Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1861)
- Date
- 1861-01-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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44 Gepränge entweiht. - Ein schlichter -Faden, die wL'L, 'weiß des Juden Blick und Begehren vom Strafbaren abzulenken, - zwei unscheinbare Riemen auf Hand und Haupt, die pv'sn, seinen Geist und sein Gemüth dem Schöpfer zu weihen. Durch vier Pflanzenärten, die wir. am Aerndtefeste ergreifen, wird unser Herz zur Dankbarkeit gegen den Geber alles Guten entflammt, und durch des Schofars einförmige Töne, der mahnende Ruf zur Besserung in jeder Seele laut Wo noch bringt das Einfachste solche höchste Wirkung hervor? Wo birgt in so unscheinbarer Hülle sich noch ein so lebendiger und mächtiger Geist? Der denkende, der fühlende Jude kennt und empfindet die Macht der sogenannten Ceremonien; je einfacher sie sich ihm darstellen, desto mehr fühlt er sich von ihrer Größe und Kraft überwunden. — Wie aber d er Künstler aus falschen! Wege ist, der von der Natur sich entfernt, so der Reformer, indem er den Boden der Wahrheit und Göttlichkeit verläßt. Arm an innerm Werth, müssen seine erdichteten Ceremonien sich nochmals mit einen: prunkenden Ceremoniell umgeben,' mit den: äußern Glänze soll die innere Hohlheit bedeckt werden. So erleben wir's an der Konfirmation. Sie, die in dem Judenthum von der Lüge gezeugt und geboren, erhält ^fortwährend Nahrung und Pflege von ihr. Mögen nrir ihren Gängen einmal folgen. Es ist gut, daß man auch die Thorheit kennen lerne, sie erst macht uns die Weisheit werth. Sechs Monate vor der hohen Feier beginnt der vorbereitende Eonfirmänden-Unterricht. Lar-iul^ak werden nur die Knaben, confirmirt auch die Mädchen. In Landschulen werden die Kinder verschiedenen Geschlechts ohne Nachtheil für ihre Sittlichkeit zusammen unterrichtet - es läßt sich ohnedies auch kein Ausweg sonst finden;? in größeren Städten aber! pflegt mam mit Recht Knaben und Mädchen gesondert zu unterrichten, was gewiß alle verständigen Eltern billigen werden. Je sorgfältiger aber unter den gebildeten Ständen diese Trennung durchgeführt worden, -desto bedenklicher -'erscheint es vom pädagogischen Standpunkte, wenn nun plötzlich 14 und 15jährige Mädchen und Knaben zusammengeführt werden und um so anziehendere Bekanntschaften machen, je neuer sie ihnen sind. Nicht mit Unrecht sagen. unsere Weisen: ^,iri ' rrv ,/Nicht die MMs ist der Diebsondern das Loch" (die Gelegenheit). Der Lehrer kann unmöglich vermeiden, daß er nicht einmal sich verspäte, noch weniger kann er verhütendaß die jungen Leute vor der festgesetzten Stunde sich zusammen finden, oder daß man galant einander nach Hause geleite. Durch fehlende Aufsicht ka nn es nicht allein zu Unangemessenheiten führen, sondern es h at schon zu solchen geführt. Auch christliche Seelsorger haben bekannt, daß diese so notwendige Beaufsichtigung ihnen schon viel Sorge gemacht habe; wozu nun sich eine neue und schwere Verantwortung unnützer Weise aufladen? Aber dafür ist der Confirmanden - Unterricht und die Confirmation, daß die Jugend zu Religiosität und Sittlichkeitvorbereitet ' werde! -— Die Kenntnisse, die sie dazu mitbringt , können wir schon übersehen aber den das practische Judenthum, das mitgebracht wird, wohl weniger. Es geht letzteres mir jenen Hand in Hand. In Kassel ist ein Knabe, der sich im Gebetbuch oder im gut zu orientiren weiß, der den fDND noch kennt) ein(Gelehrter); werIX2NMN noch fastet, oder täglich ^gt, ein Indessen — weder der Mangel an Religions-Kenntnissennoch der an jüdischem Leben ist ein Hinderniß, daß die jungen Leute zur Confirmation zugelassen werden; im Gegentheil, man wähnt und fühlt sich verpflichtet, gerade durch.diesen Act, die halb Verlorenen für das Judenthum wieder zu retten. Die fehlende Kenntniß der wird durch de:: Katechismus ersetzt, dessen Inhalt aber so compendiös und so allgemein gehalten ist, daß das Gedächtniß nur mit Classificationen, Glaubenslehrei:, kalten Sentenzen, .schönen Phrasen und Bibelcitaten fangefüllt wird. Vielleicht finden wir einmal eine Gelegenheit, hierüber .ausführlicher zu referiren. Nachdem nun die Jugend nichts gelernt, naht : der ersehnte Tag heran, /Was Kassel - betrifft,, so ist es nicht mehr;! NÄrM l'QrLV-es - sind diecheiden - Tage *)(, die.: Lagez.cher.,Gesetzgebung., und die., hoffnungsvolle Schgar steht^vor der Kanzel, wieunsere Väter einst vor Jahrtausenden um den Sinai. Es wird nun *)'Dcm Christenthum analog, welchks die'Confirmation an. den beiden Pfingsttagen feiert. ' (Hierbei zwei Beilagen.)