-Geschichte" erinnert, aber unter Umständen, welche die Schuld der Theilnehmer noch vergrößern. Im Gouvernement Kowno, im Nowoalexandrow'schen Kreise, lebt in einem Dorfe nahe dem Gute Dufsjati seit einiger Zeit ein Jude Namens Binel Mendak mit feiner Familie, einer Frau und drei Töchtern. Am Sonnabend Abend vom 19. auf den 20. October v. I., als die Familie Mendaks sich schon schlafen gelegt hatte, wird plötzlich die Thür, welche verriegelt war, durch einen heftigen Schlag von. außen geöffnet und in die Wohnung dringen vier Kerle, Bauern aus einer benachbarten Gemeinde, welche sich aus die 15jährige Tochter des Juden stürzen und sie zur Thüre zu schleppen suchen. Das Geschrei der Ettern aber und der heftige Widerstand der Tochter veran- (Aweite Beilage zu und verschwinden im Augenblick mit dem armen Opfer auf einem Fuhrwerk, das sie erwartete. Der unglückliche Vater, zur Rettung seiner Tochter herbeieilend, wurde durch einige Schläge zu Boden geworfen, sammelte aber doch seine letzten Kräfte, um die Räuber zu verfolgen. Vergebens aber suchte er die ganze Nacht; ohne seine Tochter zu finden, mußte er allein zurückkehren. Am 22. October, Morgens, erfährt der Vater des geraubten Kindes, daß dasselbe in dem Flecken Komajach bei dem katholischen Priester Maziewsky festgehatten werde. Die Ettern eilten dorthin, aber weder Bitten noch Thränen bewegen denselben, die Tochter wieder herauszugeben; es wurde den Eltern nicht einmal erlaubt, sie zu sehen. Herr Maziewsky behauptete, wie es zu erwarten war, daß das Kind selbst nicht zu den Ettern zurückkehren wolle und den Wunsch habe , den katholischen Glauben anzunehmen. Der Jude Mendak hat über alles Vorgefallene der Obrigkeit berichtet und es ist kein Zweifel, daß er eine formelle und den Gesetzen entsprechende Resolution erhalten wird. F e rr i l l e t o n. UotiL üb§r äie <MsMs oäer Iuäen m AbeMnien *). Aus einem Brief eines abessinifchen Missionärs an Dr. L. Krapf. Schließlich möchte ich noch einige Einzelheiten über die Falaschas?) oder Juden in Abessinien mittheilen. Ich habe sie oft besucht und viele Unterredungen mit ihnen gehabt, aber es war mir unmöglich ganz befriedigende Auffchlüffe über ihre Sitten, Gebräuche und Gottesdienst zu erhalten, da sie sich über diese Dinge sehr zurückhatterw äußern und r 1) Wir geben folgenden interessanten Bericht nach der Zeitschrift „Das Ausland"; es scheint uns jedoch manches anschei- ^nend höchst Sonderbare darin aus der Auffassungsweise des bestreffenden Missionärs und seiner Unkenntnis des jüdischen Gesetzes i hervorzugehen. Die Redäction^ j 2) Falascha ist abzuleiten von dem amharischen Wort „tzalasa" i auswandern, Falascha der, Auswanderer. Z^tro. L -e- J-eaelit)