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Der Israelit · 1861-01-23 · Heft 4 (23.1.1861) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 4 (23.1.1861)
Date
1861-01-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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von den: Priestern Alles üufgeboten, was den Glanz. und die Bedeutung der Feier in den Augen des PnWkitms erhöhen kann. Daher genügt auch nicht mehr ein Tag, sondern beide Tage des Kstes (DF XÜÜE werden für den Act vindrcirt. Wie in der Kirche ist am ersten Tage Prüfung, am zweiten die eigentliche Weihe. Das Resultat der ersteren kennt Jedermann im Voraus: sie fällt glänzend aus. Die Zehngebote sind richtig erlernt, werden richtig hergesagt, .Alle bestehen, die Klugen wie die Unwissenden — diese Kunst ist von Vater Hillel erlernt! — Den Culminationspunkt bildet indessen die Weihe. Mit einigen wenigen'Hauptzügen wollen wir D hier wiedergeben, wie sie sich der unbefangenen Beobachtung darstellt. In einleitender schöner Rede wird die hohe Bedeutung des Actes besprochen und das Auditorium in eine gehobene Stimmung versetzt. Die Confirmanden werden einzeln hinaufgerufen; der Prediger hält eine rührende Ansprache an sie, worin mit eben so feinem Tact, als mit zarter Rücksicht die Standesverhältnisse des Confirmanden berührt werden; und — was die Rührung vollendet, — es wird mit tief ergreifenden Worten der theuren Dahingeschiedenen gedacht, die des Unerforschlichen heiliger Wille für die Dauer dieses Erdenlebens von ihnen getrennt! — Wo ist die Familie, in welcher der Tod nicht eine geringere oder reichere Aerndte gehalten? Wo ist der Mensch, dessen Herz hart bleibt, bei dem Schmerze, der nun wach gerufen ist? Hier eine Waise, welche den Hingang von Vater oder Mutter zu beklagen hat, dort ein Vater; der einen geliebten Sohn betrauert; hier eine zärtliche Gattin, nun Wittwe, die dem Andenken eines theuern Gatten lebt, dort die beklagenswertste Mütter, die noch immer das geliebte Kind beweint, — .sie Alle find ergriffen, Aste aufs Tiefste bewegt — es war auch ein Meisterstück von KanzelberedsaMkeit — die Thränen fließen reichlich, und wiewohl ZM dF 2D Ül' Min wird, so Wlt sich doch die Gemeinde gehoben; denn indem man -eine rein menschliche Empfindung mit einem religiösen Gefühle verwechselt, glaubt man, daß doch uuM Etwas für das Judeuthum geschehen sei. In dieser hehren Stimmung ertheilt' der Priester den tE r ft e Berlage Segen, gibt dem Confirmanden einen Denkspruch mit ills Leben und ertheilt ihm denselben sogar schriftlich, worauf die mit einem deutschen Choral eingeleitete Scene auch mit einem deutschen Choral geschloffen wird. Es ist in Kassel nun glücklich so weit gekommen, daß ein großer Theil der Gemeinde die Confirmation für einen der Cardinalpunkte des. Judenthumes HM, und in ihr zugleich den Kitt sieht, das einzige Bindemittel, durch welches die Jugend noch gefesselt werden könne. Nur Wenige schütteln zu der ganzen Komödie ungläubig das Haupt, und können nicht begreifen, wie von daher die Hilfe kommen soll? Und diese Wenigen—schweigen; sie gehen rach Hause und lassen geschehen, was sie doch nicht ändern können. Aber sowie Dampf der Inhalt dieser ganzen Handlung ist, so verflüchtigt sich auch der Eindruck, den sie etwa hervorgebracht. Tief und nachhaltig ist er ohnedies nie. Den Männern ist die alljährlich sich wiederholende Feierlichkeit nicht neu, ihr Wissen wird nicht bereichert, ihre Ansichten nicht geändert, ihre Sympathie fnr's Judenthum nicht erhöht. In der früheren Gesinnungs- und Handlungsweise gehen sie ihrem Berufe nach, als ob es gar keine Confirmation in Israel gebe. — Ein schon höheres.Interesse zeigen die Mütter. Mit innigem Wohlbehagen blickt da manche ans die herangereiste Tochter, auf der jetzt die Blicke so Vieler mit Wohlgefallen ruhen; ein Vergleich mit den übrigen Freundinnen derselben bringt sie zu dem stolzen Bewußtsein, daß man diesen Vergleich nicht zu scheuen habe. Die leicht verzeihliche mütterliche Eitelkeit sieht im Geiste schon die zartesten Hoffnungen sich erfüllen, und die religiösen Gedanken werden nur durch den stillen Wunsch unterbrochen: Wenn doch auch nur die .zweite schon so weit hielte! Und die blühenden Töchter Israels? Ihre Hauptsorge ist gewiß nur, daß ihr gutes Gedächtniß sie heute nicht verlasse. Nebenbei mag es ihnen doch nicht ganz gleichgiltig sein, wie die Toilette gefällt,' auf die so viel Sorgfalt verwendet worden ist, und wie der neue, elegante Anzug kleidet, der sie schon -so lange beschäftigt. Der wohlverdiente Beifall, den sie heute ärndten, ach, er wird stets eine ro. L des Israelit.)

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