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Der Israelit · 1860-12-19 · Heft 30 (19.12.1860) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 30 (19.12.1860)
Date
1860-12-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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357 der stets verneint." „Gedanke und Sprache stehen' im innern Connex, die Formen unserer Gebete find morgenländisch, sinnlich-phantastisch, nicht occidentalisch nüchtern, datiren von einer Zeit, wo die Sprache schon aufgehört hatte zu leben, verrücken die Grenzen zwischen Poesie und Prosa; nicht nur die Piutim, welche bei „uns" (d. h. in der vom Gebetbuche des Jahres 54 gekräftigten Gemeinde) schon lange verhallt, und was sich noch „etwa" (?) in den Gebeten für den Versöhnungstag erhalten, wird ohne Bedauern fallen; sondern ein Schwulst als dessen (vermeintlich) horrendesten Beispiele 2'ipO 1-212 iwx '121 12OL/X '121 t-2'1 '121 2'L'1 NQ-r '121 ll'21p hervorgehoben werden. Das kritischste aber ist die unverständliche Sprache selbst, welche aber bei Leibe die tiefempfundene Ueberzeugung nicht besser und gefühlvoller ausdrücke als die deutsche, denn wer möchte in unserer (d. h. der durch das Gebetbuch vom Jahre 54 bekräftigten) Gemeinde den Wunsch hegen, daß die allsabbatlichen deutschen Gebete für die Gemeinde, für die Obrigkeit, für die Dahingeschiedenen, bei Aussegnung einer Wöchnerin rc., für Todtenfeier, beim Eintritt des Frühlings und des Herbstes wieder hebräisch gebetet würden? Und dennoch geht es nicht, ganz deutsch zu beten; zwar beim stillen Gebete kann Jeder thun wie er will, nicht aber bei öffentlichen Gebeten. Jetzt kommt eine sehr rührende Deduction von der „lieben Bekannten" gegenüber der „Fremden", der wir nicht mit Nachsicht begegnen. Freilich, vielleicht gehts, vielleicht aber auch nicht, und dann wäre es Schade um den Versuch. Daher — Huste uälieu — halb deutsch halb hebräisch, aber kein Mischmasch, bewahre, Alles nach dem System. So um die Predigt herum möge sich die „Fremde" einfinden; dies „System" wird die Jugend fesseln und die Alten nicht verscheuchen." (S. 11—16). So viele Zeilen so viel erasser Unsinn. Wenn es wahr ist, wie nicht erst die Weisheit unseres Schiedsrichters erspäht, daß Sprache nicht Willkür, sondern innige Beziehung zum denkenden Geiste ist, so hat auch jeder Ausdruck seine individuelle Bedeutung, so sind die Synonymen: wahr, feststehend rc., wie alle Synonymen eben nur nachbarliche, aber keine identische Gedanken, ist irQwx etwas mit iri22 Verwandtes, aber doch auch von demselben Verschiedenes. Alldieweil und insofern man an dem Verfasser der „Urschrift" allerdings keine sehr verfängliche Frage richtet, iv^nn man auf Stellen wie 12M1 1217.11 12x011 ,127^111 1217N nxrm 12217^ ni-öoi aufmerksam macht (der' quantitative Unterschied gäbe nur einen ganz launenhaften und willkürlichen Grund zu obiger Frivolität); so will ich ihn nur danach fragen, ob denn seine durch das Gebetbuch vom Jahre 54 gekräftigte Gemeinde aus lauter Philosophen bestehe, denen jedes zum Herzen sprechende Bild von Uebel (ich denke jetzt an das '121 11212 lox), denen der strenge logische Lehrsatz allein zugänglich und kräftigend ist, und ob denn in den deutschen Gesängen jede lebhafte Phantasie und jedes Bild vermieden wird, vermieden werden kann oder soll? Unsinn, nichts als Unsinn. — Nun aber die hebräische Sprache selbst; diese versteht leider Niemand in der durch das Gebetbuch vom Jahre 54 gekräftigten Gemeinde. Was wäre nun da zu thun? Für jeden Vernünftigen gibt es folgende 2 Wege: Entweder diese gekräftigte Gemeinde lernt Hebräisch, oder es wird Deutsch im consequentesten Sinne des Wortes gebetet. Ersteres aber würde seinen Zweck nicht erreichen, denn wer von den Wöchnerinnen würde sich hebräisch aussegnen lassen, dies wäre ja schrecklich, und muß wohl auch unästhetisch sein. Nun aber umgekehrt; und hier wird der Verfasser so recht gemüthlich schmeichlerisch, so episch malerisch, ich möchte sagen „morgenländisch-sinnlich-phantastisch", daß es einem ordentlich ans Herz geht. Die „liebe alte Bekannte!" Und wie gelangt die Gemeinde zum Verständnisse dieser wenigen Ruinen der alten lieben Bekannten? Wird dies nun aber mit der Gottes-Hilfe erlangt, wie wir dies aus der begeisterten Lobrede für das!?xiL" die doch nur dem verstandenen gelten kann, hoffen dürfen, nun, so wird mit derselben nur etwas größern evxia vsrdormu auch alles Hebräische verstanden werden, und handelt es sich dann nür um einen launenhaften, principlosen Unterschied. Wird es aber nicht erlangt, so wird die gekräftigte Gemeinde zum Lippenwerksgottesdienste erzogen; Beides ist Willkür und Unsinn. Kann aber Jemand diese Willkür oder diesen Unsinn aus dieser Gebetsordnung herausdemonstriren, so vermag er wahrlich mehr als ich. — Mit welchem sittlichen Ernst aber und mit welcher Art von Gewissen dieser dritte

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